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7 Minuten nach Mitternacht

veröffentlicht in: Hörbücher
am 18.09.2011

Der Tod eines geliebten Menschen kann zu den einschneidenden Momenten im Leben gehören. Kommt der Todesfall dann auch noch unerwartet und im engsten Familienkreis vor, ist es für Kinder und Jugendliche besonders schwer.

Vor allem bei Krankheitsfällen mit sehr ungünstigem Verlauf ist es für die erkrankten Eltern oder älteren Geschwister schwierig, den „Kleinen“ die Wahrheit näher zu bringen und sie auf den bevorstehenden Abschied vorzubereiten.

Das Hauptproblem eines solchen Dramas dürfte wohl die Angst der Betroffenen sein, die eigenen Kinder oder Geschwister mit der Wahrheit zu überfordern. Stattdessen wird das unvermeidliche Gespräch immer weiter aufgeschoben, was für die „Schützlinge“ auch nicht mehr bedeutet als quälende Ungewissheit.

Dieses Problem hat auch die Mutter des Jungen Conor. Sie hat Krebs und die Therapien zeigen nicht mehr die erhoffte Wirkung. Ihr Körper baut immer mehr ab und nur noch ein Wunder könnte ihr helfen, lebend aus einer solch prekären Situation herauszukommen.

Ein solches Wunder will sich aber nicht einstellen und nur langsam beginnt sie, ihrem Sohn das Ausmaß der menschlichen Katastrophe zu offenbaren.

Dieser scheint anfänglich an die baldige Genesung der Mutter zu glauben, er klammert sich regelrecht an dieser „Gewissheit“ fest. Doch zumindest seinem Unterbewusstsein ist klar, dass die Situation aussichtslos ist. Sich der Realität zu stellen erfordert in diesem Fall nicht nur Mut, sondern es bedarf auch der schrecklichen Fantasie des Jungen.

Und so wird er nicht nur Nacht für Nacht von einem Alptraum heimgesucht, sondern wird auch mit seinen ärgsten Befürchtungen konfrontiert…

Der Schrecken eines solchen dramatischen Verlusts ist für Außenstehende kaum nachvollziehbar, die Leistung der Buchautoren kann deswegen nicht hoch genug bewertet werden. Ihnen gelingt es, den Schwermut und die Dramatik einer solch tragischen Situation greif- und erlebbar zu machen. An einer Stelle, an dem ein normaler Mensch zu stocken beginnt, wird eine Geschichte erzählt, die den Leser mitnimmt – vom (scheinbar) hoffnungsvollen Anfang bis zum bitteren, aber nicht aufzuhaltenden Ende.

Die Story ist durchweg authentisch und nachvollziehbar. Angefangen vom Handlungsbogen bis hin zu den Charakteren gelingt es, eine atmosphärisch sehr dichte Geschichte zu erzählen, die nicht anders kann, als den Leser zu fesseln. Interessanter wie trauriger Hintergrund: Die Co-Autorin der Geschichte (Siobhan Dowd) verstarb noch während des Entstehungsprozesses nach schwerer Krankheit (Krebsleiden). Wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, dass man zeitweilig glaubt, selbst Protagonist der Geschichte zu sein und einer schier aussichtslosen Situation gegenüberzustehen.

Insbesondere die Sprecherin (Maria Furtwängler) konnte auf ganzer Linie glänzen. Sie vermittelt die Geschichte so, als ob sie Beobachterin einer Geschichte wäre, die ihr oder einer anderen nahestehenden Person passiert wäre. Sie haucht der Handlung Leben und Seele ein und schlägt den Leser vollends in den Bann der Geschichte.

Fazit
Nachdem ich mir die Geschichte angehört hatte, war ich zunächst ein wenig schockiert darüber, wie sehr mich das Schicksal des Jungen ergriffen hatte. Das passiert mir eigentlich nur sehr selten. Die Story ist aufwühlend und mitreißend sowie ganz und gar empfehlenswert. Stellt sich nur noch die Frage, ob es für das heimische Kinderzimmer taugt.

Die Frage ist nur sehr schwer zu beantworten. Einerseits nimmt einen die Geschichte ganz schön mit und ob sich jemand eine derartige Story antun möchte, der selbst schon einmal in einer ähnlichen Situation war – möchte ich bezweifeln. Andererseits bietet das Hörbuch die Möglichkeit eines ganz anderen Zugangs zum Thema „Tod“.

Denn jenseits der düsteren Dunkelheit erwartet den Leser ein Plädoyer für die Betroffenen, das Leben danach nicht auszuschlagen und loszulassen. Also im Grunde eine Botschaft, die für jeden, der mit dem Ableben Nahestehender konfrontiert wird, gleichermaßen sehr wichtig ist. Insofern würde ich ein Alter ab ca. 13 Jahren als Mindestgrenze vorschlagen.

Für Eltern und Multiplikatoren im Allgemeinen wäre es dennoch sinnvoll, sich vor der Weitergabe mit dem Buch und dem angesprochenen Thema (Krankheit und Tod) auseinanderzusetzen. Insbesondere für den (fachübergreifenden) Unterricht (Deutsch, Ethik, Religion) bietet das Kleinod interessante Anknüpfungspunkte, die durchaus aufgegriffen werden sollten.

„Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist bei Der Hörverlag erschienen und im Handel für knapp 20€ erhältlich. Das Hörbuch hat eine Laufzeit von ungefähr 276 Minuten und umfasst 4 CDs.

Buchverlag: cbj

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