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Der Brockhaus: Bildung 21

veröffentlicht in: Nachschlagewerke
am 27.11.2011

Wissen für das 21. Jahrhundert
In regelmäßigen Abständen wird seitens der Bildungspolitiker, Wirtschaftsvertreter und Hochschulverwaltungen Alarm geschlagen: Nicht ausbildungsfähig sei die Jugend, so der Vorwurf. Nun kann man sich Bildung auf vielerlei Wegen aneignen, Schulen sind mit Sicherheit nicht der einzige Ort. Insofern betrifft die Debatte nicht nur Didakten und deren Vorgesetzten, sondern auch das Elternhaus. Gerade dort wird fürs Leben gelernt – oder auch nicht. Der Brockhaus: Bildung 21 soll und will derartige Bildungsprozesse unterstützend begleiten, mittels der Vermittlung von übersichtlich und leicht verständlich aufbereiteten Informationen. Ob das gelingt? Wir durften einen Blick in die Neuerscheinung werfen…

Weder Lexikon noch Lehrbuch
Anders als die klassischen Brockhäuser wird das Wissen hier nicht in lexikalischer Form aufbereitet: Es beginnt nicht mit “A” wie Aachen und endet bei “Z” wie Zyklop. Die zu vermittelnden Informationen wurden auf verschiedene Kategorien und Unterkategorien verteilt. Auf knapp 560 Seiten wird Wissen in den Bereichen “Natur und Technik”, “Kultur und Gesellschaft” sowie “Praktische Bildung” vermittelt. Unter den Punkten finden sich dann Stichworte wie “Musik”, “Medien”, “Informatik und Telekommunikation” oder “Lebenspraxis”, zu denen auf mehreren Seiten Erklärungen und Informationen geboten werden. Die angesprochenen Punkte werden dann unter verschiedenen Fragestellungen näher beleuchtet, um den Leser an den Untersuchungsgegenstand heranzuführen und einen ersten Einblick auf diesen zu bieten.

Wie bereits von Brockhaus gewohnt, wird dabei sehr sensibel auf die Bedürfnisse des Lesers eingegangen: Kein Fachchinesisch, keine verklausulierten Sätze oder trockenen Ausarbeitungen, sondern leicht verständliche Ausführungen, übersichtlich wie unterhaltsam präsentiert. Darüber hinaus glänzt der Brockhaus mit anschaulichen Illustrationen und zahlreichen sehr informativen und geschriebenen Zusatzinformationen.

Übersichtlich und leicht verständlich
Was uns ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist der Versuch eines Einstiegs in die Bildungsdebatte selbst. Das Lexikon wird – neben dem obligatorischen Vorwort – mit einem fiktiven “Dialog” von gelehrten Größen der europäischen Geschichte eingeleitet. Es kommen dabei Werner von Siemens, Adolph Freiherr zu Knigge, Giambattista Vico, Diderot und Isaac Newton zu Wort. Nicht nur, dass das Gespräch einen hohen Unterhaltungswert hat und mit dem einen oder anderen Augenzwinkern zu lesen ist. Es verdeutlicht auch den Kern der Debatte selbst.

Der Dialog wird mit der provokativen Frage “Was bedeutet Bildung?” eröffnet. Letztendlich kreist das Gespräch jedoch um die Frage, welchen Wertgehalt Bildung überhaupt hat: Ist Bildung ein Wert für sich oder vielmehr Mittel zum Zweck? Was für eine Aufgabe hat die Bildung für Mensch und Gesellschaft? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Unabhängig davon, welche Position der Leser in dem politischen Diskurs vertritt, veranschaulicht der Dialog verschiedene Haltungen sowie die Begründungen der jeweiligen Standpunkte. Analog dazu werden auch die einzelnen Bereiche (“Natur und Technik”, “Kultur und Gesellschaft” und “Praktische Bildung”) mit ähnlich gearteten Streitgesprächen eingeleitet.

Was uns ein wenig fehlt, sind die weiterführenden Literaturempfehlungen. Zwar wird eine hervorragende Auswahl aus dem Kanon des Allgemeinwissens präsentiert, übersichtlich und leicht verständlich dargestellt – aber wer mehr wissen möchte, wird irgendwie allein gelassen. Sinnvoll wären Literaturtipps, die auf die jeweiligen Bedürfnisse des Lesers zugeschnitten sind. Literaturhinweise mit abgestuftem Schwierigkeitsgrad wären optimal, so zum Beispiel hätte man jeweils ein bis zwei Buchempfehlungen für Schüler, Studenten und Erwachsene geben können.

Sehr empfehlenswerte aber hochpreisige Anschaffung
Aus unserer Sicht gibt es bei diesem Bildungsnachschlagewerk kaum etwas auszusetzen: Die Informationen werden leicht verständlich vermittelt, in einen Gesamtzusammenhang eingeordnet und durch Illustrationen wunderbar veranschaulicht. Sogar der Bildungsbegriff selbst wird unterhaltsam und spannend dargestellt, hätte die Redaktion nicht auf die Literaturtipps verzichtet, wären wir rundherum zufrieden.

Die Leistung hat jedoch seinen Preis, mit knapp 50€ gehört dieses Buch zu den hochpreisigen Qualitätsmedien. Berücksichtigt man jedoch den Umfang und das gebotene Niveau, relativieren sich die Investitionskosten. Die Anschaffung lohnt sich ab einem Alter von ca. 15-16 Jahren, jünger sollten die zukünftigen Leser keinesfalls sein – für Kinder und junge Heranwachsende gibt es altersgerechtere Literatur. Es wäre einfach zu schade, wenn das Buch im Regal verstauben würde.

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