DDR- Grausamkeiten
veröffentlicht in: Buchnewsam 25.07.2012
Mehr als 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung offenbart der Athene Media Publikumsverlag Dinslaken erstmals die spektakuläre Lebensgeschichte eines ehemaligen Universitätsprofessors der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und DDR-Flüchtlings.
Unter dem Titel „Geschenksendung, keine Handelsware“ mit dem Untertitel „Chronik einer langen Flucht“ reflektiert der Autor Professor Dr. Dr. hc. Karl Otto Kagel in ungewöhnlicher Offenheit das Leben, Erleben und Überleben in der DDR autobiographisch von der Kindheit bis zur späteren spektakulären illegalen Flucht.
Aufgewachsen auf einem Bauernhof des Ostteils im Nachkriegsdeutschland wird Kagel früh mit dem Gedanken der Flucht konfrontiert. Aufgewachsen in einer bodenständigen Bauernfamilie erlebt er die Fürsorge der Eltern, die ihren Kindern klarmachen, dass die Landwirtschaft in der DDR keine Perspektive bietet. Konformität mit dem System gibt es nicht. Die Erfahrungen des Vaters aus fünf Jahren sowjetischer Kriegsgefangenschaft münden in dem Leitsatz des Vaters: „Lernt, was ihr nur lernen könnt. Das ist das Einzige, was sie euch nicht nehmen können. Alles andere nehmen sie uns sowieso noch weg.“ Dennoch entschließen sich die Eltern nicht zur Flucht. Insbesondere auch nicht 1960, als sie der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft zum Opfer fallen.
Der Leser erfährt viel vom Autor, der Mediziner ist: das Buch erzählt von seinem Weg durch das Schulsystem der DDR, von seinem Medizinstudium und dem medizinischen Alltag in Greifswald. Dabei ist es keine Arztbiographie. Er begleitet seine Mitmenschen und würdigt Schicksale an seiner Seite. Schicksale von Freunden, die in DDR-Zuchthäusern viele Jahre zubringen mussten.
Dem System Staatssicherheit widmet der Autor ganze Kapitel aus eigenem Erleben und reflektiert aus der eigenen Stasi-Akte Originalauszüge.
Umstände und Erlebnis der filmreifen, schließlich gelungenen Flucht werden detailgetreu beschrieben und erinnern an einen Kriminalfall.
Der Autor lässt aber auch 20 Jahre erlebten Alltag nach der Wiedervereinigung lebendig werden. Das zweite Leben u.a. in Hamm und Lübeck ist ein erfolgreiches und spannendes Abenteuer in einer völlig neuen Umgebung – nicht ohne Einfluß der DDR.
Das 337 Seiten umfassende Buch ist eine späte Offenbarung und bringt ein zeitgeschichtliches Dokument auf den Markt, dass viele Antworten gibt und neue Fragen aufwirft.
- Neue, umfassend ergänzte und erweiterte Auflage:
- Karl Otto Kagel: Geschenksendung, keine Handelsware – Chronik einer langen Flucht
- 2012, ca. 337 Seiten, Broschur, ISBN 978-3-86992-047-4, € 15,98

