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Wahnsinn – Satire

veröffentlicht in: Buchnews
am 08.09.2012

Die Erzählung “Wahnsinn – Satire über die alltägliche Diktatur” des Berliners und Schriftstellers Gerd Hornawsky erscheint im Athene Media Publikumsverlag und berichtet in modellhaften Einzelszenen von kleinen diktatorischen Deformationen des täglichen Lebens, beinahe unmerklichen Abweichungen von der Norm, mit denen die meisten unbedacht leben und die doch in ihrer Gesamtheit zu einer gestörten paranoischen Gesellschaft führen, die unrettbar ihrem Zusammenbruch entgegengeht.

Die Handlung spielt in einem wissenschaftlichen Institut, dem Zentralinstitut der Zuckerindustrie, in dem der Direktor Professor Hinz vor dem Hintergrund der realsozialistischen staatlichen Diktatur seine unpolitische private Diktatur entfaltet. Dabei vermischen sich beide Formen der Diktatur so unauffällig, dass man leicht aus den Augen verliert, ob sich die Betroffenen an den Deformationen des Staates oder an denen des Professor Hinz stoßen, ob zwischen beiden überhaupt ein spürbarer Unterschied besteht und ob sich nicht vielleicht alle Beteiligten schon selbst unwürdig deformiert haben.

Die Entscheidung darüber ist letztendlich von geringer Bedeutung. Man erlebt die Personen in ihrem Verhalten vor dem Zusammenbruch 1989/90, während des Zusammenbruchs und danach, und man kann sich gut vorstellen, wie sie sich beim Weiterdrehen der Geschichte und dem Herannahen einer neuen Diktatur verhalten werden: genauso.

Die Hauptperson der Erzählung, der Biologe Dr. Bernd Berger, erliegt den verführerischen Versprechungen des Professor Hinz, weil er ihnen erliegen will. Er ist fasziniert nicht nur von der Idee, die Menschheit von der Geisel der Krebskrankheit zu befreien, sondern auch von der imponierenden Persönlichkeit des Professors, der ihm eine glänzende Zukunftsvision entwickelt. Er strebt ihm zu wie ein politischer Anhänger einer Partei, obwohl er von verschiedenen Seiten gewarnt wird und durchaus rechtzeitig Mängel seines zukünftigen Direktors wahrnimmt.

Er schaltet seinen Verstand aus, bis es zu spät ist. Kaum als Mitarbeiter im Zentralinstitut der Zuckerindustrie angekommen, wird er der Unterwerfung durch den alleinherrschenden Chef unterzogen. Als seine Unterwerfung nicht bedingungslos gelingt, wird er zum Feind erklärt und bekämpft.

Wie in der politischen Diktatur bilden Verführung, Unterwerfung und Bestrafung eine Einheit, die von einem Geflecht von Beziehungen und Bespitzelungen durchsetzt ist. Berger erkennt, dass er einem Wahnsinnigen aufgesessen ist, wahnsinnig im doppelten Sinne: besessen vom Wahn, mit seiner Arbeit die Menschheit befreien zu können, und als medizinischer Fall des Paranoikers, eines gehemmten misstrauischen Schwächlings, der überall Verschwörungen gegen sich vermutet und wahllos um sich schlägt.

Berger steht vor der Frage, sich bedingungslos anzupassen, in die zweite Reihe abzutauchen oder wegzugehen – vorausgesetzt, dass es Möglichkeiten dafür gibt. Der politische Zusammenbruch nimmt ihm die Entscheidung. Es beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt im neuen Staat mit wiederum fast unmerklichen Deformationen.

Dr. Gerd Hornawsky, von Beruf Chemiker, beschreibt diesen Teufelskreis aus eigener Lebenserfahrung mit viel Witz und feiner Ironie, ein Buch über kaum wahrnehmbare Deformationen im täglichen Leben, die in ihrer Gesamtheit zu einer völlig deformierten paranoischen Gesellschaft führen.

Er selbst, im Nachkriegsdeutschland aufgewachsen, der den Mauerbau als Student in Jena erlebt hat, verbrachte seine besten Berufsjahrzehnte in wissenschaftlichen Instituten Ost-berlins und war nach 1990 Mitarbeiter von Firmen in Bayern und Berlin.

Als Schriftsteller, vorwiegend für Funk, Fernsehen und Theater („Nachlass“, „Kepler“, „Kapitzke und Wolzenbach“) sieht Hornawsky die Verführbarkeit der menschlichen Psyche und ihre Anfälligkeit für Diktaturen als sein zentrales Thema. Hornawsky lebt in Berlin Prenzlauer Berg.

  • ISBN 978-3-86992-083-2
  • Gerd Hornawsky: Wahnsinn – Satire über die alltägliche Diktatur,
  • Athene Media Verlag
  • www.athene-media.de

 

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