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Schiffbruch, ein fremder Strand, ein paar Tote und eine Überlebende – der Stoff aus dem RPG-Träume gemacht sind? Nach der „Gothic 3“-Pleite erhoffte man sich, seitens Macher, eine Art Rehabilitation durch die Neuveröffentlichung „Risen“. Ob dieses Unterfangen geklappt hat?

Das Spiel beginnt reichlich ungemütlich: Ein Schiff, ein Sturm und die anschließende Seenot. Angeschwemmt an einem fremden Ufer, mit nur einer Überlebenden, beginnt ein Kampf auf Leben und Tod. Der Spieler befindet sich auf einer Insel, diese ist jedoch alles andere als einsam. Hier streicht nicht nur allerlei Getier durch die Gegend, sondern auch die Einwohner machen einem das Leben schwer. Schon bald findet man heraus, dass sich hier zwei große Parteien gegenüberstehen. Auf der einen Seite die Banditen, auf der anderen die Weißen.

Der Spieler muss sich einem der beiden Fraktionen anschließen, sich im Kampf und (beruflichen) Fertigkeiten üben und dafür verschiedene Aufgaben meistern. Dafür gibt es nicht nur Pluspunkte, die einem einen Levelaufstieg ermöglichen, sondern auch meistens etwas Geld, wichtige Informationen oder wertvolle Gegenstände. Wie in den meisten anderen RPGs auch, muss der Spieler verschiedene Aufträge annehmen und erfolgreich abschließen, um voranzukommen.

In dem Spiel stehen einem eine Vielzahl an Quests zur Verfügung, um die Fertigkeiten seines Charakters zu trainieren. Egal, ob Diebstahl & Einbruch, Schmiedetechniken oder die Fähigkeit, mit Schwert und Bogen besser umgehen zu können. Es gibt eine enorme Bandbreite, um sich zu verbessern und für zukünftige Aufgaben vorbereitet zu sein. Um den Anforderungen der Quests etwas entgegensetzen zu können, muss man aber nicht nur mit dem Schwert umgehen können. Manchmal hilft auch ein halbwegs sensibles Vorgehen bei Gesprächen, um weiterzukommen.

Im Spiel müssen manchmal gewaltige Strecken überwunden oder bestimmte Personen gefunden werden. Dabei helfen die verschiedenen Karten, diese zeigen nicht nur den eigenen Standort an, sondern auch den des Zielobjektes. Zwar ist die Spielwelt noch halbwegs übersichtlich, aber ewiges Hin- und Hergesuche kann doch sehr viel Zeit verschlingen. Die Karten sind deshalb eine richtig gute Erleichterung für den Spieler. Überhaupt ist die Spielsteuerung recht simpel, nach kurzer Eingewöhnungszeit dürfte diese eigentlich jedem zugänglich sein. Hinzu kommt, dass man die Tastenbelegung auch den eigenen Bedürfnissen anpassen kann. Auch was die Übersichtlichkeit zu erfüllender Aufgaben betrifft, werden kaum Wünsche offen gelassen. Oftmals ist es so, dass man mehreren Aufträgen gleichzeitig nachgehen muss, im Logbuch sind die wesentlichen Informationen dazu aufgelistet – quasi als Gedächtnisstütze.

Ebenfalls sehr gut gelungen: Der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Gegner, nichts ist schlimmer, als wenn man einen einzelnen Gegner stundenlang bearbeiten muss, um weiterzukommen. Zwar sind die verschiedenen Kontrahenten nicht unbedingt leicht klein zu kriegen, aber schlagbar. Auch die Tierwelt ist nicht derartig resistent, dass man sich nur auf den offiziellen Pfaden bewegen müsste. Interessant sind dahingehend die verschiedenen Kampftechniken der einzelnen Tiere. So greifen Wölfe im Rudel an und versuchen, den Spieler einzukreisen. Wenn man nicht aufpasst, wird man von diesen wendigen Tieren eingekesselt (und getötet). Das Gleiche gilt für Angriffe auf menschliche Gegner. Auch hier wird eingekreist, geblockt und zugeschlagen. Deshalb ist es sehr wichtig, in jeder Situation mit einer angemessenen Taktik zu reagieren.

Die Vielzahl an Gegnern und Aufträgen schlägt sich natürlich auch in der Spielzeit nieder. Nimmt man wirklich alle Quests mit, kann man bis zu 50 Stunden mit dem Spiel verbringen. Je nach eigenem (Kampf-)Vermögen und Karrierewahl kann das natürlich stark variieren. Alles in allem halten wird den Spielumfang dahingehend für gut gelungen. Bei einer täglichen Spielzeit von ca. 2-3 Stunden, dürfte man mit dem Spiel mindestens 2-4 Wochen zu Gange sein.

Während dieser Zeit kurvt man nicht in einer langweiligen oder immer gleichbleibenden Gegend herum. Vielmehr ist es den Machern gelungen, eine glaubwürdige, düstere Spielumgebung zu kreieren. Die Umgebung ist übersichtlich, aber trotzdem umfangreich, es gibt unterschiedliche Tageszyklen und ein generiertes Wettersystem. Zu der Authentizität des Spiels tragen auch die verschiedenen Charaktere bei, auf die man während des Spielens trifft. Ein rauer Umgangston ist hier an einigen Stellen schon fast Pflicht.

Dahingehend kann man die Wahl der Sprecher bzw. die akustische Untermalung überhaupt als gelungen bezeichnen. Sie passen zur jeweiligen Situation und unterstreichen den jeweiligen Charakter des Geschehens. Die Synchronisation ist auch ein echtes Hörerlebnis, zu jedem Protagonisten (und seinen Worten) wurde eine passende Stimme gefunden. Beim Sound gab man sich keine Blöße. Die Grafik ist ganz gut gelungen, wenn auch nicht ganz so wie die akustische Ausgestaltung des Spieles. Positiv fiel vor allem die in sich stimmige Umgebung auf: Insbesondere die detaillierte Darstellung von Wald und Flur, sogar das Licht wird durch das Dickicht gebrochen. Nicht ganz so gelungen sind die manchmal etwas hölzern wirkenden Bewegungsabläufe und die etwas zu groben Konturen der einzelnen Akteure. Wirklich schlimme Schnitzer suchten wir hier vergebens, es handelt sich nur um Potential, was noch nicht ausgenutzt worden ist. Man könnte es auch Jammern auf hohem Niveau nennen, denn die gebotene Leistung ist hier wirklich sehr gut.

Im Großen und Ganzen ist das auch unser Fazit, „Risen“ ist ein gut gelungenes Spiel. Einige sprechen bereits davon, dass es ein neues Kultspiel werden könnte. Ob das der Fall ist, lässt sich von unserer Seite nur schlecht beurteilen. Allerdings lässt sich sagen, dass das Spiel so manchen Makel, der bei „Gothic 3“ zu finden war, mehr als ausgebügelt hat.

Das Spiel ist sowohl für Einsteiger, als auch für Cracks eine sehr gute Empfehlung. Im Test konnte dieses auf nahezu ganzer Linie sehr gut überzeugen. Freigegeben ist das Spiel ab einem Alter von 12 Jahren (USK) bzw. 16 (PEGI). Wir würden eher zu einer Altersgrenze von ca. 13-14 Jahren tendieren. Die Sitten (und der Sprachgebrauch) im Spiel sind zwar rau, aber nicht so brutal, als dass wir zu der Meinung hätten gelangen müssen, dass man Personen unter 16 das Spiel vorenthalten müsste. Am besten wäre es jedoch, wenn man sich vor dem Kauf selbst ein Bild vom Spiel machen und danach entscheiden würde. Dazu würden wir Ihnen empfehlen, die kostenlose Demoversion des Spiels herunterzuladen und „Risen“ einfach mal anzuspielen.

Noch ein Wort zu Preis und Systemvoraussetzungen. Mit einem zu alten Rechner sollten Sie hier nicht an den Start gehen. Sie sollten also bei einem älteren PC darauf achten, dass dieser die gestellten Anforderungen tatsächlich erfüllt. Im Handel ist „Risen“ für knapp 43€ erhältlich, im Hinblick auf unser Testergebnis ein sehr guter Preis. Wenn Sie es etwas exklusiver wünschen, gibt es auch eine „Collector`s Edition“. Diese kostet auch ein wenig mehr, hier muss man knapp 90€ hinlegen – in Anbetracht des Preises also eher etwas für Fans und Sammler.

Angaben

Erhältlich bei Amazon

Risen

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