Ein Blick hinter die Kulissen

Annette Büchele ist Redaktionsleiterin für den Bereich der Experimentierkästen beim Stuttgarter KOSMOS Verlag. Mit der Entwicklung von jährlich etwa 50 Neuheiten für kleine und große Forscher hat die Abteilung jede Menge zu tun. Da wird viel getestet, verworfen und optimiert bis der fertige Experimentierkasten im Regal steht.

In den letzten Jahren wurde sie noch einmal besonders gefordert: Die Neugestaltung der gesamten Produktrange stand auf dem Plan. Wir haben für Sie mit Annette Büchele über die Hintergründe und Herausforderungen der Neugestaltung gesprochen.

Was hat sich im Zuge der Neugestaltung geändert?
Annette Büchele: Was natürlich sofort ins Auge fällt ist das neue Verpackungsdesign, das viel moderner und frischer wirkt. Um dem potenziellen Käufer die Inhalte, Schwerpunkte und Vorzüge des jeweiligen Experimentierkastens aufzuzeigen, haben wir die gesamten Informationen auf der Rückseite der Verpackung neu strukturiert.

Außerdem haben wir nun praktische Klappschachteln. So kann das Material nach dem Experimentieren wieder besser in der Schachtel verstaut und aufgeräumt werden.

Aber es hat sich nicht nur die Optik der Experimentierkästen verändert, oder?
Annette Büchele: Richtig! Besonders viel Wert haben wir auf die didaktische Überarbeitung der Anleitungen gelegt. Wir arbeiten mit weniger Text und haben dafür mehr Bilder integriert. So lässt sich den Versuchsanordnungen leichter folgen.

Spielerische Elemente wie Quizfragen, Spielvorschläge und Rätselseiten vertiefen das erworbene Wissen und animieren die Kinder, weiter zu experimentieren.

Das hört sich nach einer Menge Arbeit an. Wie lange hat der Neugestaltungsprozess denn gedauert und wie kann man sich diesen Prozess vorstellen?
Annette Büchele: Dieser Prozess lief über insgesamt drei Jahre. Zu Beginn gab es eine komplette Bestandaufnahme der lieferbaren Experimentierkästen. Hier wurden das Verpackungsdesign, die Verpackungsgrößen und die Preisstruktur betrachtet.

Da der Bereich Experimentierkästen bei Kosmos über die letzten Jahre sehr erfolgreich und sehr schnell angewachsen ist, musste eine neue Struktur festgelegt werden. Zusätzlich gab es umfangreiche Untersuchungen zu unseren Zielgruppen, deren Interessen, Lern- und Sehgewohnheiten.

Die gesamten Informationen flossen in die Entwicklung der Programmstruktur, der Themengebiete, des Verpackungsdesigns, der Verpackungsarten und  größen, aber auch in die aufwändigen Anleitungen. In einer umfangreichen Marktforschung, bei der Kinder und Eltern über diese Neuerungen befragt wurden, kamen unsere Kästen erneut auf den Prüfstand. Die Erkenntnisse der Befragungen wurden dann in die Entwicklung der einzelnen Kästen und in die grundlegenden Vorgaben unseres Relaunchs eingearbeitet.

Annette Büchele: Sicherheit spielt bei Experimentierkästen eine sehr große Rolle. Nicht nur in der Einhaltung der rechtlich vorgeschriebenen Normen, sondern auch in der Außenwirkung der Kästen auf die Zielgruppe. Eine spannende Erkenntnis der Befragung war, dass es bei vielen potenziellen Kunden große innere Hürden und Ängste beim Umgang mit Experimentierkästen gibt.

Sind die Experimente sicher? Kann etwas schief gehen?
Gerade bei Chemiekästen sind diese Hürden sehr hoch. Aber auch bei unserem Bestseller „Triops“. Hier ängstigen die lebendigen Krebse manche Mutter, so dass der Kasten nicht gekauft wird oder das Geschenk schnell im Keller verschwindet. Hier versuchten wir mit dem neuen Layout und den Informationen auf den Kästen diese Vorbehalte zu nehmen.

Kein Elternteil muss Hemmungen vor schwierigen elektronischen Schaltungen oder chemischen Experimenten haben. Wir wenden uns an Kinder, aber auch an die Eltern, die am Spaß der Kinder teilhaben möchten.

Was war die größte Herausforderung im gesamten Neugestaltungsprozess?
Annette Büchele: Definitiv der Zeitplan. Beim Medium Experimentierkasten handelt es sich um ein höchst komplexes System, bei dem alle Bestandteile aufeinander abgestimmt sein müssen. Nur so funktionieren die in der Anleitung beschriebenen Experimente.

Da viele Kästen mehr als 100 Bestandteile haben, ist die Fehleranfälligkeit sehr hoch. Wenn ein Teil falsch angeliefert wird, funktionieren die beschriebenen Experimente einfach nicht mehr. Aber nicht nur das, auch der gesamte Zeitplan gerät durcheinander und der Kasten kann nicht mehr termingerecht fertiggestellt werden.

Im speziellen Fall des Relaunchs war dies natürlich noch eine viel größere Herausforderung. Die gesamte Produktpalette sollte zum gleichen Termin auf dem Markt sein – das erforderte ein Höchstmaß an Koordination aller beteiligten Abteilungen.

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