Interview zu Civilization V mit Jon Shafer

Die Civilization -Reihe gilt als Ursprung aller rundenbasierenden Strategie- und Taktikspiele. Zur Gamescom 2010 wurde, nach einer (gefühlten) Ewigkeit, der 5. Teil des Kultspiels einem breiten Publikum vorgestellt. Jon Shafer ist der Lead Designer von Civilization V – also einer der hauptverantwortlichen Entwickler des Spiels. Anlässlich der Neuerscheinung stand er uns für ein Interview Rede und Antwort.

Ratgeberspiel: Angenommen es würden die Eltern eines Computerspielers zu Ihnen kommen und Sie fragen, was die Spielidee von Civilization wäre und Sie müssten in drei Sätzen antworten. Was würden Sie ihnen sagen?

Jon Shafer: Ich würde ihnen sagen, dass die Grundidee von Civilization ist, dass der Spieler eine Gesellschaft durch die Geschichte führt – von der Antike bis in die nahe Zukunft. Der Spieler ist eine Art Anführer, der seinen ganz individuellen Führungsstil einbringen kann. Es ist zwar kein Spiel über die Menschheitsgeschichte, aber es kann einiges über sie erzählen.

Ratgeberspiel: Was wurde gegenüber Civilization IV verändert, was sind die wesentlichen Neuerungen in Civilization V?

Jon Shafer: Es gibt einige Verbesserungen gegenüber Civilization IV, die wichtigsten dürften das neue Kartensystem, der verbesserte Kampfmodus und die Einführung von Stadtstaaten sein. Die Änderung im Kartensystem betrifft die Gestaltung der einzelnen Felder, statt Quadrate werden nun Hexagone verwendet. Dadurch wird viel besser deutlich, welches Feld wo angrenzt und wie weit man seine Einheiten bewegen kann.

Eine weitere große Neuerung betrifft die Stationierungsmöglichkeiten der einzelnen Einheiten. Statt mehrere auf einem Feld zu konzentrieren, kann auf einem Feld nur noch eine Einheit positioniert werden. Die Stadtstaaten sind eine weitere Neuheit. Der Spieler kann mit diesen interagieren und sich beispielsweise mit ihnen anfreunden, je nach Spielweise können sie einen auch dabei unterstützen, das Spiel zu gewinnen.

Ratgeberspiel: Sie sprachen davon, dass man mit Civilization auch etwas über die Geschichte lernen könne. Einige Pädagogen und Politikwissenschaftler haben vorgeschlagen, dass Spiele wie Civilization stärker in Politik- und Geschichtsunterricht beziehungsweise die Bildungsarbeit eingebunden werden sollten. Was halten Sie davon?

Jon Shafer: Civilization ist in erster Linie ein Spiel, an dem der Nutzer Spaß haben soll – in dem Sinne ist es kein Lernspiel. Nichts desto trotz kann es dazu animieren, sich stärker mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich kenne einige Leute, deren Interesse an dem Gebiet durch das Spiel geweckt wurde – mich eingeschlossen. Natürlich kann ich nicht garantieren, dass das bei jedem so ist. Allerdings denke ich, dass Civilization durchaus als Einstieg geeignet sein kann…

Ratgeberspiel: Wie wird man eigentlich „Lead Designer“ von Civilization V?

Jon Shafer: Es begann alles vor ca. 10 Jahren, als ich noch zur High School ging. Mein Vater war ein Programmierer und konnte mir ein paar Dinge zum Thema Programmieren zeigen, sodass ich schon damals auch erste kleinere Projekte hatte. Ich spielte zu der Zeit auch einige historische Spiele und kam so mit dem Thema in Berührung. Irgendwann begann ich mich immer mehr dafür zu interessieren, wurde Beta-Tester für Firaxis und habe mich dann auch beruflich in dieser Richtung weiterentwickelt.

Ratgeberspiel: War der Beruf „Entwickler“ eigentlich Ihr Kindheitstraum?

Jon Shafer: Ganz eindeutig „ja“.

Ratgeberspiel: Vielen Dank für das Gespräch…

Jon Shafer: Gern geschehen.

Civilization V ist ab dem 24. September für ca. 45€ im Handel erhältlich, freigegeben ist es ab 12 Jahre. Link: www.civilization5.com

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