Playmobil- eine Welt der Wunder

Ein Besuchsbericht mit nicht alltäglichen Einblicken

Hätten wir unseren Kindern (Mädchen 10 Jahre und Junge 6 Jahre alt) das Reiseziel und unser geplantes Programm schon vor der Abfahrt zu Hause bekannt gegeben, so wäre unsere Anreise sicherlich nicht ganz so entspannend verlaufen.

Nunmehr erst zum Ende der Anfahrt verkündet ein kleines Fähnchen vom Navigationsgerät das Etappenziel im fränkischen Dietenhofen. Spätestens hier beim Befahren des Besucherparkplatzes ist die Unruhe angekommen und die Aufregung im Fahrzeug zu spüren, denn wir besuchen heute den Playmobil-Hauptproduktionsort Deutschland – unweit der Firmenzentrale in Zirndorf.

Wir erhielten eine einzigartige und kompetente Führung durch die Produktion bei Playmobil. Wir hörten technische Fakten und wurden Zeugen, wie aus Granulat über Spritzgusstechnik die beliebten Spielkörper und Elemente werden. Wir erfuhren, welche Druckverfahren und Prozesse für die Farbgebungen der Einzelteile sorgen und wie im Ultraschall-Verbundverfahren Einzelteile wasserdicht miteinander verbunden werden und informierten uns über die Verpackungsstrecken und die Logistikabläufe, bis ein fertiges Endprodukt das Haus verlassen kann.

Unsere Kinder waren zum ersten Mal in einer Produktionsstätte – und nun gleich an einem jener magischen Plätze, an denen ihre Träume entstehen. In gigantischen Hallen voller Maschinen sorgen zudem viele Arbeiter dafür, dass Unmengen von Roboterarmen viele Teile fertigen. Dazu zählen Dächer für Burgen und Bauernhöfe, Discotheken-Beleuchtungen, Bootskörper von Piratenschiffen, Autoräder, Zaunteile von Tiergehegen und auch Beine des Weihnachtsmannes.

Für unsere Kinder ist es ein Platz, wo aus einem „seltsamen Pulver“ (Granulat) ein Sack voller Geister-Piraten entstehen kann und Indianerzelte neben einer Raumbasis existieren. Aber auch für Kinder ein lauter Platz, wo Maschinen surren und an dem es nach Plastik, Farbe und Maschinenöl riecht.

Überall Gabelstabler, lange Gänge, viele Paletten in Bewegung, ein riesiges Lager voller toller Spielsachen, lange Bänder mit Arbeitern, die alles mit Genauigkeit einpacken, nachdem Roboter die bereits bedruckten Kartons gefaltet und geklebt haben.

Ständige Kontrolle der Waren durch Blick und Waage. Wir bekamen vorgeführt, was ein kleines Teil zu viel oder zu wenig ausmachen kann. Die Waage merkt alles – sofort wird Beutel oder Karton zur Nachkontrolle ausgesondert.

Unsere Kinder haben viele Fragen und erhalten Antworten.

Wir erfuhren: 1200 Arbeiter haben in diesem Werk täglich ihren Arbeitsplatz. Auf über 420 Spritzgießmaschinen werden täglich bis zu 10 Mio. Einzelteile gespritzt und pro Tag im Durchschnitt 65000 Playmobil-Packungen verpackt. In 2011 wurden 55 Mio. Packungen von Dietenhofen aus versandt. 2011 investierte man 25 Mio. Euro allein an diesem Standort in Erweiterungsbauten, in 2012 sind Investitionen in Höhe von 74,5 Mio. Euro in den Standort Deutschland geplant.

Nebenproduktionsstätten gibt es zudem auf Malta, in Tschechien und Spanien. Bis 2011 wurden 2,5 Mrd. Figuren produziert und bevölkern nunmehr die Kinderzimmer auf der gesamten Welt.

Die Firmengeschichte reicht bis in das Jahr 1876 zurück – am damaligen Standort in Fürth wurde seinerzeit noch Metall verarbeitet (Schlösser und Schatullenbeschläge). Ab 1908 gab es unter der Neubezeichnung geobra – dies steht für Georg Brandstätter als Kürzel – Metallspielwaren, 1921 erfolgte der Umzug nach Zirndorf – auch heute noch Standort der Firmenzentrale.
1954 trat Horst Brandstätter in das Unternehmen ein. Unter seiner Leitung wurde die Produktion auf Kunststoffverarbeitung umgestellt.

1971 entstand der Gedanke, ein Systemspielzeug entstehen zu lassen. Der erste Großauftritt war 1974 auf der Internationalen Spielwarenmesse. Der Durchbruch war 1975 geschafft.

Die Entwicklungsgeschichte kann man auch im Playmobil-FunPark in Zirndorf aktuell im Rahmen einer Sonderausstellung im HOB-Center (Obergeschoss) nacherleben. Fakten, Produktausstellung und Schaukästen geben viel Interessantes wieder.

Doch zurück zu unserer Tour. 18 Meter hohe Silos mit Granulaten in verschiedenen Grundfarben, davon 18 Stück – dies war unser erster Anblick im Werk. Allein diese Größenangaben und die Tatsache, dass in einem Silo 65 Tonnen Granulat Platz finden, beeindruckten. Wir folgten dem „Rascheln“ -wenn Granulat umgepumpt wird- in die Gießerei.

Dort war an den gut 100 Spritzgießmaschinen sehr viel Bewegung – automatisiert und von Computern überwacht bewegen sich Roboterarme, um Erzeugnisse auf Fließbändern abzulegen.

Wir lernten, dass durch den technischen Fortschritt sich hier viele Abläufe vereinfachten. So können heute verschieden weiche Stoffe miteinander schon beim Spritzguss verbunden werden.

Dies sahen wir selbst am Beispiel des Drachenflügels. Weicheres Material bedeutet mehr Flexibilität und weniger Verletzungsmöglichkeit. Was auch interessant war, ist der Verbleib der Restmaterialien. Angüsse und Abfälle werden fast zu 100 Prozent wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt – die Umwelt freut sich.

Früher war es auch nur möglich, einfarbig zu gießen – heute ist man in der Lage, das selbe Werkstück durch Technikfortschritt und mehrere, zusätzliche Arbeitsgänge an einer Maschine verschiedenfarbig zu gießen.

Die Kinder bemerkten die Krananlage in der Halle. Diese wird benötigt, um die schweren Spritzgießformen (manchmal weit über 300 kg) in die Maschinen einzusetzen. Eine Form ist immer eine hohe Investition – je größer das zu gießende Endprodukt, desto größer auch die benötigte Spritzgiesform.

In der Montagehalle erlebten wir, wie Teile zusammengesetzt werden und die Bedruckung erfolgte – hier ist gutes Augenmaß gefragt, denn jedes von den computergesteuerten Druckautomaten bedruckte Teil wird in Handarbeit umgesetzt und zudem einer visuellen Gütekontrolle unterzogen.

In der Verpackungsstrecke werden gut 65000 Pakete verschiedener Größen pro Tag eingepackt. Alles ging hier „Hand in Hand“. Den Mitarbeitern am Fließband durfte kein Nachschub fehlen – Bestückung, Abnahme, Bandlauf – alles „im Fluss“. Alle Zwischenverpackungsschritte wieder mit Waagen-Kontrolle.

Eintönigkeit? Hier wurde eine Lösung in Form einer Platzverlosung gefunden.

Täglich entscheidet Gevatter Zufall, an welcher Maschine der Fertigungsreihe der Mitarbeiter eingesetzt wird. Die Mitarbeiter haben aber auch dann noch „Veto“-Rechte.

Gabelstapler finden auch unsere Kinder beeindruckend, insbesondere wenn diese gleich 3 Paletten gleichzeitig aufnehmen können. Nun gehen die verpackten Waren in das Hochregallager – ein Lager mit gigantisch wirkenden Ausmaßen und 77000 Paletten-Stellplätzen.

Auch wenn unsere Kinder mit dem Begriff der Kommissionierung noch nicht so viel verbinden können – die Größe und Vielfalt an Waren hier und die automatisch laufenden Hubwagen in mehreren Zwischengängen und Etagen beeindrucken beide Kinder dann doch sehr.

Und kurz darauf -nachdem wir eine Halle mit kleineren Spritzgießmaschinen durchschritten haben- standen wir dort, wo am heutigen Tag vor 150 Minuten alles mit der Besichtigung begann. Dass es diese Zeit benötigte, haben wir Erwachsenen fast kaum gespürt.

Nach so viel Fachlichkeit und neuen Eindrücken -wir Eltern waren sehr stolz auf unsere disziplinierten und gegen Ende der Führung doch auch erschöpften Kinder-Reporter- war es nun auch an der Reihe, einen weiteren Höhepunkt der Reise  zu verkünden und Zeit für Spiel und Erlebnis einzuräumen, denn wir wollten ja auch noch einen Tag im Playmobil-FunPark anhängen.

Unser Tag im Playmobil-FunPark
Tags darauf ging es los zum Playmobil-FunPark nach Zirndorf. Bereits der Eingangsbereich sorgte für Hochstimmungen und Euphorie. Spielen, Bewegen und sehr viel erleben – hier gab es alles, was sich kleine Entdecker wünschen.

Als Einstieg wählten wir das HOB-Center (HOB – Initialen Horst Brandstätter), ein 5000 qm großes, verglastes Gebäude, das neben Bestuhlungen für bis zu 850 Personen eine Innenbühne, eine Sonderausstellung, Gastronomie und lebensgroße Playmobil-Kulissen mit Spielplätzen bietet.

Gut auch zu wissen: Im Kellergeschoss sind in Vielzahl Schließfachplätze – sogar für Buggys und größere Taschen der Gäste.

Die Sanitärbereiche sind freundlich, sauber und auch auf kleine Gäste ausgelegt (Kleintoiletten, Niedrigwaschbecken, viele Wickelbereiche). Doch nun zum Wichtigsten: den vielen Spielmöglichkeiten hier im HOB-Center.

Viele Playmobil-Themen finden sich an den Spieltischen. Mädchenthemen werden in einer Puppenstuben-Kulisse und einem Schloss an Spieltischen geboten – quadratisch in den Zimmern, auf Balkonen, an Wänden und Nischen angeordnet (immer mehrfach vorhanden: Schule, Spielplatz, Ferienhaus, Wohnmobil, Puppenhaus, Tierpark usw.).

Auch die jungen Helden kommen in den Kulissen von Wikingerschiff und Ritterburg nicht zu kurz und können ihren Spielambitionen nach Herzenslust an Fahrzeugen, Raumschiffen, Agentenzubehör, Ritterburgen, Western- und Urzeitwelten nachgehen.

Die Eindrücke waren hier schon so im Überfluss, dass es unseren Kindern auch schon gereicht hätte, über den gesamten Tag hier zu verweilen. Unsere Kinder sind mit 10 und 6 Jahren ja schon etwas größer, gleichwohl haben wir freundlich auch zur Kenntnis genommen, dass es auch den kleineren Kindern in extra abgegrenzten Spielnischen an nichts fehlte – sie konnten sich an Begrenzungen langhangeln und mit altersgerechtem Spielmaterial spielen, während die Eltern gleich nebenan einmal Stärkung finden konnten.

Im Obergeschoss des HOB-Centers findet sich aktuell eine Sonderausstellung, die auch einen Besuch wert ist.

Hier geht es um die Playmobil-Firmenhistorie, Produkte aus der Vergangenheit und Gegenwart sowie eine Miniaturnachbildung des Playmobil-FunParks mit Playmobil-Figuren. Auch hier im HOB-Center fiel uns Erwachsenen auf, dass stetig Servicekräfte die Kleinteile an den Spieltischen und Spielbereichen reinigen und sortieren.

Das sorgt für ein gutes Gefühl. An das HOB-Center grenzt der überdachte Klettergarten an mit 1000 qm Aktivspielbereich. Hier sollten sich Eltern auch einmal das Lichtlabyrinth im Untergeschoss von den Kindern zeigen lassen, es lohnt sich sehr und zudem wissen sie dann auch gleich, wo noch weitere Ausgänge der Labyrinth-Welt zum Kletterbereich liegen.

Irgendwann nach einer Stunde fanden wir den Weg in das Freie des Parks – Ziel Piratenschiff. Das Piratenschiff und der Piratensee sind seit 2000 eines der wesentlichen Kernobjekte im Park – immer Anlaufziel der kleinen Abenteurer.

Hoch in den Mast und ins Krähennest, ran an das Ruderrad, hinein in die Kapitänskajüte und von dort in den Laderaum. Was wäre ein Besuch des Piratenschiffes ohne ein Ausrichten der Kanonen im Spiel.

Auf das Schiff kommt man über verschiedene „Enter“-Möglichkeiten. Das Schiff und dessen Ausmaße sowie die Spielmöglichkeiten an sich beeindrucken sehr. Der Piratensee gibt Möglichkeiten, mit Flößen überzusetzen, zu paddeln und zu staken.

Über die ab 2010 nach Umgestaltung des Tempels entstandene Dino-Welt mit Wasserfall, Dino-Nest und Niedrigklettergarten gelangt man zu einem weiteren Parkhighlight – der Burg.

Die Ritterburg – seit 2000 im Park und 2010 zur Löwenritterburg umgestaltet – hat 400 qm Grundfläche und den Turnierplatz gleich nebenan. Kinder erschließen sich alles – die Geheimgänge, den Wachturm, den Ziehbrunnen, den Thronsaal.

Die Wehrgänge kann man über Treppen, Kletternetze, Climbing-Parcours erreichen. Es gibt natürlich ein Gefängnis, die Ritter-Figuren und Pferde. Im Außenbereich der Burg finden sich mehrere Pranger für Fotomotiv-Gestaltungen. Animateure sorgen am Turnierplatz für regelmäßige und lustige Aktionen.

Über Arche Noah und Wasserkanal-Welt mit seinen verschiedenen Angeboten (U-Boote, Fähren, Frachtschiffe, Römerschiffe, Polizeiboote, Kraken und andere Wassertiere) geht es weiter zum Bauernhof. Auf dieser seit 2003 im Park bestehenden Anlage mit seinem 5 Meter hohen Landhaus und Stallungen kommen Tier-Liebhaber und kleine Traktoristen voll auf ihre Kosten.

Mädchen striegeln Playmobil-Pferde, melken Kühe, füttern Schweine. Die Jungen fühlen sich auf dem Dachboden sehr wohl.

Gleich nebenan ist die Western-City. Hier verfallen kleine und große Besucher dem Goldrausch an der Gold- und Edelsteinmine.

Auch gut besucht die gastronomischen Einrichtungen hier, ein kleiner Snack verkürzt die Wartezeit auf die Ankunft der Postkutsche und nebenbei kann man auch noch beim Rodeo zusehen.

Allein in diesem Bereich der Western-City hielten wir Vier uns gute 90 Minuten auf, bis die Schatztruhen gefüllt und alle Abenteuer erlebt waren.

Das Okta-Kletternetz ist 10 Meter hoch und bietet allerlei Herausforderungen.

Der Wasser- und Sand-Spielplatz verführt zum Matschen, Wasser-Pumpen, Spritzen und Wasserläufe anlegen. Wartende Eltern umsäumen das Areal. Kinder im Mittelpunkt – gut beraten, wer Wechselsachen dabei hat .

Auch hier gut – unzählige kleine Playmobil-Bagger, Kipper, Raupen usw. Das steigert den Spielspaß gleich noch mehr. Zum Reinigen gibt es auch eine Außendusche im Bereich.

Unsere geführte Tour bringt uns nunmehr in den Baumhaus-Bereich. Geteilt durch einen Wasserlauf, der bei den Zaubermuscheln entsteht, überspannt von Hängebrücken, gelangt man zum großen und kleinen Baumhaus.

Ein unterirdischer Stollen ist ruhiger Kontrast zum quirligen Treiben an der Oberfläche. Die Zaubermuscheln sind eine Quelle, bei welcher sich stetig im Wechsel playmobil-Meerestiere zum Sammeln zeigen.

Kleinere Fakten und ein Fazit zum Park:

  • ansprechende, erschwingliche Eintrittspreise (auch Jahreskarten) sind ein Top!
  • gut 700.000 Besucher per anno
  • 150-215 Mitarbeiter sorgen für das Kunden-Wohl
  • nirgendwo längere Wartezeiten
  • keine Fahrgeschäfte
  • genug Platz für individuelle Gestaltungen und auch Pausen
  • ausreichende Parkplätze
  • Kulissengestaltungen sind sehr originalgetreu
  • Wechselsachen/ Badesachen für Außenbereiche/ Matschbereiche vorteilhaft
  • Wäschetrockner bei Bedarf vorhanden (gegen Gebühr)
  • alles auf eigenes, kindliches Rollenspiel ausgerichtet
  • selber agieren erzeugt viele positive und auch pädagogische Effekte

Erlebtes in Worte zu kleiden ist schwer, insbesondere dann, wenn unsere Hauptakteure, sprich unsere Kinder, vom Erlebten völlig hingerissen waren und alles als „toll“ und „cool“ gewertet wurde.

Wichtig, in vielen Bereichen des Funparkes sind Altersempfehlungen für Spielstrecken, Geräte oder Spielzeuge ausgewiesen. Im Interesse der Kinder sollte man diesen Empfehlungen folgen.

Die Hauptattraktionen sind übersichtlich ausgeschildert (für Leseanfänger geeignet, farblich orientiert bzw. durch Symbole gekennzeichnet).

Wenn wir überlegen, dass dieser Park bereits im Jahr 2000 eröffnet wurde und was hier fast jährlich an Attraktionen hinzugekommen ist – für 2013 soll eine Power-Paddelboote-Strecke im Neuareal entstehen – fragen wir uns, warum wir erst jetzt den Weg hierher nach Zirndorf fanden und nicht schon früher.

Eines ist damit auch beschlossene Familiensache:

Wir kommen wieder! Wir empfehlen einen Besuch hier im Funpark.

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