Antarctica

In der Antarktis ist es kalt. Sehr kalt sogar. Mit einer am 21. Juli 1983 gemessenen Temperatur von -89,2 °C ist sie eine der unwirtlichsten Gebiete der Erde. Kein Wunder dass ihre Bevölkerung sich auf wenige arme Seelen begrenzt, welche in dort ansässigen Forschungsstationen arbeiten. Ohne die wenigen Sonnenstunden würden breite Teile der Küste ins ewige Eis übergehen.

Spielablauf

Das Brettspiel Antarctica nutzt diese unwirtliche Szenerie um ein buntes Treiben auf den heimischen Spieletisch zu bringen. Jede Runde wird die Sonne gegen den Uhrzeigersinn bewegt und schaltet somit das vorderste Schiff des Zielfeldes zur Bewegung frei. Der betroffene Spieler muss diesen Kahn auf ein anderes Kartensegment bewegen und kann zusätzlich eine Aktion durchführen. Dieser Zugmechanismus zwingt zur Planung der Aktionen und ermöglicht es den Spielern mehrere Aktionen hintereinander durchzuführen zu lassen.

Zu Beginn des Spiels muss einiges vorbereitet werden. Seit mehreren Jahren gibt es bereits Forschungsstationen in der Antarktis. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch das Spielfeld zu Beginn nicht ganz leer ist. Jeder Spieler erhält zu Beginn eine Auswahl an Schiffen für den Spielplan und Wissenschaftler für die Reserve. Übrige Steine werden auf das grüne Vorrats-Feld für unbenutzte Spielsteine gelegt und können im Spielverlauf freigeschaltet werden. Des Weiteren wird eine Auswahl an Startgebäuden zufällig auf den acht im Kreis angeordneten Spielplansegmenten verteilt. Nehmen nur zwei Spieler am Spiel teil werden zwei der Felder mit Packeismarkern blockiert und eine kleinere Auswahl an Gebäuden platziert. Jeweils ein Kran, Förderturm, Windrad, Bohrturm und eine Forschungsstation sind aber immer mit der von Partie.

Bildquelle: Maria Manneck

Bildquelle: Maria Manneck

Die genannten Gebäude sind, bis auf die Forschungsstation, Grundlage zum Bau von neuen Gebäuden. Diese können durch den Einsatz von Baukarten ins Spiel gebracht werden. Alle Baukarten liegen in drei nach Kategorien getrennten Stapeln an der Seite des Spielfeldes. Es gibt Basis, Double und prestige Gebäude, von denen jeweils eine Karte offen auf den entsprechenden Stapel liegt. Jeder Spieler hat gleichberechtigten Zugang zu den Gebäudekarten und kann im Laufe seines Zuges eine der oben aufliegenden Gebäude errichten, wenn ihm die geforderten Ressourcen zur Verfügung stehen. Das jeweilige Gebäude wird dann dem Spielplan hinzugefügt und die auf der Gebäudekarte abgedruckte Anzahl an Forschern wird aus dem Vorrat auf dem Spielplan platziert. Zudem erhält der Spieler die auf der Karte abgebildete Anzahl an Siegpunkten.

Ressourcen stehen einem Spieler solange zur Verfügung, wie er mindestens ein Schiff in einem der Ressource zugehörigen Gebiet stehen hat. Zu Beginn des Spiels erhält jeder Spieler 3-2 Schiffe und sollte diese während seiner Züge günstig positionieren, um auf eine große Bandbreite an Ressourcen zurückgreifen zu können. Fehlende Ressourcen können durch Ressourcenkarten ergänzt werden, von denen jeder Spieler zu Beginn eine erhält.

Weitere Schiffe können zudem gebaut werden, wenn das Zielgebiet eines innerhalb des Spielzuges bewegten Schiffes eine Werft beherbergt. Der an der Reihe befindliche Spieler erhält nun ein neues Schiff aus dem Vorrat. Alle anderen Spieler können sich eine Karte vom Werftkartenstapel aussuchen. Werftkarten ermöglichen das Ziehen von Schiffen, Setzen von Forschern oder bieten einen spontanen Fortschritt auf der Forschungsleiste. Von diesen kann jeweils eine immer am Ende eines Zuges ausgespielt werden.

Bildquelle: Maria Manneck

Bildquelle: Maria Manneck

Statt ein Gebäude zu errichten oder ein neues Schiff zu bauen, können auch Wissenschaftler angeworben werden. Befindet sich im Zielgebiet des Schiffes ein Camp, werden entsprechend der Anzahl an Wissenschaftlern und Schiffe im Zielgebiet neue Wissenschaftler aus der Reserve in den Vorrat gelegt. Statt der Verwendung des Camps, können Forschungsstationen aktiviert werden, um entsprechend der Anzahl der auf dem Feld befindlichen Forscher auf eine der 3-5 Forschungsleisten voranzuschreiten. Hiermit können einmalige Aktionen für sich selbst oder alle Spieler freigeschaltet werden, wie der Einsatz von weiteren Forschern, Schiffen und Ressourcenkarten.

Statt einer der genannten Aktionen hat ein Spieler auch immer die Option nichts zu tun. Das Schiff muss aber in jedem Fall bewegt werden. Ungenutzte Spielsteine oder bereits gebaute Schiffe, können zudem jederzeit von der Reserve bzw. vom Spielfeld entfernt und auf das rote Feld für freigegebene Spielsteine gelegt werden. Diese können nicht wieder zurück ins Spiel geholt werden, bringen aber in der finalen Punktewertung noch weitere Siegpunkte. Für jeden auf diese Weise entfernten Stein wird ein Wissenschaftler aus der Reserve in den Vorrat gelegt. Der Zugmechanismus setzt sich solange fort bis einer der Spieler alle seine Forscher platziert hat oder alle drei Gebäudestapel aufgebraucht wurden.

Bildquelle: Maria Manneck

Bildquelle: Maria Manneck

Punkteverteilung

Wie in der Spielbeschreibung bereits ersichtlich wurde, bietet Antarctica eine Vielzahl an Aktionsmöglichkeiten. Sämtliche Aktionsergebnisse führen gegen Ende des Spiels zu einem komplizierten Wertungsmechanismus. Während des Spiels werden nur wenige Punkte durch den Bau von Gebäuden oder den Einsatz von Werftkarten vergeben. So kommt es ganz am Ende zu einer wahren Punkteschlacht, welche im Folgenden grob zusammengefasst wird.

Bei Antarctica handelt es sich um ein Mehrheitenspiel. Pro Gebiet erhält der Spieler mit den meisten Forschern einen Siegpunkt für jedes Gebäude und jeden Wissenschaftler (eigene wie fremde) plus eins. Der Zweite Spieler bekommt Punkte in der Anzahl der Wissenschaftler des ersten Spielers, der dritte pro Wissenschaftler des zweiten usw.

Bildquelle: Maria Manneck

Bildquelle: Maria Manneck

Jeder auf der Forschungsleiste vertretene Forschungsstrang gibt daran beteiligten Spielern Punkte. Wieder erhält der vorderste Spieler pro Leiste die freigeschalteten Punkte aller vertretenen Spieler, der zweite die Punktzahl des durch den vordersten besetzten Feldes, usw. Das gleiche Schema überträgt sich auch auf die Anzahl der auf der unteren Linke Ecke mit einem Stern markierten Gebäudekarten der Spieler. Erneut erhält der Spieler mit den meisten Sternen die Summe aller vorhandenen Sterne und die folgenden Spieler jeweils die Anzahl der Sterne des in dieser Wertung vor ihm liegendes Spielers. Zuletzt wird dieses Wertungsschema noch auf die im Verlaufe des Spiels freigegebenen Spielsteine angewendet, wobei jeder freigegebene Spielstein einen Punkt erbringt.

Wer am Ende mit den meisten Punkten dasteht, hat das Spiel gewonnen. Insgesamt zeigt die Wertung sich als sehr zäher Vorgang und wirkt sehr undurchsichtig. Im Verlaufe des Spiels ist es daher schwierig geeignete Züge zur Optimierung der einzelnen Punktzahl festzustellen. Warum die Auszählung der Mehrheiten so mühsam umgesetzt wurde, bleibt für mich ein Rätsel. Ein einfacherer Mechanismus hätte der Schlusswertung und einem flüssigeren Spielverlauf zum Spielende daher sehr gut getan.

Bildquelle: Maria Manneck

Bildquelle: Maria Manneck

Spielmaterial

Mit allerlei Holzfiguren und Pappaufsteller begeistert Antarctica bereits beim Auspacken. Die Figuren vermitteln sehr gut die zur Verfügung stehenden Ressourcen, Boote, Forscher und Forschungsfortschritte. Durch die Pappaufsteller der prestige Gebäude wird der Aufbau über das Spiel hin schön verdeutlicht und Spielfortschritte sind klar zu erkennen. Insgesamt machen alle Spielmaterialien einen guten Eindruck. Doch im Verlaufe des Spiels wird ersichtlich, dass die etlichen Elemente auch schnell das Spielfeld überfüllen. Ist am Anfang noch alles schön übersichtlich durch die Aufsteller und Marker, so führt dies am Ende nahezu zu einer Reizüberflutung der Spieler und kann stattdessen zu Verwirrungen führen.

Die Anleitung ist angenehm dünn und stellt die wichtigsten Elemente schlüssig vor. Hier und da hätte ein Beispiel für das Verständnis der einzelnen Aktionen gut getan. Ein wiederholter Blick in die gut strukturierte Anleitung wird aber bei allen zu klärenden Fragen ausreichen. Leider ist die Wahl der Aktionssymbole auf den Werftkarten und der Forschungsleiste nicht immer sofort verständlich. Hier muss des Öfteren zurück in die Anleitung geschaut werden, da ein Überblick zu Beginn schwer fällt. Nach mehrmaligen Spielrunden stellt sich dieses Problem aber ein.

Bildquelle: Maria Manneck

Bildquelle: Maria Manneck

Fazit

Die Thematik der lebensspendenden Sonne am Himmel der Antarktis wird wunderbar durch das Spiel eingefangen. Sämtliche Aktionsmöglichkeiten sind in sich verständlich und gehen Rund von der Hand. Durch die Kombination der vielen unterschiedlichen Punktequellen kommt es jedoch selbst für erfahrene Spieler zu Verwirrungen. Die zahlreichen Optionen sind Fluch und Segen zugleich. So wird das Spiel sämtliche Spieler bis ans letzte in Ihren Planungsfähigkeiten fordern. Wer die Übersicht auch am Ende des Spiels noch behält, hat gute Chancen als Sieger hervorzugehen.

Familienspieler und Fans von gemächlichen Spielen werden jedoch durch die zahlreichen eng miteinander verwobenen Mechaniken schnell überfordert sein. Die Altersempfehlung ab 10 Jahre hat durchaus seine Berechtigung und ist meiner Meinung nach noch etwas unterschätzt.

Trotz der interessanten Sonnenmechanik strengt die komplizierte Suche nach Mehrheiten in den vielen Bereichen zu sehr an und hätte in vielen Bereichen deutlich entschlackt werden können. Insgesamt ist Antarctica daher nur ein durchschnittliches Gesellschaftsspiel und nur für Spieler auf der Suche nach neuen Optimierungs-Herausforderungen zu empfehlen.

  • Autor: Charles Chevallier
  • Spielzeit: ca. 45 – 90 Minuten
  • Vertrieb: Argentum Verlag
  • Anzahl: 2 – 4 Spieler
  • Kategorie:
    • Mehrheitenspiel
    • Worker-Movement
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Bildquelle: Maria Manneck

Test und Artikel von Alexander Dockhorn

Bewertung

6.0 Bewertung

Die Thematik der lebensspendenden Sonne am Himmel der Antarktis wird wunderbar durch das Spiel eingefangen. Sämtliche Aktionsmöglichkeiten sind in sich verständlich und gehen Rund von der Hand. Durch die Kombination der vielen unterschiedlichen Punktequellen kommt es jedoch selbst für erfahrene Spieler zu Verwirrungen. Die zahlreichen Optionen sind Fluch und Segen zugleich. So wird das Spiel sämtliche Spieler bis ans letzte in Ihren Planungsfähigkeiten fordern. Trotz der interessanten Sonnenmechanik strengt die komplizierte Suche nach Mehrheiten in den vielen Bereichen zu sehr an und hätte in vielen Bereichen deutlich entschlackt werden können. Insgesamt ist Antarctica daher nur ein durchschnittliches Gesellschaftsspiel und nur für Spieler auf der Suche nach neuen Optimierungs-Herausforderungen zu empfehlen.

  • Spielidee 6/10
  • Ausstattung 8/10
  • Spielablauf 5/10
  • Interaktion 8/10
  • Einfluss 6/10
  • Einstieg 3/10
  • Spaß 6/10

Weitere Informationen

  • Titel: Antarctica
  • Kategorie: Brettspiele
  • Verlag: Argentum Verlag

Wie bewerten Sie dieses Spiel?

VN:F [1.9.13_1145]
Bewertung: 0.0 von 5 (insgesamt 0 Bewertungen)

Kommentar schreiben