Antike 2

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Es klirren die Metallplatten der Rüstungen, während lederne Sandalen durch trockenen Sand stapfen. Vor einem marmornen Tempel hält ein Priester in langer, weißer Robe eine traditionelle Zeremonie ab. Woanders sitzt ein alter Mann in einer Badewanne und sinniert über das Gewicht einer goldenen Krone, als er plötzlich aufspringt und ‚Heureka!‘ ruft. Um den Beginn unserer Zeitrechnung (plus/minus ein paar Jahrhunderte) spielt „Antike 2“ – ein Strategiespiel für 3 bis 6 Spieler vom PD Verlag.

Als Herrscher über ein antikes Reich versuchen die Spieler die Vorherrschaft über die gesamte bekannte Welt zu erlangen – wahlweise ist dies das alte Europa, um das Mittelmeer herum, oder das antike Vorderasien. Man darf ‚Vorherrschaft‘ nun aber nicht im Sinne von Risiko verstehen, wo es um das reine Erobern von Ländereien geht. Bei „Antike 2“ überzeugt man große Persönlichkeiten (a.k.a. ‚Siegpunkte‘) von den Leistungen, die das eigene Reich vollbracht hat. Hierbei kann man in unterschiedlichen Kategorien punkten, wie z.B. Bevölkerung, Seefahrt oder Religion.

Für je eine bestimmte Anzahl an besetzten Wasserterritorien schließt sich so einem ein großer Seefahrer an, für eine gewisse Anzahl errichteter Tempel ein Priester und wenn man sein Reich durch Stadtgründungen genug expandiert hat, zollt einem ein berühmter König Tribut. Aber auch Krieg und Forschung locken Groupies an, denn jede Technologie, die man als Erster erforscht, sichert einem die Unterstützung eines großen Wissenschaftlers und jeder von den eigenen Truppen zerstörte (natürlich heidnische!) Tempel bringt einen großen Feldherren hervor.

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Doch wie baut man Tempel, erforscht man Technologien oder erobert andere Ländereien? Hierfür braucht man vor die Ressourcen: Marmor, Gold und Eisen. Jede Stadt, über die man herrscht, produziert genau eine dieser Ressourcen. Mit ausreichend Gold kommt irgendwann ein Jeder dahinter, wie man z.B. Truppen schneller bewegt oder Städte besser verteidigen kann.

Hier ist wichtig: Die erste Erforschung einer Technologie kostet eine Menge Gold, bringt einem dafür aber auch einen Siegpunkt. Jeder weitere Spieler, der diese Technologie erforschen will, kann dann aber abkupfern und muss nicht mehr den vollen Preis bezahlen. Und mit Marmor schließlich errichtet man prunkvolle Tempelanlagen, die nicht nur die Moral der Truppen heben (diese verteidigen eine Stadt mit Tempel gleich dreimal so effektiv) sondern auch den Ertrag der Marmor-/Gold-/Eisenmine verdreifachen.

Hat man genügend Eisen abgebaut, kann man Waffen und Rüstungen für seine Truppen kaufen und so neue Einheiten investieren. Diese kann man nur in eigenen Städten einsetzen und auch nur eine pro Stadt. Außer man ist erfüllt vom religiösen Eifer, den ein Tempel in die Stadt bringt, dann darf man hier auch drei Truppen einsetzen. Im Allgemeinen darf man alles nur einmal machen. Außer mit einem Tempel. Dann dreimal. Rohstoffe abbauen, Truppen einsetzen, Städte verteidigen – alles ist besser mit einem Tempel.

Etwas strategischer ist dagegen der Kampf. Man muss in der Bewegungsphase jede Einheit einzeln bewegen, wobei Landeinheiten nur über Landesgrenzen hinweg ziehen und Schiffe nur über das offene Meer fahren können. Manche Territorien liegen sowohl im Wasser wie auch im Meer und das führt dazu, dass sie vor Angriffen aus mehreren Richtungen geschützt werden sollten. Jede Einheit, die in feindliches Territorium eindringt, wird von den dortigen Truppen (sofern es sich um den gleichen Truppentyp handelt) automatisch vernichtet – nimmt aber gleichzeitig einen entsprechenden Gegner mit in Neptuns oder Plutos Reich.

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Strategisch kann man das Spiel im Wesentlichen auf drei Arten beginnen: frühe Expansion, um schnell viele Ressourcen zu bekommen; Goldabbau, um schnell zu forschen oder Marmorabbau, um Tempel zu errichten und damit den Ertrag der eigenen Städte zu erhöhen. Gerade die letzte Strategie scheint deutlich erfolgversprechender zu sein, als die anderen beiden. In unserer Partie rieben sich die Truppen zweier Spieler auf, während ein dritter friedlich vor sich hin forschte (und allen dadurch die Technologien billiger machte) und der vierte Spieler einen Tempel nach dem anderen baute – und zum Ende des Spiels nicht mehr wusste, was er mit den Rohstoffen machen sollte.

Besonders interessant wird „Antike 2“ auch dadurch, dass man sich quasi aussuchen kann, welche Aktion man ausführen möchte, wenn man am Zug ist, aber abhängig von der letzten gewählten Aktion nur einige Möglichkeiten kostenlos zur Verfügung stehen. Über das Aktionsrad kann man aus einer Art Tortendiagramm auswählen, welche Aktion man durchführt.

Dabei muss man immer mindestens ein Feld weit gehen und darf kostenlos höchstens drei Felder weit gehen – jedes weitere Feld kann man sich durch Gold erkaufen. Die Felder sind geschickterweise genau so angeordnet, dass die Aktion „Produziere X“ und die Aktion „Verbrauche X“ immer soweit auseinander liegen, dass man sie nicht in aufeinanderfolgenden Zügen erreichen kann, ohne dafür zu bezahlen. Wenn man also nicht gerade wie eine gewisse Ente in Gold badet, muss man deutlich mehr als einen Zug vorausplanen.

Alles in allem ist „Antike 2“ aber dennoch ein anspruchsvolles Spiel, das viele Stunden Spaß bereitet – bei nur einer einzigen Runde. Einzig die Anleitung stellt einen Schwachpunkt dar, denn diese macht hin und wieder ziemliche Gedankensprünge. So werden teilweise Dinge voraus gesetzt, die erst auf späteren Seiten erklärt werden. An anderen Stellen ist aber sie dann wiederum übermäßig penibel. Die Tatsache, dass ein Tempel quasi alles verdreifacht, wird nicht einmal erklärt, sondern an jeder Stelle, wo dies nur möglich ist, wiederholt. Das verwundert schon, wenn man sich an anderer Stelle genauere Regelauslegungen aus Spezialfallbeispielen zusammenreimen muss.

In diesem Sinne: In jeder Stadt darf nur ein Tempel stehen – außer du hast einen Tempel, dann drei.

  • Autor: Walter „Mac“ Gerdts
  • Spielzeit: ca. 90 bis 120 Minuten
  • Vertrieb: Heidelberger Spieleverlag | PD-Verlag
  • Anzahl: 3 bis 6 Spieler
  • Kategorie: Strategie
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Bildquelle: PD-Verlag

Test und Artikel von Christian Braune

Bewertung

8.0 Bewertung

Besonders interessant wird "Antike 2" dadurch, dass man sich aussucht, welche Aktion man ausführen möchte, wobei davon einige abhängig von der zuletzt gewählten Aktion kostenlos zur Verfügung stehen. Wenn man also nicht gerade wie eine gewisse Ente in Gold badet, muss man deutlich mehr als einen Zug vorausplanen. Dennoch ist "Antike 2" ein anspruchsvolles Spiel, das viele Stunden Spaß bereitet - und das bei nur einer einzigen Runde. Einzig die Anleitung stellt einen Schwachpunkt dar, denn diese macht hin und wieder ziemliche Gedankensprünge. So werden teilweise Dinge voraus gesetzt, die erst auf späteren Seiten erklärt werden. An anderen Stellen ist aber sie dann wiederum übermäßig penibel. Die Tatsache, dass ein Tempel quasi alles verdreifacht, wird nicht einmal erklärt, sondern an jeder Stelle, wo dies nur möglich ist, wiederholt. Das verwundert schon, wenn man sich an anderer Stelle genauere Regelauslegungen aus Spezialfallbeispielen zusammenreimen muss. In diesem Sinne: In jeder Stadt darf nur ein Tempel stehen - außer du hast einen Tempel, dann drei.

  • Spielidee 7/10
  • Ausstattung 8/10
  • Spielablauf 6/10
  • Interaktion 10/10
  • Einfluss 10/10
  • Spielbarkeit 7/10
  • Spaß 8/10

Weitere Informationen

  • Titel: Antike 2
  • Kategorie: Brettspiele
  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • Verlag: PD Verlag
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Über den Autor

Wir sind als Fachschaftsrat der Fakultät für Informatik seit Juli 2011 dabei und testen im Rahmen unserer Spieleabende an der Fakultät der Infomatik in Magdeburg verschiedenste Spiele. Viel Spaß beim Durchstöbern unserer Artikel ;)

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