Haus der Sonne

„Makuakane, der Lavastrom wird bald hier sein! – Ich weiß Keiki. Das macht nichts. Meine Statue ist so gut wie fertig. Wir können sie jetzt aufrichten. Hilfst du mir dabei? – Aber Makuakane, wenn wir die Statue hier aufrichten wir der Lavastrom sie erreichen und sie verbrennen! – So ist es, mein Sohn und das geschieht mit allen Statuen, die wir aufstellen. Irgendwann kommt die Lava und vernichtet sie. Die einen früher, die anderen später.“ Mit diesen Worten leiten Florian Racky und Marc Klerner ihr neues Spiel auf der Insel Maui ein. Der Überlieferung nach fing der gleichnamige Halbgott Maui die Sonne mit einem Lasso und sperrte sie ein in den Berg, um sie zu bitten, nicht mehr so schnell über den Himmel zu ziehen. Aufgrund dieser Sage wird der heute aktive Vulkan Haleakala auch heute noch das Haus der Sonne genannt und ist Namenspatron und zentraler Punkt des neuen 2-Personenspiels von Feuerland.

Der noch recht kleine Verlag zeigte bereits mit seinen Spielen „Terra Mystica“ und „Arler Erde“, dass sie hochwertige Gesellschaftsspiele produzieren können. Dieses Mal wagen sie sich erneut an 2-Spieler Unterhaltung für das heimische Wohnzimmer und wollen zugleich Familienspieler wie auch Taktiker zufriedenstellen. Wie sich das Haus der Sonne spielt, soll im Folgenden erklärt werden.

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Spielablauf
Zu Beginn des Spiels erhalten beide Spieler jeweils eine Schamanenfigur und ein Scheibenset, bestehend aus Zahlenscheiben mit der Aufschrift 1 bis 5. In der später noch erklärten Taktikvariante erhalten sie zusätzlich noch eine Lavascheibe. Die Spieler positionieren ihren Schamanen jeweils auf gegenüberliegenden Seiten der Insel. Diese besteht aus sechs im Kreis angeordneten Sektoren mit jeweils vier Abschnitten (Strand, Gras, Wald und Berg). Am Rande der Insel liegen zudem Aktionskarten aus, mit deren Hilfe die Spieler Wertungskarten erwerben, Statuen bauen oder Siegpunkte sammeln können.

Ziel ist es, mit dem Schamanen das Land zu bereisen und an geeigneten Stellen Statuen zu errichten. Diese werden jedoch von einem aktiven Vulkan im Zentrum der Insel bedroht. Zwar gibt es mehr Punkte, wenn eine Statue in der Nähe des Kraters aufgestellt wird, jedoch ist die Gefahr, dass diese dann der Lava zum Opfer fällt auch deutlich größer. Der einzige der von dem ganzen Stress nichts mitbekommt, ist der Fischer mit seinem kleinen weißen Fischerboot, welches am Rande der Insel im Ozean platziert wird.

Pro Zug können die Spieler eine von drei Aktionen wählen. So kann der Spieler eine seiner Zahlenscheiben auf ein beliebiges Strandfeld setzen. Wenn das Fischerboot momentan nicht an dieser Stelle der Insel ankert, kann der Spieler zudem seinen Schamanen um bis zu zwei Felder bewegen. Hierbei ist zu beachten, dass ein Spieler nicht auf das Feld des anderen Schamanen und nur ein Feld bergauf ziehen darf. Wählt der Spieler das aktuelle Fischerbootsfeld mit seiner Zahlenscheibe aus, so zieht das Fischerboot die auf der Scheibe abgedruckten Felder im Uhrzeigersinn vor. Am Zielort angekommen, erhält der Schamane mit den meisten Punkten durch Zahlenscheiben auf diesem Feld eine der anliegenden Karten. Die möglichen Aktionskarten beziehen sich auf den Bau von Statuen, das Sammeln von Perlen zum Erwerb von Wertungskarten und Siegpunkten in Form von Meeresfrüchten. Befinden sich beide Spieler auf diesem Feld, so wählt als erstes der Spieler mit der höheren Zahlenscheibensumme eine Karte. Die entstehenden Lücken werden mit neuen Palmenkarten aufgefüllt. Erscheint hierbei eine Vulkankarte, wird im aktuellen Sektor des Fischerboots eine Lavascheibe auf den Krater abgelegt. Diese können mit den Palmenkarten der Lavapriesterin nachträglich jeweils in einen benachbarten Sektor verschoben werden und können so die Statuen des gegnerischen Schamanen bedrohen.

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Statt eine Zahlenscheibe zu platzieren, kann der Spieler auch eine bereits gesetzte Scheibe wieder zurücknehmen. In diesem Fall ist es nicht möglich, seinen Schamanen zu bewegen. Als dritte verbleibende Aktion kann man, sobald man keine weiteren Zahlenscheiben mehr zur Verfügung hat, das Fischerboot um einen Sektor weiterbewegen und die dort befindlichen Zahlenscheiben auswerten.

Die zwei Wertungsrunden werden jeweils nach dem Aufbrauchen des 2. und 3. Palmenkartenstapels ausgelöst. Hierbei können Spieler zuerst noch verbleibende Wertungskarten kaufen, mit denen sie sich wertvolle Bonuspunkte bei der Bewertung ihrer Statuen-Konstellationen sichern können. Eine Reihe aus Statuen in jedem Abschnitt eines Sektors bringt auf diese Weise gleich vier Bonuspunkte. Es folgt der Ausbruch des Vulkans. Hierbei wandern die zuvor platzierten Lavasteine den Berg hinab. Befinden sich zum Beispiel zwei Lavasteine in einem Sektor so verbrennen die oberen beiden Abschnitte. Dort platzierte Statuen sind dauerhaft verloren und werden noch vor der Berechnung der Siegpunkte vom Spielfeld entfernt. Für jede noch bestehende Statue gibt es abhängig von der Höhe des Bauabschnitts einen bis drei Punkte. Der Besitzer der meisten Fischkörbe erhält zudem drei weitere Punkte. Übrige Perlen und die Palmenkarte „Nautilus“ werden ebenfalls mit Punkten vergütet.

Nach der ersten Wertungsrunde werden die Lavasteine wieder vom Spielfeld genommen und alle erworbenen Wertungskarten zurückgelegt. Am Ende der zweiten Wertungsrunde endet das Spiel nach ungefähr 40 Minuten und der Schamane mit den meisten Siegpunkten gewinnt. Bei einem Gleichstand gewinnt der Spieler mit mehr Statuen auf dem aktuellen Feld.

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Wem der taktische Anteil des Spiels nicht genügt oder wer unzufrieden mit der zufälligen Platzierung der Lavasteine ist, kann zur taktischen Spielvariante greifen. Hier werden die Lavakarten aus dem Palmenkartenstapel entfernt und jeder Spieler erhält eine Lavascheibe. Diese kann mit einer Zahlenscheibe an einem Ankerplatz des Fischerbootes platziert werden. Auf dem Zielfeld des Fischerbootes wird noch vor der Auswertung der dort befindlichen Zahlenscheiben ein Lavastein abgelegt. Die Lavascheibe bleibt am Ablageort zurück, bis diese durch das Fischerboot wieder eingesammelt wird. Der taktische Anteil steigt enorm durch die gezielte Platzierung der Lavasteine. Wer jedoch eher aus dem Bauch heraus entscheiden möchte, geht zurück zur Standardvariante des Spiels. Die Taktikvariante bleibt dennoch eine vollwertige Ergänzung.

Spielmaterial
Das rund aufgebaute Spielfeld verbindet ein hübsches Design mit einem praktischen Aufbau. Am Rande des Feldes sind jeweils Einsparungen für die dort abzulegenden Karten. Diese sind, genau wie die zahlreichen Holzsäulen, gut verarbeitet und passen sich sehr schön in das Design des Spiels ein.

Die separate Wertungstafel bietet Ablageflächen für die Wertungs- und Palmenkarten. So bleibt während des Spiels alles schön übersichtlich. Bei der Punkteanzeige hätten die Felder etwas größer gewählt werden und die recht kleinen Punkteanzeiger hätten gerne noch eine Nummer größer ausfallen können. Sonst gibt es am Spielmaterial aber wirklich nichts zu meckern.

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Fazit
Als 2-Personenspiel bietet das Spiel „Haus der Sonne“ Unterhaltung für Familienspieler und Taktiker zugleich. Beide Spielvarianten gehen gut von der Hand und sind auf schöne Weise mit dem Szenario rund um die Insel verbunden. Die einzigartige Gestaltung des Spielfeldes und der leicht zu erlernende Mechanismus haben uns bei unseren Testrunden viel Freude bereitet. „Haus der Sonne“ zeigt sich daher als gelungene Ergänzung des heimischen Spieleschranks und unterhält beide Zielgruppen, Familien und Taktiker, im Kampf um die schönsten Statuen rund um den Vulkan sehr gut.

  • Autor: Florian Racky und Marc Klerner
  • Spielzeit: ca. 40 Minuten
  • Vertrieb: Feuerland
  • Anzahl: 2 Spieler
  • Kategorie: Familienspiel, Strategiespiel
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Bildquelle: Maria Manneck

Test und Artikel von Alexander Dockhorn

Bewertung

9.0 Bewertung

Als 2-Personenspiel bietet das Spiel "Haus der Sonne" Unterhaltung für Familienspieler und Taktiker zugleich. Beide Spielvarianten gehen gut von der Hand und sind auf schöne Weise mit dem Szenario rund um die Insel verbunden. Die einzigartige Gestaltung des Spielfeldes und der leicht zu erlernende Mechanismus haben uns bei unseren Testrunden viel Freude bereitet. "Haus der Sonne" zeigt sich daher als gelungene Ergänzung des heimischen Spieleschranks und unterhält beide Zielgruppen, Familien und Taktiker, im Kampf um die schönsten Statuen rund um den Vulkan sehr gut.

  • Spielidee 9/10
  • Ausstattung 10/10
  • Spielablauf 8/10
  • Interaktion 9/10
  • Einfluss 8/10
  • Spielbarkeit 9/10
  • Spaß 10/10

Weitere Informationen

  • Titel: Haus der Sonne
  • Kategorie: Brettspiele
  • Autor: Florian Racky und Marc Klerner
  • Verlag: Feuerland

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