Manager eines digitalen Ökosystems – Block‘Hood im Test

Es gab wohl für jeden die Zeit, in der wir gern mit Bauklötzen gespielt haben. Die Entwickler von Block’-Hood scheinen diese Zeit nie ganz hinter sich gelassen zu haben. Im aktuellen Test stellen wir euch ein Spiel vor, in dem man eine ganze Metropole aus Blöcken zusammensetzen kann, vom kleinen Apartment bis zum Yoga Studio.

Block'Hood | Bildschirmaufnahme

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Eine ruhige Nachbarschaft

Ziel des Spiels ist es, eine lebendige Metropole aufzubauen und dabei auf ein gesundes Ökosystem und ausgeglichen Ressourcen-Balancen zu achten. Man startet mit einer leeren Landschaft und $150. Nun sollte man überlegen, was für eine Nachbarschaft man erschaffen möchte. Es ist ein guter Anfang, seine Nachbarschaft mit Menschen zu besiedeln. Also bauen wir ein paar Apartment Blocks, um Menschen in unsere Stadt zu locken.

Apartments benötigen, wie so gut wie jeder Block, bestimmte Ressourcen als Input, damit sie nicht verfallen. Für ein kleines Apartment wäre das Strom, Wasser und frische Luft. Damit unsere Stadt nicht so schnell vergeht, wie wir sie gebaut haben, sollten wir also Blöcke ergänzen, die diese Ressourcen bilden. Das wären zum Beispiel Solarzellen, ein Brunnen und ein paar Bäume. Diese Blöcke benötigen dann wieder eigene Inputs, so dass sich die Produktionskette weiter fortsetzt.

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Manager eines Ökosystems

Um den Überblick zu behalten, was aktuell alles produziert und verbraucht wird, gibt es eine Ressourcenliste. Dort finden wir alles, was aktuell in unserer Nachbarschaft produziert, bzw. verbraucht wird. Für jede Ressource sehen wir die Balance. Ist sie positiv, steigt unser Vorrat, negativ lässt ihn sinken. Wir sollten neue Blöcke also so bauen, dass gute Ressourcen, wie Wasser, ansteigen, und schlechte Ressourcen, wie organischer Müll, sinken. Klickt man eine Ressource in der Liste an, wird im Bau-Menü markiert, welcher Block diese Ressource als Input oder Output hat, so dass man schnell die passende Erweiterung für die eigene Stadt finden kann.

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Billig oder Nachhaltig?

Es kann verlockend sein, Strom nicht durch Solarzellen oder Windräder zu gewinnen, sondern durch viel effektivere Ölförderung. Übertreibt man es jedoch damit, wird die Produktion von anorganischen Abfall schnell stark zunehmen. Hat man eine gewisse Menge einer Ressource gesammelt, können Events ausgelöst werden. Diese können sowohl positiv als auch negativ sein. Dass der Effekt riesiger Mengen von Müll nicht positiv ist, ist sicher jedem klar. Block’Hood veranschaulicht sehr schön die Konsequenzen, die der Ausbau einer Stadt hat. Man wird gezwungen stets abzuwiegen und muss eine Balance finden, damit die Nachbarschaft wächst, aber auch die Umwelt erhalten bleibt.

In Block’hood geht es allerdings nicht nur um menschliche Bewohner, auch Tiere können in unsere Nachbarschaft kommen. Bauen wir Wälder und Teiche, werden sich uns Wildschweine und Kraniche anschließen. Eine Datenbank zeigt, welche Blöcke in welcher Kombination gebaut werden müssen, um verschiedene Agenten anzulocken,

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Nach und nach kann man sich so immer größere Städte erbauen, die von immer mehr Agenten bevölkert werden. Sind einzelne Städte irgendwann nicht mehr genug, kann man sich eine Welt erstellen. Dies ist eine große bereits bewachsene Fläche, mit Flüssen, Bergen und Tälern. Auf dieser großen Fläche erstellt man dann wieder kleinere Nachbarschaften, die man wie bereits beschrieben entwickeln kann. Der Vorteil einer großen Welt ist, dass Nachbarschaften innerhalb eine Welt in einen Austausch treten können. Die Stadt am Meer hat vielleicht Wasser im Überfluss, was die Gemeinde im Landesinneren gebrauchen kann. So kann das Balancieren der Ressourcen noch einmal auf eine neue Stufe gebracht werden.

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Kritik

Block’hood hat eine wunderbar passende Grafik. Zusammen mit der ruhigen Musik und den Naturgeräuschen könnte das Spiel damit zu einer wunderbar entspannenden Beschäftigung werden. Leider haben sich jedoch viele kleine Mängel eingeschlichen, die in der Gesamtheit die Spielerfahrung schmählern. Block’hood ist in 9 verschiedenen Sprachen verfügbar, unter anderem auch auf Deutsch. Ich wählte zunächst diese Option. Die Gespräche im Story-Modus wirkten dadurch jedoch sehr gestelzt. Von der eigenen Hood zu sprechen, wenn man gerade 3 Bäume gepflanzt und 2 Apartments gebaut hat, funktioniert im Deutschen einfach nicht. Außerdem wurden Namen von Blocks uneinheitlich übersetzt. Dialog-Fenster, die einem mitteilen, was man bauen soll, verwenden teilweise andere Bezeichnungen für Blöcke, als der Block selbst benannt war. Ich wechselte daraufhin auf die englische Version, die dann deutlich angenehmer war.

Falls ihr euch gerade gewundert habt, wieso ich den Story Modus nicht bei der Beschreibung des Spielprinzips erwähnt habe: ich denke die Bezeichnung als „Tutorial“ wäre besser gewesen. Es handelt sich um 5 Level, die einem das Spielprinzip näherbringen. Die tatsächlich als Tutorial ausgeschriebenen Level sind hingegen nur Mini-Aufgaben, die einem erklären wie man zoomt oder einen Block baut. Ein großes Manko am sogenannten Story Mode ist außerdem, dass man im Level nicht speichern kann. Dies ist zusätzlich problematisch, da das Spiel im 5. Level regelmäßig nach über einer halben Stunde Spielzeit abstürzt.

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Außerdem wirken viele Dinge unvollständig. Das Bau-Menü teilt sich in 4 Bereiche. Jeder Bereich hat 4 Reiter, wovon jeweils 2 ausgegraut sind. Zu Beginn freut man sich, dass es also noch mehr Blöcke freizuschalten gibt. Irgendwann ist man enttäuscht, weil dies nie passiert. Und wieder etwas später fragt man sich, ob das nicht besser ist, weil man so schon ständig alles sucht. Die Blöcke werden nur als Bild dargestellt, man sieht den Namen erst, wenn man mit der Maus drüber geht. Habt ihr schon mal versucht das Mini-Bild eines Krankenhaus-Quaders von dem eines Büro-Quaders zu unterscheiden? Oder ihr wollt einen neuen Agenten freischalten und schaut in die Datenbank. Leider gibt es auch dort nur Bilder, von den benötigten Blöcken. Ihr versucht dann also euch die vier-eckige Baum-Form so gut wie möglich einzuprägen, um aus den 20 Optionen dann die richtige für euer Wunschtier zu bauen.

Die Ressourcenliste ist eine enorme Hilfe im Spiel. Leider folgt sie keiner Sortierung, die ich bisher durchschaut habe. Da diese Liste sehr bald sehr lang ist, führt dies schnell zu Frust. Auch erscheinen dort nur Dinge, die ihr bereits habt. Möchtet ihr die Bedürfnisse eurer Agenten erfüllen (einfach nur zum Spaß, denn Auswirkungen auf das Spiel hat es nicht, weshalb ich es bisher auch nicht erwähnt habe, dass es dergleichen gibt), benötigt ihr teilweise neue Ressourcen, zum Beispiel Kaffee-Bohnen. Da die Blocks, die eine gewisse Ressource produzieren, nur hervorgehoben werden, wenn ihr sie in der Liste auswählt in der die Ressource noch nicht steht, bleibt euch damit nichts andere übrig als mit der Maus über jeden einzelnen möglichen Block zu gehen und einen mit dem Output „Kaffee-Bohne“ zu suchen.

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Fazit

Block’hood hat das Potential ein wunderschön anzuschauendes, entspannendes Spiel zu werden, bei dem einem die Auswirkungen der Zivilisation verdeutlicht werden und wie alles miteinander zusammenhängt. Aktuell kann dieses Potential leider durch viele kleine Unstimmigkeiten nicht ausgeschöpft werden. Der Großteil von uns aufgelisteter Mängel könnten relativ leicht behoben werden. Wir hoffen daher, dass die Entwickler von Block’hood noch einmal fleißig ans Werk gehen, damit das Spiel sein volles Potential entfalten kann. Denn dann könnte Block’hood zum fesselnden Tycoon werden.

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Block’Hood im Überblick

  • Entwickler-Studio: Plethora Project
  • Publisher: Devolver Digital
  • Spielzeit: Story Mode ~4 Stunden, Endloser Sandbox-Modus
  • Plattform: PC (Steam)
  • Altersempfehlungr: ab 10 Jahren (auf Empfehlung der Redaktion)
  • Spieleranzahl: Singleplayer
  • Kategorie:
    • Simulation
    • Sand-Box
  • Bildquelle: Tina Braun
  • Lektor:Alexander Dockhorn

Test und Besprechung von Tina Braun

Bewertung

7.3 Bewertung

Block’hood hat das Potential ein wunderschön anzuschauendes, entspannendes Spiel zu werden, bei dem einem die Auswirkungen der Zivilisation verdeutlicht werden und wie alles miteinander zusammenhängt. Aktuell kann dieses Potential leider durch viele kleine Unstimmigkeiten nicht ausgeschöpft werden. Der Großteil von uns aufgelisteter Mängel könnten relativ leicht behoben werden. Wir hoffen daher, dass die Entwickler von Block’hood noch einmal fleißig ans Werk gehen, damit das Spiel sein volles Potential entfalten kann. Denn dann könnte Block’hood zum fesselnden Tycoon werden.

  • Grafik 7/10
  • Sound 10/10
  • Balance 6/10
  • Atmosphäre 9/10
  • Bedienung 6/10
  • Spielidee 6/10

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