Es ist ein stark verankerter Wunsch der Menschen, als Held inmitten von epischen Schlachtfeldern hervorzugehen, sich durch zahlreiche Schlachten zu metzeln und das Böse, welches Chaos in der aktuellen Weltordnung verbreitet, aus dieser Welt zu verbannen. Dieses altbekannte Konzept wurde schon in vielen Spielegenres verwendet und am weitverbreitetsten ist es in den Rollen- und Actionspielen.
Dieser Grundbaustein war ein wesentliches Element der Erfolgsgeschichte der ersten beiden Teile der Computerspielreihe „Sacred“. So gab es die einen oder anderen Probleme in Ancaria, welches nicht nur durch einen Sakkara-Dämonen, sondern auch durch Kriege verursacht durch Neid, Gier und Furcht in die Verdammnis und den Untergang gezogen werden sollte.
Doch ein tapferer Held kam in guter alter Rollenspielmanier aus dem Nichts, konnte geschickt sowohl mit der Klinge als auch mit Magie umgehen und dadurch heldenhaft die zahlreichen Schlachten übersteht und das Böse bannen. Gepaart wurde das Setting neben einer offenen Spielwelt und humoristischen und satirischen Elementen mit einem breiten Questsystem und einer mitreißenden und tiefen Spielgeschichte.
Allgemein
In „Sacred 3“ sind der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte die altbewährten Ländereien von Ancaria. Dabei geht es dieses Mal um Zane, einen von Rache getriebenen und von Macht besessenen Herrscher des Ashen-Reichs. Das Ashen-Reich hat bereits im „Sacred“-Ableger „Sacred Citadel“, einem recht flotten action-reichen Hack’n’Slay Spiel, versucht, den Seraphim-Orden zu stürmen und zu zerschlagen, um sich die mächtigsten Artefakte des Landes anzueignen.
Um sein Ziel zu erreichen, verbündet Zane sich mit Dämonen, öffnet Tore zur Unterwelt und heuert Söldner an, die sich in Städte einschleichen und diese von innen heraus erobern. Durch dieses Spektrum an Aktionen schafft er es sogar, das Herz von Ancaria an sich zu nehmen, welches das mächtigste Artefakt Ancarias ist und das Land in sich zusammenhält, um dadurch zu einem Halbgott aufzusteigen.
Selbstverständlich muss dieser Plan von den Helden Ancarias vereitelt werden. Dabei findet sich eine Gruppe aus fünf Helden zusammen, die gemeinsam gegen das Böse vorgehen. Auch wenn jeder dieser Charaktere eine Klasse, wie Ancarian oder Khukuri, aufweist, handelt es sich um die klassische Rollenspielbesetzung von Berserker, Amazone, Waldläufer, Assassine und Paladin. Das Briefing zu den einzelnen Missionen übernimmt dabei eine Hellseherin bzw. eigentlich die Tochter dieser, wodurch die Gruppe während des Spiels nur diese beiden Bezugspersonen hat.
Grafik
Aber kommen wir erst einmal zur grafischen Gestaltung von „Sacred 3“. Denn schon der Startbildschirm wirkt sehr vielversprechend. Im Hintergrund erkennt man einen gewaltigen Schlachtzug, eine fliegende Seraphim, einen Äxte werfenden Berserker und einen durch die heldenhafte Fünfer-Gruppe zerschlagenen Invasionstrupp. Das gesamte Geschehen wird dabei als Hintergrundvideo abgespielt und weckt beim Erblicken gleich das Interesse am Spiel.
Auch die grafische Umsetzung während der Missionen ist sehr flüssig und ist zumindest in der getesteten PC-Version sehr scharf, detailreich und sauber, was unter anderem an einer sehr hohen Auflösungsrate liegt. Sehr gelungen sind auch die vielen und zahlreichen Animationen der Gegner, der Helden, der Attacken und auch der Hintergründe. Vor allem durch das Zusammenspiel an detailreichen Texturen, stimmungsvollen Lichtspielereien und bunten Kampfanimationen wird ein erfrischendes, wenn auch leicht überladenes Spielerlebnis geschaffen.
Steuerung
Sowohl das Hauptmenü als auch das gesamte Spiel kann mit einem Gamepad gesteuert werden, aber die Steuerung durch Maus und Tastatur ist auch möglich. Jedoch wird die Kontrolle durch die Maus erschwert, da der Mauszeiger nicht das ausgewählte Objekt selektiert, sprich die Steuerung für den PC ist leicht fehlerhaft. Generell sollte man „Sacred 3“ eher mit einem Gamepad steuern, da die Tastatursteuerung nicht wirklich anwenderfreundlich umgesetzt wurde. Beispielsweise muss man in den Einstellungen die Änderungen mit der F4-Taste und dann noch einmal mit Enter bestätigen, dagegen ist die Gamepadsteuerung viel durchdachter und intuitiver angelegt.
Nachdem man sich also ein Gamepad geschnappt und seinen aktuellen oder einen neuen Spielstand ausgewählt hat, kann man endlich das Ashen-Imperium zurückschlagen. Wobei im Auswahlmenü der Spielstände auffällt, dass es erstens auf sechs Slots begrenzt ist und zweitens das Löschen eines Spielstands mit der Tastatur durch die F4-Taste getätigt wird. Wählt man einen leeren Slot, wobei immer nur der erste leere Slot von oben auswählbar ist, so kann man dann einen von den fünf Helden auswählen. Dieser ist dann aber für diesen Slot als Hauptheld gebunden.
Ohne große Umwege, abgesehen von einem kleinen Intro und dem kurzen Briefing zur aktuellen Quest, wird man auch schon ins Schlachtgetümmel geworfen. Dabei lernt man in einem recht penetranten Tutorial mit einer noch penetranteren Hilfe, die immer wieder im gesamten Spiel nach kurzer Zeit auftauchen, sowohl die verschiedenen Gameplayelemente als auch das Attacken- und das Move-Set des Helden kennen. Zwischen den verschiedenen Helden gibt es jedoch von der Steuerung her keinen Unterschied – nur die Attacken haben andere Effekte und andere Animationen.
Missionen
Der Levelaufbau der Hauptmission ist recht gradlinig gehalten. Man muss vom Einwurfpunkt in die Mission bis zum Endboss laufen. Dabei kommen einem immer wieder Wellen von Gegnern entgegen, die man etappenweise besiegen muss. Ab und zu gibt es noch Fallen oder interaktive Spielelemente, die aber auch wieder von Gegnerwellen begleitet werden. In der Mitte eines Levels befindet sich noch ein etwas stärkerer Miniboss. Die Bossgegner an sich sind recht berechenbar, zeugen von geringer Attackenvielfalt und man kann den langsamen kraftvollen Angriffen einfach vorher ausweichen.
Nur die Endbosse erweitern teilweise das Attackenspektrum, je mehr auf den Boss eingeschlagen wird. Das Entscheidende bei den Bossen ist für den Helden nicht allzu viel Schaden einzustecken, während man minutenlang auf den Boss einschlägt, denn es kann vorkommen, dass man mit wenigen kritischen Treffern bereits niedergeschlagen wird. Aber zum Glück kann man im Kampf noch verschiedene Items, wie Tränke, Totems oder ähnliches einsetzen, um den Helden zu buffen oder Gesundheit zu regenerieren. Ansonsten wird der Fokus stark auf das Energiekugelsystem für Gesundheit und Skills zum Wiederaufladen im Spielgeschehen gelegt.
Generell gibt es auch nur drei Arten von Missionen. Neben den Hauptmissionen, die die Geschichte erzählen, gibt es noch Nebenmissionen, wie „Besiege alle Gegner in einem Gebiet“ oder „Überlebe die fünf Gegnerwellen“. Innerhalb der Hauptmission sehen die Rätselelemente von ähnlicher Vielfältigkeit aus. So muss man meistens zwei oder mehr Sachen von irgendwas töten, den Schlüssel in einem Gegner suchen oder aus mehreren Teilen zusammensetzen, ein Rad sechsmal drehen oder einfach nur mal Fallen, Kanonenkugeln, Gesteinsbrocken, Lava, Tentakeln oder Eis ausweichen. Am Ende der Missionen kann man neue Waffen oder neue Items, die während des Kämpfens benutzbar sind, finden.
Skillsystem
Neben dieser Vielfalt an Spielelementen gilt es für jeden Charakter hochzuleveln, um dadurch neue Fähigkeiten freizuschalten. So hat jeder Charakter im Laufe des Spiels sowohl aktive Fähigkeiten, wie jeweils drei primäre und sekundäre Zaubersprüche, als auch passive Skills, wie Exekutieren oder Ausweichen, zur Verfügung. Zum Aktivieren der Erweiterung einer bestimmten Fähigkeit muss jedoch etwas des gesammelten Goldes investiert werden.
Generell kann man auch seine Rüstung und die drei verschiedenen Waffen mit Geld aufrüsten. Zusätzlich findet man im Spiel auch rein zufällig irgendwelche Waffengeister, die sich aber nur selbst hochstufen. Als Held kann man sie nur als Kampfunterstützung ausrüsten, wobei nicht nur jeder von ihnen einzigartige Fähigkeiten hat, sondern auch einzigartige irritierende und unpassende Sprüche während des Kampfes von sich gibt, wie beispielsweise „Sahne!“.
Spielwelt
Eine nicht ganz so sahnige Spielneuerung ist die fehlende offene Spielwelt. Lediglich eine riesige Karte zeichnet die Missionsübersicht, wobei man quer durch die Karte gehen und zu Anfang auch mit der letzten Mission durchstarten kann. Wenn man es oft genug probiert, kann man es durchaus schaffen. In so ziemlich jedem Level vermisst man eigentlich auch kleinere und größere Geheimnisse oder auch verborgenen Items oder kleinere Nebenmissionen – einzig und alleine gibt es ab und zu ganz unerwartet und nicht nachvollziehbar einen Waffengeist und eine etwas versteckte Goldkiste in einer Sackgasse zu finden, doch die paar Gold sind nicht mal lohnenswert für die Mühe.
Mehrspieler-Modus
Sehr gelungen ist, dass ein lokaler Mitspieler ganz einfach und jederzeit zum aktuellen Spiel hinzutreten kann. Dies kann sowohl innerhalb einer laufenden Mission als auch in der Übersichtskarte geschehen. Dabei kann der Mitspieler auch wieder aus allen fünf Helden wählen, was sich ein wenig zur Story widerspricht. Denn warum sollte zweimal derselbe Held durch Ancaria ziehen, wenn doch die bestehende Gruppe aus fünf unterschiedlichen Helden das Land vom Bösen befreit.
Seit dem neuesten Patch ist die Charakterauswahl in aktiven Missionen sehr übersichtlich gestaltet. Jedoch gehen im Koop-Modus die Fortschritte von Gast-Spielern verloren und werden nicht lokal gespeichert. Was auch einen kleinen negativen Beigeschmack hat, ist, dass es für alle Attacken ein Tutorial und riesig auftauchende Hilfetexte gibt, jedoch nicht für die charakterspezifische Koop-Fähigkeit. Diese ist nur im Koop-Spiel einsetzbar und lädt sich während des Kämpfens auf. Wenn die Aufladung für die Fähigkeit gefüllt ist, steht nur eine kleine Notiz am Bildschirmrand und der Waffengeist schreit einen seiner merkwürdigen Sprüche.
Eine weitere einsetzbare Fähigkeit im Koop-Modus ist das Wiederbeleben. Da das ganze Spiel über eine fünfer Gruppe durch die Länder Ancarias streift, könnte man denken, dass bis zu fünf Spieler miteinander spielen können. Tja das wäre sicherlich zu intuitiv gewesen, denn es kann im Koop nur ein lokaler Freund mitspielen und zusätzlich kann man einen weiteren Rechner mit bis zu zwei weiteren Freunden zur aktuellen Partie dazu schalten. Also insgesamt ist es für vier Spieler ausgelegt und nicht wie man vermuten könnte für fünf.
Aber es gibt noch weitere versteckte Features in „Sacred 3“.
Denn von Anfang an kann man stets zwischen drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden auswählen, aber nachdem man das Spiel einmal durchgespielt hat, kann man einen weiteren noch härteren auswählen: „Gottheit“. Sehr schön ist die dynamische Levelanzeige in der Übersichtskarte, die bei Änderung der Schwierigkeit angepasst wird. Das Schöne ist bei der Schwierigkeitsmodifikation ebenfalls, dass man sich nicht auf viel Innovatives und Überraschendes einstellen braucht, denn einzig der ausgeteilte Schaden der Gegner wird spürbar erhöht.
Kameraführung
Ein etwas vernachlässigter Bereich ist die fehlende manuelle Kameraführung. „Sacred 3“ weist eine schöne und detailreiche Grafik auf und oftmals einen liebevoll gestalteten Hintergrund, doch kann man diesen beim Durchrennen der Level und der nicht bewegbaren Kamera oftmals nicht wirklich genießen. Zusätzlich ist die Kameraführung im Spiel oft gewöhnungsbedürftig, da sie sich bei Gelegenheit automatisch und teilweise selbstständig dreht, einfach nur, um den Fokus auf den Hintergrund zu legen, dann rauszoomt, nichts passiert und dann wieder in der Ausgangsposition einrastet.
Ein ähnlich irritierendes Erlebnis entsteht bei der Nebenquest, wo alle Gegner in einem Gebiet getötet werden sollen. Wenn man nämlich am Ende des Gebiets angekommen ist und den Miniboss erlegt hat, kommt kein Feedback. Erst wenn man die Truhe selbstständig gefunden und geöffnet hat, kann man das Level endlich abschließen, wobei das einzusammelnde Gold recht wertlos erscheint. Immerhin braucht man das Gold nicht bewusst einzusammeln, denn die Skills kosten nicht viel und man kann auch Fehlinvestitionen ohne Verlust wieder rückgängig machen. Somit kann man entweder alle Skills ausbauen oder einfach den für sich passendsten auswählen und ausbauen.
Fazit
Für „Sacred 3“ sollte man versuchen, sowohl die Anhänger der „Sacred“-Spielreihe, als auch die angezielte Zielgruppe zu verstehen. Denn generell ist „Sacred 3“ ein Teil der „Sacred“-Reihe, aber auch ein komplett eigenständiges Spiel. Da die Story aus „Sacred 2“ bzw. „Sacred Citadel“ aufgegriffen und ausführlich weiterverfolgt wird, ist es in der Hinsicht ein würdiger Nachfolger.
Dem stehen leider der starke Sarkasmus, die merkwürdigen Sprüche in Verbindung mit den realistischen Kampfszenen und den Adonis-ähnlichen Helden im Gesamtkonzept gegenüber, wodurch es trotz der erfrischenden Ehrlichkeit in der Story etwas unglaubwürdig wirkt. Aber dennoch ist „Sacred 3“ ein sehr kurzweiliges Actionspiel mit starken Hack’n’Slay-Elementen für Zwischendurch oder die Mittagspause und das für PC, Xbox 360 und Playstation 3.
Den Kern von „Sacred“ und das, was es auszeichnete – ein tiefgreifendes humoristisches und abwechslungsreiches Rollenspiel für Computerspieler – sucht man in „Sacred 3“ vergebens. In der aktuellen Generation gilt es nur noch zu kloppen, zu leveln und nicht zu viel individualisieren zu können, denn solange man hübsche Effekte und Animationen drüber legt, wird es ja schon massentauglich sein. Im Vergleich dazu hatten „Sacred 1“ und „Sacred 2“ ein breites Skillsystem mit unterschiedlichen Fähigkeiten für die unterschiedlichen Klassen, eine einzigartige Vielfalt an allgemeinen und charakterspezifischen Items.
Auch die Storytiefe wurde durch das Questsystem auf eine noch detailreichere Ebene gehoben. Selbst die zahlreichen Nebenquests hat man liebend gern zur Freude und aus Interesse abgeschlossen. Die Reise durch das Land konnte man damals sogar mit einem Pferd erleichtern. Aber „Sacred 3“ hat davon nicht mehr viel, außer der Story. Keine sinnvollen bzw. eine interessanten Nebenquests, keinen Tiefgang, keine Itemvielfalt, keine Skillvielfalt. Es ist alles sehr linear, aufeinander aufbauend und mit ca. 10 Stunden Spielspaß sehr oberflächlich gehalten. Denn Obacht, man könnte daraus ja ein „Sahne“-Stück machen.
Ohne den Vergleich zum früheren Teil der erfolgreichen Videospielserie „Sacred“ lässt sich sagen, dass „Sacred 3“ zwar kein Meisterwerk ist und beispielsweise weit unter anderen Spielen des gleichen Genres, aber es ist ein solides Spiel, was in sich stimmig ist und mit Freunden recht unterhaltsam wird.
Test und Artikel von Friedrich Lüder
Bewertung
Es ist ein einfaches Hack’n‘Slay Spiel ohne viel Drumherum, ohne tiefere Spielmechanik aber in einer hübschen Grafik.
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Grafik
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Sound
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Balance
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Atmosphäre
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Bedienung
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KI
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Spielidee
Weitere Informationen
- Titel: Sacred 3
- Kategorie: Computerspiele
- Verlag: Deep Silver / Koch Media





