SteamWorld Heist – Piraten im All

Der Term Roboter-Cowboy Piraten ist wohl der passendste Ausdruck für SteamWorld Heists Szenario. In einem von Robotern belebten Universum dominiert die Klasse der dieselbetriebenen Roboter. Durch ihre Dominanz versklavten sie die schwächeren auf Wasserdampf angewiesenen Roboter und nahmen übrige Vorräte in Beschlag. Als Piper, die Anführerin einer bald schon wachsenden Piratencrew, versuchen wir unseren Platz im Universum zu sichern.

SteamWorld Heist | Bildschirmaufnahme

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Spielmechanik

Als echte Rebellen stürzen wir uns sofort auf die Raumschiffe der Unterdrücker und anderer Piraten. Auf einer Weltraumübersichtskarte wählen wir unser Angriffziel. Jede Mission kommt mit einer kleinen Lagebeschreibung und beschränkt die Anzahl der Crewmitglieder. Diese wählen wir im folgenden Bildschirm aus und wappnen sie mit bis zu drei Ausrüstungsgegenständen für den Kampf. Sind wir erst einmal angedockt, wird das Schiff auch schon im Eiltempo gestürmt und geplündert.

Rundenweise bewegen wir unsere Helden vorwärts und sammeln dabei alles ein was nicht niet- und nagelfest ist. Hierbei können wir wählen: direkt den Revolver zu zücken, uns vorher zu bewegen oder ohne zu schießen die doppelte Distanz zu laufen. Raum für Raum erkunden wir so das feindliche Schiff. Treffen wir auf Gegenwehr, wechselt sich der Rundenablauf mit der gegnerischen Schiffsbesatzung ab. Diese versteht leider keinen Spaß und versucht uns sofort mit roher Waffengewalt zu verdrängen.

SteamWorld Heist | Bildschirmaufnahme

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SteamWorld Heist zeichnet sich hierbei durch eine einzigartige Fernkampf Mechanik aus. Haben wir die Waffen einmal gezückt, müssen wir den ausgestreckten Arm unseres Charakters in einem beliebigen Gradwinkel einstellen. Wer das im echten Leben schon einmal gemacht hat, weiß das selbst der stärkste Mann irgendwann anfängt zu zittern. Langes zielen senkt daher die Genauigkeit unseres Schusses. Während wir mit der Startwaffe noch ein hilfreiches Laservisier mitgeliefert bekommen, zwingen uns andere Waffen bogenförmige Flugbahnen abzuschätzen oder nach Augenmaß zu zielen. Jede im Spiel zu findende Waffe hat ihre ganz eigenen Eigenschaften und erfordern die stetige Anpassung unserer Spielweise, wenn wir erfolgreich durch die Galaxis reisen wollen.

Nicht alle Gegner sind für den Fernkampf vorbereitet, so dass sie uns durch schnelle Bewegungen in den Nahkampf zwingen können. Hier bleibt uns nur der Rückzug oder der faire Faustkampf, wobei letzteres mit vielen Charakteren nur eine Notlösung darstellt.

Zwei weitere Faktoren beeinflussen die Kampfdynamik entscheidend. Zum einen befinden sich im ganzen Raumschiff verteilt zahlreiche Deckungsmöglichkeiten, hinter denen unsere Körper vor feindlichen Direkttreffern geschützt sind. Zum anderen bietet uns das Spiel auch die Möglichkeit durch viel Geschick, feindliche Deckungen zu umgehen. Hierfür können wir, wie beim Billard, die Wände nutzen um mit abprallenden Geschossen, selbst in ungünstigen Winkeln noch zu treffen. Ein gelungener Schuss macht so gleich doppelt Freude und wird teils mit zusätzlichen Schaden belohnt.

SteamWorld Heist | Bildschirmaufnahme

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Die Charaktere

Bei der Zusammenstellung unseres Angriffsteams können wir uns auf die vielseitigen Fähigkeiten unserer Kameraden verlassen. Während Scharfschützen aus sehr langen Distanzen noch zielsicher Treffen können, sind Granatwerfer Spezialisten besser geeignet um gegnerische Stellungen auszuheben. Wieder andere Charaktere können durch ihre Anwesenheit die Gruppenstärke heben oder verwundete Soldaten heilen. Am Ende einer Mission erhalten alle mitgenommenen Mitglieder Erfahrung und können auf diese Weise neue wertvolle Fähigkeiten freischalten.

Die einzelnen Charaktere schalten wir während unserer Reise durch das Weltall frei. Teils können wir durch Nebenmissionen entfernte Orte bereisen, an denen sich uns weitere Soldaten anschließen. Zurück auf unserem eigenen Raumschiff, kann man in kurzen Gesprächen mehr über die Crewmitglieder erfahren.


Immer vorwärts, nie zurück

Innerhalb einer Mission müssen wir uns mit taktischen Geschick möglichst schnell nach Vorn bewegen. Oft bleibt der Einbruch nicht unentdeckt und die gegnerischen Alarmglocken drohen bereits zu läuten. Dies ist wörtlich zu nehmen, denn einmal ausgelöst, vergrößert sich die Anzahl der Feinde alle paar Runden. Zudem werden bei zu langem Aufenthalt an der Decke angebrachte Geschütztürme aktiv, die uns zusätzlich das Leben schwer machen.

Die Missionsziele reichen vom klassischen Beute einsammeln bis zum Zerstören von Generatoren um zum Schiffskern vorzudringen. In wenigen Abschnitten stürzen sich zudem ausgewachsene Endbosse auf uns und machen uns mit ihren Tricks das Piratenleben zur Hölle.

Gestorbene Helden erhalten am Ende der Mission keine Erfahrung und müssen repariert werden. Hierfür müssen wir ein Teil unserer Wasservorräte abgeben, auf das unsere Crew bald wieder einsatzbereit ist. Da die meisten Missionen zufallsgeneriert sind, bleiben sie auch bei mehrmaligen Versuchen stets herausfordernd. Hierbei kann der Schwierigkeitsgrad vor jeder Mission beliebig eingestellt werden. Wer sich besonders knackigen Gegnern stellt, wird am Ende mit zusätzlicher Erfahrung belohnt.

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Grafik & Audio

SteamWorld Heist zeigt sich mit detaillierter 2D Grafik. Das Steampunk und Western Thema beeinflusst konsequent die Charaktergestaltung und Umgebungen. Die zufällig generierten Raumschiffe wirken nie langweilig und stellen einen angenehmen Hintergrund da. Vereinzelt könnten sich Deckungsobjekte besser von der Umgebung abheben. In der Befehlsansicht wird durch deutliche Symbole aber stets angezeigt, wo der Deckungsvorteil vergeben wird. Zwischen den Spielphasen wird uns mit stimmigen Zwischensequenzen die Story nähergebracht. Der Stil ist hier an ältere Westernfilme angelegt. Alles in allen sind die Sequenzen gut gelungen, die nur flache Geschichte reicht aber auch hier nicht aus, um wirklich mitzureißen.

Die Audiogestaltung ist zweckmäßig, aber weder durch besondere Höhen noch Tiefen während der Spielzeit aufgefallen. Lediglich die Musik in Lunas Bar ist besonders von der restlichen Vertonung hervorzuheben. Auch bei den wenigen Bossen im Spiel gewinnt die Musik etwas an Fahrt und unterstützt die Dramatik. Während des Spiels wurden die unterschiedlichen Waffen- und Projektiltypen jeweils durch eigene Effekte vertont. Die Wucht größerer Waffen ist deutlich spürbar und trägt zur Freude an einem besiegten Gegner bei.

SteamWorld Heist | Bildschirmaufnahme

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Fazit

Auch wenn die Story nur schmückendes Beiwerk ist, kann SteamWorld Heist dank der kreativen Spielmechanik überzeugen. Während viele Rundenstrategiespiele auf ein wahrscheinlichkeitsbasiertes Treffersystem zurückgreifen, kommt es hier ganz auf das eigene Geschick an. Revolverhelden und Strategen können hier jeweils ihre ganz eigenen Erfolge feiern. Die prozedural generierten Level und die sich unterschiedlich spielenden Charaktere sorgen dabei für langanhaltenden Spielspaß. Für mich eine klare Indie-Empfehlung, welche mittlerweile auf allen gängigen Systemen erhältlich ist.


SteamWorld Heist im Überblick

  • Entwickler-Studio: Image & Form
  • Publisher: Iamge & Form
  • Spielzeit: ca. 15-20 Stunden
  • Plattform: PC (Steam), Nintendo 3DS, PlayStation 4, Wii U, Xbox One, iOS, PlayStation Vita, Linux, Mac OS
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Anzahl: Einzelspieler
  • Kategorie:
    • Rundenstrategie
    • Geschick
  • Bildquelle: Alexander Dockhorn
  • Lektor: Friedrich Lüder

Test und Besprechung von Alexander Dockhorn

Bewertung

8.0 Bewertung

Auch wenn die Story nur schmückendes Beiwerk ist, kann SteamWorld Heist dank der kreativen Spielmechanik überzeugen. Während viele Rundenstrategiespiele auf ein wahrscheinlichkeitsbasiertes Treffersystem zurückgreifen, kommt es hier ganz auf das eigene Geschick an. Revolverhelden und Strategen können hier jeweils ihre ganz eigenen Erfolge feiern. Die prozedural generierten Level und die sich unterschiedlich spielenden Charaktere sorgen dabei für langanhaltenden Spielspaß. Für mich eine klare Indie-Empfehlung, welche mittlerweile auf allen gängigen Systemen erhältlich ist.

  • Grafik 8/10
  • Sound 8/10
  • Balance 9/10
  • Atmosphäre 9/10
  • Bedienung 6/10
  • KI 8/10
  • Spielidee 8/10

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