Ghooost!

0

Was kann man sowohl in vielen alten, verlassenen Gemäuern und in der Nacht unter jedem Kinderbett finden? Abgesehen von Staubflusen und ein wenig Chaos, natürlich Gespenster und Geister. Wenn das eigene Kind dann auch noch Wind davon bekommt, hilft oftmals nur noch eins: Die Gespenster vertreiben. Häufig assoziieren Menschen mit der Thematik des Gespenstervertreibens beispielsweise Geister- und Monsterjäger oder Geisteraustreiber, doch es gibt noch einen weiteren Weg, den man unter anderem bereits aus Caspar, dem freundlichen Geist, kennt. Und zwar muss man die Gespenster einfach nur erschrecken, dann verschwinden sie. Auf diesen doch so simplen und effektiven Trick kam auch der Heidelberger Spieleverlag und hat ein Kartenspiel zu dieser Thematik heraus gebracht.

In „Ghooost!“ sind die Gespenster nicht nur im Kinderzimmer unter dem Bett oder im Kleiderschrank versteckt, sondern sie treiben im gesamten Haus ihr Unwesen und Erschrecken immer wieder die Bewohner. Da jeder Spieler einen möglichst schreckfreien Schlaf und Alltag erleben will, entspukt jeder Spieler für sich über Nacht sein eigenes kleines Haus. Das klappt aber nur, wenn man entsprechend gruselig ist und die Gespenster irgendwie erschrecken kann, so dass sie sich in einem anderen Haus einnisten. Am Ende gewinnen alle Spieler jeweils ein spukfreies Haus, bis auf der letzte, der mit den Gespenstern leben und alle anderen Spieler zum Erschaudern bringen muss.

Material und thematische Umsetzung

Bereits die Gestaltung des Spielkartons weckt durch die vielen dargestellten Monster reges Interesse. Denn es sind einige Gespenster von den Spielkarten um ein zentrales Element, das Spukhaus, angeordnet und verzieren so auf plakative Weise die Thematik des Kartenspiels. Während des Aufklappens des Spielkartons wird man positiv überrascht, denn dieser hat eine ungewohnte Verarbeitung, sodass er als kreativer Spielplan fungiert. Dabei weist er unterschiedliche Bereiche auf, wie die Gruft, das Exil und den Friedhof. So bekommt der Karton auch während des Spielens noch eine passende Bedeutung und liegt nicht einfach in der Ecke herum.

Bei den Karten merkt man auch die durchdachten Details. So fällt einem schnell auf, dass die Karten beispielsweise weit aus stabiler, glatter und ein bisschen größer sind als die Standardkarten. Leider fällt auch die etwas plumpe und glatte Herangehensweise bei der Namensvergebung auf. So gibt es beispielsweise Scheuch, die Furcht einflößende Vogelscheuche, Omi oder sowohl Franky Junior als auch Franky Senior. Jede der Spielkarten zeigt ein grusliges Gespenst, im Widerspruch zum Vermerk unter dem Spieltitel „Schaff die Geister raus!“, geht es nicht nur darum Geister zu vertreiben, sondern so ziemliches jedes schauderhafte Gespenst, ob Monster oder Geist.

Regeln und Spielmechanik

Die Spielvorbereitung ist wie für ein Kartenspiel typisch. Nach dem Aufklappen des Spielkartons kann man die Karten mischen und jeder Spieler bekommt sowohl vier Handkarten als auch ein paar verdeckte Hauskarten. Die Anzahl bei den Hauskarten ist dabei von der Partiegröße abhängig. Die übrigen Karten kommen verdeckt in die Gruft des Spielkartons zurück. Nach Beendigung der Vorbereitungsphase beginnt der Spieler, der zuletzt erschreckt wurde.

Im Großen und Ganzen setzt sich das Spiel aus zwei Phasen zusammen: vor Mitternacht und nach Mitternacht. In der ersten Phase versucht der aktive Spieler jeweils die Karten von seiner Hand oder auf gut Glück Karten verdeckt vom Nachziehstapel, der Gruft, abzuspielen. Konnte mit der abgespielten Karte keine gültige Aktion ausgeführt werden, muss der Spieler den Friedhof auf die Hand nehmen. Eine gültige Aktion ist dabei, entweder ein identisches Gespenst zu spielen oder ein schrecklicheres, welche entweder durch Sonderfunktionen der Monster und Geister oder Kombination bis zu einem Quartett der gleichen Karte. Sobald ein Quartett jedoch ausgespielt wurde, werden alle vier Gespenster es ins Exil geschickt und aus dem Spiel verbannt. Wenn der aktive Spieler am Ende seines Zuges vor Mitternacht keine vier Handkarten mehr hat, muss er sie wieder durch Ziehen aus der Gruft auffüllen. Hat er davor aber mehr als eine Karte ausgespielt, ist er noch einmal am Zug.

Ghooost-2

Sobald alle Karten aus der Gruft gespielt sind, ist es nach Mitternacht, die zweite Phase des Spiels beginnt. In dieser versuchen die Spieler ihr Haus zu entspuken. Dazu spielen sie verdeckt die oberste Karte aus ihrem Haus, sofern sie keine Handkarten mehr haben. Dabei kann es wieder passieren, dass diese gespielte Karte die Gespenster nicht erschrickt und alle Karten vom Friedhof in die Hand vom Spieler gelangen. Sobald alle Karten weg sind, ist man offiziell entspukt und gespensterfrei.

Fazit

Liest man sich zuerst die Regeln durch und versucht den Spielablauf zu verstehen, sieht man auf den ersten Blick eher viele Züge auf sich zukommen. Dies wird jedoch verhindert, indem ein Spieler mehrere Züge pro Runde ausführen kann, je nachdem wie geschickt er seine Karten ausspielt. Durch die verschiedenen Gespensterarten, die Sonderfunktionen einiger Karten und die Mehrspielervariante bekommt das Spiel die notwendige Dynamik, wodurch es nicht nur ein schnelles, einfaches Kartenablegespiel wird. Sehr gelungen ist die thematisch konsequente Umsetzung im Gespenstersetting, was sich unter anderem durch die Integration der Spielbox in den Spielablauf zeigt. Von den verniedlichten Illustrationen werden eher Kinder und Eltern angesprochen und zum Spielen animiert. Der Gesamteindruck von „Ghooost!“ ist sehr gut, sehr stimmig und leicht erlernbar, trotz einiger Regeln.

  • Autor: Richard Garfield
  • Spielzeit: ca. 15Minuten
  • Vertrieb: Heidelberger Spieleverlag | iello
  • Anzahl: 2-6 Spieler
  • Alter: ab 8 Jahren

Test und Artikel von Friedrich Lüder

Bewertung

8.6 Wertung

Liest man sich zuerst die Regeln durch und versucht den Spielablauf zu verstehen, sieht man auf den ersten Blick eher viele Züge auf sich zukommen. Dies wird jedoch verhindert, indem ein Spieler mehrere Züge pro Runde ausführen kann, je nachdem wie geschickt er seine Karten ausspielt. Durch die verschiedenen Gespensterarten, die Sonderfunktionen einiger Karten und die Mehrspielervariante bekommt das Spiel die notwendige Dynamik, wodurch es nicht nur ein schnelles, einfaches Kartenablegespiel wird. Sehr gelungen ist die thematisch konsequente Umsetzung im Gespenstersetting, was sich unter anderem durch die Integration der Spielbox in den Spielablauf zeigt. Von den verniedlichten Illustrationen werden eher Kinder und Eltern angesprochen und zum Spielen animiert. Der Gesamteindruck von „Ghooost!“ ist sehr gut, sehr stimmig und leicht erlernbar, trotz einiger Regeln.

  • Spielidee 8/10
  • Ausstattung 10/10
  • Spielablauf 9/10
  • Interaktion 7/10
  • Einfluss 7/10
  • Spielbarkeit 10/10
  • Spaß 9/10

Weitere Informationen

  • Titel: Ghooost!
  • Kategorie: Kartenspiele
  • Autor: Richard Garfield
  • Verlag: Heidelberger Spieleverlag | iello
Teilen

Über den Autor

Wir sind als Fachschaftsrat der Fakultät für Informatik seit Juli 2011 dabei und testen im Rahmen unserer Spieleabende an der Fakultät der Infomatik in Magdeburg verschiedenste Spiele. Viel Spaß beim Durchstöbern unserer Artikel ;)

Wie bewerten Sie dieses Spiel?

VN:F [1.9.13_1145]
Bewertung: 0.0 von 5 (insgesamt 0 Bewertungen)

Kommentar schreiben