Trust

Das Milliardenspiel zur Finanzkrise

Trust ist kein Kartenspiel im klassischen Sinn, sondern ein Spiel für drei bis sechs Spieler, welches nur durch Bluffen gewonnen werden kann, ähnlich wie beim Pokern.

Ziel ist bei diesem wirtschaftsorientierten Spiel, so wenig Schulden wie möglich zu machen bzw. die eigenen Schulden den anderen Spielern unterzujubeln.

Dazu taucht jeder Spieler erst einmal in eine von drei verschiedenen Rollen (Staat, Bank oder Konzern) mit dem besten Rating, wobei natürlich jede dieser Rollen spezielle Privilegien hat. Wie in der realen Wirtschaft besitzt jeder Spieler verschiedene Schuldscheine und Wertpapiere. Ob es mehr Schuldscheine oder Wertpapiere sind, hängt vom gegenwärtigen Rating ab.

Der Rundenablauf unterteilt sich in drei Phasen. Während der ersten Phase kommt jeder Spieler dreimal dran. Dabei muss man ein Finanzpaket an den nächsten Spieler abgeben. Ein solches Finanzpaket besteht aus mind. einem und max. drei Papieren (Schuldscheinen oder Wertpapieren), wobei die Wertpapiere aufgedeckt abgelegt werden. Der nächste Spieler entscheidet dann, ob er mit dem Finanzpaket weiter handelt oder die Deckung anzweifelt. Bei einer Prüfung durch Anzweifeln des Finanzpakets bekommt der Spieler permanente Schulden, der im Unrecht ist (bei Deckung der Prüfende, bei Nicht-Deckung der zuletzt Aufstockende).

Handelt der nächste Spieler jedoch mit dem Finanzpaket weiter, kann er auch weitere Wertpapiere an dieses anlegen, sodass große Finanzpakete mit bis zu einer Billion in Wertpapieren entstehen können. Somit kann man bei einer größeren Spieleranzahl leicht den Überblick verlieren, wie oft die Spieler schon dran waren. Dazu könnte man pro Durchgang jeweils eine Münze bzw. Spielmarke bei dem Anfangsspieler zur Orientierung platzieren.

Wenn die Spieler sich jedoch immer wieder gegenseitig anzweifeln, sodass nur kleine Finanzpakete entstehen, greift der Charme des Spiels nicht komplett auf die Spieler über und das Spiel kann unter Umständen sehr langatmig werden. Um dem vorzubeugen, kann jede Rolle in dieser ersten Phase jeweils einmal ein Privileg einsetzen. Die Bank kann beispielsweise einfach das unberührte Finanzpaket an den nächsten Spieler weiterleiten.

In der zweiten Phase wird das Rating für alle Spieler anhand von bestimmten Kriterien neu bestimmt. Diese beruhen wiederum auch auf realen Wirtschaftsbeispielen, wie die höchste Neuverschuldung oder die unsichtbare Hand, bei der der abzuwertende Spieler ausgewürfelt wird. Ab einem bestimmten Rating verliert man jedoch seine Privilegien und bekommt mehr Schuldscheine als Wertpapiere, wodurch man in den Augen der Mitspieler unglaubwürdiger wird.

Jedoch können in der letzten Phase noch besondere Rechte genutzt werden, welche nur einmal im gesamten Spiel anwendbar sind. Beispielsweise kann die Bank einfach die Hälfte der angesammelten permanenten Schulden abwerfen oder der Staat auf jeden Mitspieler kleinere Schulden abwälzen.

Je weiter man im Rating fällt, desto unterhaltsamer kann es für einen werden, wenn man gedeckte Finanzpakete auslegt. Denn durch das niedrigere Rating und das damit verbundene mangelnde Vertrauen der Mitspieler, werden die Finanzpakete öfter geprüft. Dadurch können die Prüfer selbst mehr permanente Schulden bekommen und sinken dann unter Umständen im Rating.

Leider ist die Spielanleitung zu dem Spiel zu komplex geschrieben und man hat Mühe, alles inklusive Zusatzbemerkungen auf Anhieb zu verstehen. Besser wäre eine in sich strukturierte Übersicht (wie hier: http://www.trust-spiel.de/2_b_trust.html ) oder zusätzlich noch im Anhang eine Erklärung der speziellen Spielbegriffe.

Während des Spielens bemerkt man den leichten Einfluss von schwarzem Humor, wenn auf Konzerne ab und an Schulden abgewälzt werden oder wenn sich Schulden bei Banken in Luft auflösen. Um spielerisch und leicht das Wirtschaftssystem zur Finanzkrise zu verstehen oder um einfach ein frisches neues Spielerlebnis zu erhalten, eignet sich dieses Spiel hervorragend. Es ist sehr gut durchdacht und kam sehr gut bei Spielern zwischen 22 – 30 an.

  • Trust, ein Spiel für 3 bis 6 Spieler im Alter von 12 bis 100 Jahren.
  • Autor: Thomas Müller, Ralf Krause
  • heptagon-Verlag
  • hier erhältlich

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1 Kommentar

  1. NAC eye drops am

    Dadurch, dass die Banken zunächst einmal ihre Ausfälle über die Vertrauensschadensdeckung – einer Versicherungsform, die Ausfälle durch Beratungsfehler der Mitarbeiter deckt – ausgleichen, geraten dadurch auch die Versicherungen in den Sog der Weltwirtschafts- und Finanzkrise, da diese niemals mit einer derartigen massenhaften Versicherungsinanspruchnahme gerechnet haben. So kommt eine Pleite zur anderen und die Politiker sehen hilflos wie immer zu. Sehen zu und warten, dass ihre hochfinanziellen Puppenspieler an den Marionettenstrippen ziehen.

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