Assassin’s Creed: Revelations
veröffentlicht in: Konsolenspieleam 27.11.2011
Wohin hat die Assassin’s Creed-Reihe den Spieler nicht schon getragen: Zum Zeitpunkt der Kreuzzüge durch Jerusalem, Damaskus und Akkon mit dem Meuchelmörder Altair, in Florenz, Rom und Venedig mit Ezio Auditore zu Zeiten Leonardo da Vincis und nicht zuletzt in die nahe Zukunft mit Desmond Miles. Assassin’s Creed: Revelations als letztem Teil der Ezio-Trilogie soll nun (vorerst) den krönenden Abschluss bilden und verbindet Altairs, Ezios und Desmonds Geschichte miteinander, lässt den Spieler in alle drei Charaktere schlüpfen und entführt in einen Schmelztiegel aus europäischer und orientalischer Historie: Konstantinopel.
Für Spieler, die mit Revelations das erste Mal ein Assassin’s Creed spielen, ist der Beginn wohl ein Sprung ins kalte Wasser, denn wer den Inhalt der ersten Spiele nicht kennt, dürfte sehr verwirrt dreinschauen, als Desmond Miles im Animus aufwacht. Der Animus, so etwas wie ein Computer, befähigt Menschen dazu, Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit nachzuerleben. Desmond Miles konnte nun also in den ersten Teilen Erinnerungen seiner Vorfahren Altair im Mittelalter und Ezio in der Renaissance nacherleben und kam dabei einer machtgierigen Gruppe auf die Spur: den Templern.

Gegen diese kämpfte Altair, gegen deren Verbündete bzw. Nachfahren, die Borgias, kämpfte Ezio und Desmond Miles gegen die immer noch existierenden Templer der Firma Abstergo, die bezeichnenderweise den Animus erschaffen hatte, um einem großen Rätsel auf den Grund zu gehen, dessen Schlüssel Desmond mitsamt seinen Meuchelmörder-Vorfahren ist.
Desmond erwacht also im Animus, er ist praktisch gefangen, da er schon zu oft in den Erinnerungen von Altair und Ezio Abenteuer erlebt hat. Ausbrechen und sich selbst retten kann er nur, wenn er die Schicksale seiner Vorfahren und seiner selbst verbindet, also noch versteckte Erinnerungen noch einmal erlebt. Schon zu Beginn des Spiels wird klar, was Ziel der Reise sein soll: Schlüssel die, versteckt in Konstantinopel, in Altairs Bibliothek führen und dort den ewigen Kampf zwischen Assassinen und Meuchelmördern irgendwie zu Ende bringen sollen.
In genau dieser Ungewissheit und Rätselhaftigkeit liegt der Reiz der Geschichte: Herauszufinden, wie die drei Hauptfiguren miteinander verbunden sind und ob sie letztendlich siegen, ist unglaublich spannend und fesselt das ganze Spiel über ungemein.

Allein durch die Möglichkeit, in Altair, Ezio und Desmond zu schlüpfen und sich immer unterschiedlichen Aufgaben und Herausforderungen stellen zu müssen, ist Revelations äußerst abwechslungsreich. Auch weil es einige Neuerungen im Vergleich zu den Vorgängern gibt. Zum klassischen Waffenarsenal der Reihe, wie Schwerter, Dolch, Wurfmesser, Giftpfeile, Rauchbomben und der Assassinenklinge, gibt es nun eine veränderte „Hakenklinge“, mit der man sich zum einen an Vorsprüngen und Wänden festhalten kann, aber auch über Gegner hinweg drehen kann. Auch neu ist die Möglichkeit, sich aus verschiedenen Materialen Bomben selbst zu bauen.
Abwechslung bieten außerdem die Nutzung von Ezios Fallschirm, das Sammeln von Fragmenten, die überall in der Stadt verteilt sind, oder Verfolgungsjagden mit Pferdekutschen.

Durch Diebstahl, Nebenmissionen oder die Verfolgung von gegnerischen Boten kann mit dem erlangten Geld außerdem jede Waffe und jedes Kleidungsstück verbessert oder verändert werden. Auch die Ausbildung neuer Assassinen gehört nun neben den Hauptmissionen zum Aufgabenbereich des Spielers. Kauft der Spieler außerdem neue Stützpunkte (auch das ist möglich!) für die Brüderschaft, können die neuen Assassinen gleich eingesetzt werden.
Kerngeschäft und Hauptaufgabe eines Assassinen bleibt aber die möglichst unerkannte zielgerichtete Ausschaltung machtvoller Templer.

Verhält man sich aber auffällig, stiehlt offensichtlich oder meuchelt vor unschuldigen Bürgern, werden die byzantinischen Wachen (als Verbündete der Templer) aufmerksam, jagen oder greifen gar die Assassinen-Häuser an. Es ist auch dieser ständige Wechsel von Angriff- und Versteckspiel, der den Reiz von Revelations ausmacht.
Für viele Stunden fasziniert aber allein die Kulisse Konstantinopels. Es macht schlicht ungeheuren Spaß, durch die Gassen zu gehen und über die Dächer der Stadt zu springen. Belebte Märkte, wunderschöne Gärten, glänzende Türme, unterschiedlichste Stadtviertel: Alles wirkt unglaublich authentisch und in welchem anderen Spiel kann man schon auf die Spitze der Hagia Sofia kraxeln und über das Konstantinopel des 16. Jahrhunderts blicken?
Grafisch gehörte die Assassin’s Creed-Reihe schon immer zur Oberliga der Konsolenspiele und auch der neueste Ableger macht da keinen Unterschied. Den Hauptfiguren und dabei vor allem Desmond und Altair sieht man die vergangenen Jahre seit dem letzten Teil deutlich an, aber auch Nebencharaktere und einfache Einwohner von Konstantinopel sind aufwendig modelliert und absolut realistisch.
Auch die Stadt ist noch einmal hier und da verbessert und holt alles aus der aktuellen Konsolengeneration heraus. Wer Revelations sieht, dem bleiben nur noch wenige Wünsche offen, denn mehr vermag Spielegrafik derzeit nicht zu leisten. Alles ist bunt und pulsiert in Byzanz, was das neueste Assassinen-Abenteuer atmosphärisch werden lässt, wie es nur wenige andere Titel sind.

Die Steuerung bietet keinerlei Neuerungen, war sie doch eigentlich schon mit dem zweiten Teil absolut gelungen. Kleine Ungenauigkeiten verzeiht das Spiel und lässt sich im Allgemeinen absolut flüssig bedienen. Nur wenig Einarbeitungszeit ist auch für absolute Neulinge nötig, um gekonnt über Konstantinopels Dächer zu springen, vor Wachen zu fliehen und gegen eine Schar von Templern zu kämpfen.
Fazit
Assassin’s Creed: Revelations kann die Geschichte Ezios würdig abschließen und macht Freude auf einen dem Namen nach „richtigen“ dritten Teil. Detailverbesserungen bei Grafik, Ausrüstung, Stichwort Hakenklinge, und Spielmechanik (wie der Bombenbau) bereichern die Spielerfahrung zusätzlich. Auch erzählerisch fesselt das Spiel ungemein und gipfelt in einem spektakulären Finale. Schlagendes Kaufargument ist aber der Handlungsort selbst: Konstantinopel mit all seinen Sehenswürdigkeiten in voller Pracht zu erleben und zu erkunden, macht ungeheuren Spaß und Revelations in jedem Falle zum besten Assasin’s Creed und vielleicht zu einem der besten Spiele des Jahres.
Daten
- Publisher: Ubisoft
- Entwickler: Ubisoft Montreal
- Genre: Action
- Plattform: PS3, Xbox 360, PC
- Releasedatum: bereits erschienen
- Spieler: 1, online 4-8
- USK: ab 16 Jahren freigegeben.


