Need for Speed: The Run
veröffentlicht in: Konsolenspieleam 04.12.2011
In aller Regelmäßigkeit erscheinen neue Need for Speed-Spiele für die Konsolen und den PC. Früher war die Reihe noch ein Paradies für Tuning-Fans, die sich durch illegale Rennen und auf der Flucht vor der Polizei Geld verdienen konnten, das dann für allerlei Veränderungsmöglichkeiten an den Autos ausgegeben wurde und man so dem eigenen Traumfuhrpark näher kam. Mit den „Shift“-Ablegern veränderte sich dies, nach nur mäßigen Kritiken, stark: Die Reihe wurde „erwachsen“ und war mehr denn je auf Realismus bedacht, konnte aber dem Branchenprimus „Forza“ nicht das Wasser reichen. In welche Richtung bringt aber nun der neueste Teil „Need for Speed: The Run“ die Reihe? Das Konzept klingt schon einmal vielversprechend: Eine actionreiche Fahrt quer durch die USA!
Die Story des neuen Need for Speed ist wie bei jedem Rennspiel recht schnell erzählt. Die Hauptfigur Jack steckt in großen Schwierigkeiten: Er schuldet ein paar zwielichtigen Typen Geld und die wollen es sich mit aller Gewalt und allen Mitteln wiederholen. Da bietet sich Jack eine tolle Möglichkeit in Form eines illegalen Straßenrennens quer durch die USA, von San Francisco nach New York, mit einem Preisgeld von 25 Millionen Dollar.

Damit wären nicht nur die Schulden getilgt sondern auch noch allerlei Investitionen in Jacks Passion schnelle Autos drin, der „Held“ ist nämlich selbst Rennfahrer gewesen. In der Haut desselben muss man die Route also schnellstmöglich absolvieren und so viel sei verraten, lange dauert das nicht! Die Story bleibt das gesamte Spiel über nur Rahmen für die Rennen, packend oder mitreißend ist sie nicht, dazu wird sie viel zu beiläufig behandelt.
Auf dem Weg durch die USA gilt es, immer wiederkehrende Herausforderungen zu bestehen: Mal müssen in einem bestimmten Streckenabschnitt eine festgelegte Anzahl an Gegnern überholt werden oder in einer vorgegebenen Zeit Kontrollpunkte abgefahren werden. Derartige Events kennt man aus früheren Ablegern der Reihe, neue Impulse oder Kreationen kann Need for Speed: The Run aber nicht setzen. Durch gute Überholmanöver, Drifts und sauberes Fahren können Erfahrungspunkte gesammelt werden, die helfen, in der Fahrerstufe aufzusteigen, einen wirklichen Vorteil kann man daraus aber nicht ziehen.

Auch überraschend ist, dass dem Spieler von Beginn an getunte und schnelle Autos zur Verfügung stehen, vorbei also die Zeit, als es nicht nur galt, bester Fahrer zu werden, sondern man erst im Verlauf des Spiels an bessere Wagen kam und an diesen fast alles ändern konnte.
Die Möglichkeiten zur eigenen Gestaltung des Fuhrparks bleiben bei The Run – ebenso untypisch für die Serie – relativ gering. Auch die kleinen Reaktionstests in den ohnehin seltenen Zwischensequenzen können nicht für Abwechslung sorgen, sondern wirken vielmehr deplatziert. Verschärft wird der geringe Umfang noch durch eine viel zu kurze Spielzeit: In nicht einmal drei Stunden hat man mit Jack eine Reise quer durch die USA unternommen, ist also bereits der Karrieremodus zu Ende.
Da des Weiteren nur wenige weitere Offline-Modi, die meist nur Elemente der Karriere wiederholen, und auch der Onlinemodus nur mit den üblichen Standardmodi aufwarten, ist der Umfang das große Problem von Need for Speed: The Run. Weder in Spielzeit, an Gestaltungsmöglichkeiten, noch an Modi-Anzahl kann das Spiel überzeugen.

Einzig die Rennorte können für zumindest optische Abwechslung sorgen. Angefangen von San Francisco, in den Yosemite Nationalpark, durch die Rockie Mountains und die Prärie und viele weitere sehenswerte Teile Amerikas ist der Trip durchaus gelungen. Die Kulisse kann dank kräftiger Farben und kleinen Effekten wie Sand- und Schneestürmen überzeugen, nicht aber die Autos selbst. Technisch ist bei aktuellen Konsolen, das zeigt mustergültig die Forza-Reihe, wesentlich mehr möglich, als es The Run bietet. Zu wenig Details bieten die Rennautos, was in Verbindung mit der überzeugenden Landschaft dann eben doch nur grafisches Mittelmaß ergibt.
Unterlegt wird dies von einem unauffälligen aber passenden Musikmix, der vor allem Rocktitel enthält. Bei der Steuerung wird besonders deutlich, dass die Entwickler wieder einen Schritt weg von einer Simulation hin zum Arcade-Racer für jedermann gegangen sind. Eingängig und direkt ist sie in jedem Fall, getrübt wird dies allerdings dadurch, dass sich das Wetter und die unterschiedlichen Autos nur sehr wenig auf diese auswirken.

Fazit
Need for Speed: The Run bietet ein spannendes Konzept: Ein Rennen durch die USA mit schnellen Autos klingt verlockend, dass die Story relativ beliebig wirkt, stört kaum, dies ist schließlich die Regel in den meisten Rennspielen. Doch leider ist auch aus dem „Rest“ nicht viel geworden. Viel zu geringe Spielzeit (keine drei Stunden!), wenig Modi, nahezu keine Tuningmöglichkeiten mehr und grafisches Mittelmaß lassen den Spaß nicht nur schnell wieder enden, sondern gar nicht erst groß aufkommen.
Daten
- Publisher: Electronic Arts
- Entwickler: Electronic Arts Kanada
- Genre: Rennspiel
- Plattform: PS3, Xbox 360, PC
- Releasedatum: bereits erschienen
- Spieler: 1, online 4-8
- USK: ab 12 Jahren freigegeben.


