Kinder in sozialen Netzwerken
veröffentlicht in: Internetam 25.10.2011
Ein Interview mit dem Panfu- und Oloko-Gründer Moritz Höhl
Das Internet gehört zum Leben dazu! Diese Einsicht setzt sich immer mehr in den Köpfen der Menschen durch. Egal, ob man eine Reise buchen möchte, den Stromanbieter wechseln oder mit einem ausgewanderten Studienkollegen telefonieren möchte. Vor der Omnipräsenz des World Wide Web und den Möglichkeiten Social Networks gibt es kaum noch Fluchtmöglichkeiten. Allein durch die Entwicklung der Smartphones und der beinahe flächendeckenden Nutzung von Flatrates ist es nahezu unmöglich, offline zu sein. Medienkompetenz wird dadurch zu einer nahezu unverzichtbaren Qualifikation in Beruf, Schule und Freizeit.
Die Altersgruppe der 6- bis 10-Jährigen ist von dieser Entwicklung in ganz besonderer Weise betroffen. Sie ist die erste, die mit der beinahe flächendeckenden Verfügbarkeit und der Intensivnutzung des Mediums aufwächst. Die Fähigkeit, mit PC, Smartphone und Internet umzugehen, wird für diese Generation ebenso selbstverständlich wie lebenswichtig sein. Nicht zuletzt deshalb boomen PC-Kurse in Kindergärten oder Grundschulen, mal abgesehen davon, dass es immer mehr Web-Angebote für die jungen Internetneulinge gibt. Die Altersgruppe schuf einen völlig neuen Markt: Sicher sollen die Angebote sein, möglichst lehrreich und natürlich unterhaltsam. Panfu und Oloko sind zwei Plattformen, die von dieser Entwicklung profitierten. Verantwortlich für diese Internetangebote ist die Young Internet GmbH. Geschäftsführer und Gründer Moritz Höhl sprach mit uns über die beiden Webportale für Kinder.
Ratgeberspiel: Was genau sind Panfu und Oloko?
Moritz Höhl: Panfu und Oloko sind MMOs (Anm. d. Red.: Internetspiele mit einer großen Anzahl an Mitspielern). Während Panfu sich eher an die Gruppe der 6- bis 10-Jährigen richtet, sind für Oloko die 8- bis 12-Jährige die maßgebliche Zielgruppe.
Ratgeberspiel: Was sind die Gemeinsamkeiten und was die Unterschiede der beiden Angebote?
Moritz Höhl: Beides sind soziale Welten, bei denen sich der Spieler mittels eines Avatars durch die Spielwelt bewegt. Im Fall von Panfu handelt es sich bei dem Avatar um einen Panda, bei Oloko gibt es verschiedene Tiere zur Auswahl. Der Spieler kann beide Spielwelten nutzen, um mit anderen Mitspielern in Kontakt zu treten, zu chatten, Abenteuer zu erleben und Minigames zu spielen. Der Unterschied liegt zum Beispiel darin, dass Oloko eher auf ein Ziel ausgerichtet ist, während sich Panfu etwas freier, losgelöster spielen lässt. Oloko ist strategischer, Panfu ist eher ein Ort, wo man sich aufhält, mit Leuten trifft und mit diesen “abhängt”.
Ratgeberspiel: Was zeichnet Ihre Angebote in Abgrenzung von anderen prominenten Kinder-Webportalen wie toggo oder toggolino aus?
Moritz Höhl: Bei uns spielt die soziale Komponente eine wesentlich Rolle. Im Vergleich zu unserem Angebot wird oftmals der Schwerpunkt auf Spiele gelegt, die man als Einzelperson absolvieren kann. Panfu und Oloko hingegen sind darauf angelegt, mit Gleichaltrigen in Kontakt zu treten, zu chatten und gemeinsam zu spielen.
Ratgeberspiel: Welche Rolle spielen didaktische Inhalte?
Moritz Höhl: Sowohl bei Panfu als auch bei Oloko steht in erster Linie der Spielspaß im Vordergrund. Um das zu gewährleisten, setzten wir Filter und Moderatoren ein, die sich bei Bedarf auch in dem Teilnehmerchat zuschalten können und diesen überwachen. Wir bringen den Kindern von Anfang an bei, wie man sich in virtuellen Welten und sozialen Netzwerken verhält. Das betrifft zum Beispiel den sensiblen Umgang mit persönlichen Daten, wie Adressen, Telefonnummern und Ähnliches. Darüber hinaus gibt es aber auch didaktische Elemente. Aber letztendlich geht es uns vor allem um das Miteinander, also darum, Miteinander in einer sicheren Umgebung zu spielen.
Ratgeberspiel: Das Stichwort “Sicherheit” haben Sie gerade angesprochen. Wie wird diese eigentlich gewährleistet? Verfügen die Moderatoren über eine spezielle Ausbildung?
Moritz Höhl: Die Moderatoren werden durch uns angelernt. Sie bekommen unter anderem Anleitungen und Richtlinien vorgegeben, wie sie sich in bestimmten Situationen zu verhalten haben. Ziel ist – wie gesagt – den Nutzern bei Bedarf Grenzen aufzuzeigen und zu sensibilisieren. Deshalb sind bei Verstößen auch Verwarnungen und zeitlich begrenzte Sperren möglich.
Ratgeberspiel: Wie bringen Sie den Kindern – mal abgesehen davon, dass sie gegebenenfalls Verwarnungen aussprechen oder einen Account sperren lassen – den “richtigen” Umgang bei?
Moritz Höhl: Die Kinder realisieren den korrekten Umgang zum einen in der praktischen Anwendung, zum anderen nutzen wir natürlich auch das spielerische Element, um die jungen Nutzer zu sensibilisieren. Zum Beispiel gibt es ein Quiz, wo die Internetneulinge Fragen zum richtigen Umgang beantworten können. Sollte es mal zu einem Verstoß kommen, werden die Kinder nicht nur darüber informiert, dass sie eine Verwarnung bekommen haben, sondern es wird ihnen auch erklärt, warum und wie sie solche Vorfälle vermeiden.
Ratgeberspiel: Inwiefern werden eigentlich die Eltern bei dieser Medienerziehung einbezogen?
Moritz Höhl: Bisher wurden die Eltern kaum einbezogen, wobei viele Eltern natürlich zusammen mit ihren Kindern unser Angebot nutzen. Wir planen jedoch eine Neuerung in diesem Bereich. Eltern sollen zukünftig, in regelmäßigen Abständen, über das Nutzerverhalten ihrer Kinder aufgeklärt werden. Beispielsweise soll darüber informiert werden, wie lange das Kind gespielt hat, welche Abenteuer es bestanden hat oder welche Fortschritte es machte. Auch ist geplant – bei Bedarf – Handlungsempfehlungen auszusprechen, beispielsweise wenn der Spielkonsum sehr hoch ist.
Ratgeberspiel: Wie werden Oloko und Panfu von der Zielgruppe angenommen?
Moritz Höhl: Monatlich spielen ca. 1 Millionen Kinder auf beiden Portalen, der Durchschnittsnutzer loggt sich ungefähr 10 Mal ein. Das Angebot beschränkt sich übrigens nicht nur auf ein deutschsprachiges Publikum, sondern es stehen 10 verschiedene Sprachen zur Auswahl.
Ratgeberspiel: Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, derartige Webportale für Kinder zu schaffen?
Moritz Höhl: Mein Mitgründer hatte sich damals über entsprechende Internetangebote für seine Kinder informiert. Was er fand, waren meistens Portale, die Singleplayer-Spiele angeboten haben, Möglichkeiten der sozialen Interaktion blieben meistens außen vor. Da es im amerikanischen und asiatischen Raum bereits das Konzept der Kinder-MMOs gab und dieses durchaus Erfolg hatte, dachten wir, es wäre eine gute Idee, dieses auch nach Europa zu bringen.
Ratgeberspiel: Hatten Sie bereits im Vorfeld Erfahrungen mit einem derartigen Geschäftsfeld?
Moritz Höhl: Ich habe zwar von klein auf PC-Spiele gespielt, zum Beispiel Super Mario oder Monkey Island, aber direkt Erfahrungen mit diesem Bereich hatte ich nicht. Direkt nach meinem BWL-Studium wurde dann dieses Projekt gestartet, insofern ist dieses Betätigungsfeld neu für mich gewesen. Wir haben deshalb auch Leute eingestellt, die bereits Erfahrungen damit hatten.
Ratgeberspiel: Werden bei der Spielentwicklung auch Medienpädagogen eingesetzt?
Moritz Höhl: Nein, allerdings werden natürlich auch Eltern und Kinder in die Entwicklung der Spiele mit einbezogen. Allerdings wird es eine Kooperation mit dem Lernspielverlag Tivola geben, die natürlich über ein entsprechendes Know-How verfügen. Geplant ist, mit Hilfe unseres neuen Partners, über 100 Lerneinheiten in Panfu zu integrieren und unseren Nutzern einen entsprechenden Zugang zu diesen Modulen zu verschaffen.
Ratgeberspiel: Noch eine abschließende Frage: Welche Neuerungen sind – neben der Eltern-Infomail und der Kooperation mit Tivola – in den nächsten Monaten geplant?
Moritz Höhl: Es sind mehrere Neuerungen in Planung. Eine wesentliche Neuerung wird sein, dass wir unsere Produktpalette auch für Kleinkinder zugänglich machen werden. Wir möchten zukünftig auch die Altersgruppe von 2 bis 6 Jahren ansprechen. Das Produkt wird deshalb insbesondere für den Tablet-Bereich konzipiert werden, die Bedienung ist einfacher und intuitiver – also ideal für die Zielgruppe. Es wird sich dann aber weniger um Spiele handeln, die Angebote werden eher den Charakter von interaktiven Büchern haben. Die Wissensvermittlung wird dabei deutlich mehr in den Vordergrund rücken als bei Panfu oder Oloko. Weiterhin planen wir, Teile unserer Angebote für Smartphones und vor allem für das I-Phone nutzbar zu machen.
Ratgeberspiel: Vielen Dank für das Interview.

