Reduziertes Risiko

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Microsoft hat in Zusammenarbeit mit Jugendschutz.net, der FSM (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter) und der Johanniter Unfallhilfe e.V. den ersten Messenger entwickelt, der speziell auf die Bedürfnisse von Kindern zwischen acht und zwölf Jahren zugeschnitten ist. Die Messenger-Software wird zum „Safer Internet Day“ ab dem 10. Februar 2009 kostenlos online erhältlich sein und dank cleverer Optionen und klarem Design Eltern und Erziehungsberechtigte wirksam unterstützen.

So wie Generationen zuvor mit Radio oder Fernsehen, wachsen Kinder heute mit Computern und dem Internet auf. Ganz selbstverständlich nutzen sie von jungen Jahren an die unzähligen Online-Angebote – seien es Spiele, Filme, digitaler Lesestoff oder Chats. Dabei wird gerade die Kommunikation mit den Altersgenossen immer wichtiger.

Die JIM 2008 Mediennutzungsstudie, durchgeführt vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest, belegt, dass bereits 96 Prozent aller deutschen Jugendlichen zu Hause über einen Internetzugang verfügen. Auch Instant Messenger – so die Expertise – werden immer populärer. Sie werden heute schon von über 70 Prozent der Jugendlichen ab 12 Jahren täglich oder mehrmals wöchentlich genutzt, zum Teil sogar als Ersatz für E-Mails. „Die Risiken für Kinder und Jugendliche, mit gefährlichen oder beeinträchtigenden Inhalten konfrontiert oder belästigt zu werden, sind im Internet wesentlich größer als in den traditionellen Medien“, warnt Friedemann Schindler von jugendschutz.net.

Online trifft sich der Nachwuchs in offenen Chaträumen, Social Networks, oder er nutzt eines der vielen Messenger-Programme wie ICQ, MSN, YIM oder AIM, die nicht nur aufgrund ihrer Namen bei vielen Eltern Ratlosigkeit erzeugen. Während Erziehungsberechtigte dank offizieller Altersklassifizierungen, Positivlisten von Jugendschutzeinrichtungen und umfangreicher Sicherheitsoptionen in Browsern und Betriebssystemen auf einen altersgerechten Konsum von Online-Inhalten hinwirken können, waren sie beim Thema Messenger bislang nicht ausreichend betreut – insbesondere dann, wenn der Nachwuchs zum ersten Mal in Kontakt mit dem Internet kommt.

Keines der bisherigen Messenger-Programme bietet Kindern Schutz vor Missbrauch, es sind offene Systeme, über die böswillige Zeitgenossen Kontakt mit ihnen herstellen oder – durch Tricks wie dem Versenden mit Schadcode infizierter Dateien oder gefährlicher Links – Zugriff auf den Computer erhalten können.

Für Microsoft hat die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen einen hohen Stellenwert, die kostenlos in Windows Live (Family Safety), Windows Vista oder Xbox 360 enthaltenen Jugendschutzfunktionen sind Beweis dafür. Microsoft ist mit dem Windows Live Messenger in Deutschland, neben ICQ und Yahoo, einer der führenden und reichweitenstärksten Anbieter von Messenger-Produkten.

„Nachdem der Instant Messenger in den letzten Jahren bei Jugendlichen zu einem der beliebtesten Kommunikationstools geworden ist, das auch immer mehr Kinder für sich entdecken, möchte Microsoft mit kompetenten Kooperationspartnern Eltern die Möglichkeit geben, ihre Kinder sorgenfrei, da sicherer, an diese Kommunikationsform heranführen zu können“, so Frank Maenz, Produkt Manager Windows Live/Messenger bei Microsoft Deutschland.

Langjährige Recherchen der Organisation jugendschutz.net haben gezeigt, dass bisher alle populären Messenger ein hohes Belästigungsrisiko für Kinder und Jugendliche bergen, was sich vor allem mit der an erfahrenen Mediennutzern ausgerichteten Vorkonfiguration der Dienste begründen lässt. „Durch aktives Ändern, das heißt Hochsetzen der Sicherheitseinstellungen, können Risiken hier erheblich reduziert werden. Da Kinder und Jugendliche das aber selten tun, ist ein sicher konfigurierter Kindermessenger ein großer Fortschritt für den Jugendschutz in Kommunikationsdiensten“, so Katja Knierim, Projektleiterin Chats & Communities bei jugendschutz.net.

Ein kindgerechtes Look&Feel macht die Benutzung des Messengers zum spielerischen Vergnügen. Statt Werbung, wie sie rund um gewöhnliche Messenger-Programme angeboten wird, bekommen die jungen Nutzer aktuelle kindgerechte Spiele- und Surftipps präsentiert und können in einem eigenen Surfraum für Kinder sicher das Internet erkunden. „Durch medienpädagogische Zusatzangebote, die wichtige Tipps auch für Eltern zum Thema `Sicher chatten´ vermitteln, wird Kindern für einen kompetenten Umgang mit Messengern der Rücken gestärkt“, erläutert Sabine Frank, Geschäftsführerin der FSM.

Der Registrierungsprozess für den Messenger funktioniert nur mit Einverständnis der Eltern – so ist eine Kontrolle über das persönliche Profil und die Kontaktliste des jungen Nutzers automatisch gegeben. Eltern entscheiden also, mit welchen Freunden ihr Kind im Kindermessenger chatten darf. Das Profil des Kindes selbst zeichnet sich durch Datensparsamkeit aus – das Veröffentlichen persönlicher Daten oder Fotos (wie bei anderen Messengern Usus) unterbleibt.

Sollte es bei einem Chat wirklich einmal zu problematischen Situationen kommen, führt eine integrierte Schnittstelle im Kindermessenger direkt zu einer Beratungshotline der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., die schon seit längerer Zeit eine Online-Beratung über Messenger (www.juh-bb.de/helpmessenger) anbietet. „Wir sind mit unserem Beratungsangebot durch die Integration in den Kindermessenger direkt beim Anwender. Bei uns können die Kinder ihre Probleme schildern und erhalten erste Lösungsansätze, die für sie praktikabel in die Tat umsetzbar sind. Selbstverständlich findet die Beratung anonym durch geschultes Personal statt“, so Roland Schirmer, Leiter Projektmanagement der Berliner Johanniter.

Dank Kindermessenger erlernen Kinder den Umgang mit dem Medium Internet in einer sicheren, altersgerechten Umgebung. Die Absicherung des Chats geschieht technisch und im Vorfeld der Benutzung – alles in allem ideale Bedingungen, um die heutzutage so wichtige Medienkompetenz schon in jungen Jahren zu erwerben.

Interview mit Katja Knierim, Projektleiterin Chats & Communities bei jugendschutz.net

Warum ist es wichtig, sich über Messenger für Kinder Gedanken zu machen?

Instant Messenger haben den Webchats inzwischen den Rang abgelaufen und werden vielfach auch als Ersatz für E-Mails genutzt. Besonders für Jugendliche und für immer mehr Kinder stellen sie ein selbstverständliches Kommunikationsmittel dar. Die JIM-Studie 2008 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest belegt die immense Popularität der Instant Messenger: über 70% der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren nutzen sie täglich oder mehrmals wöchentlich.

Wo liegen die generellen Gefahren beim Messenger?

Es besteht insbesondere die Gefahr problematischer oder gefährlicher Kontakte. Instant Messenger können beispielsweise missbraucht werden, Kinder und Jugendliche sexuell zu belästigen, zu beleidigen, zu bedrohen oder zu diffamieren. Über Messenger können verletzende Fotos und Videos verschickt oder diskriminierende Webcam-Aufzeichnungen übertragen werden – häufig handelt es sich dabei um pornografische Darstellungen.

Pädokriminelle Täter nutzen Messenger aber auch, um sexuellen Missbrauch anzubahnen. Sie durchsuchen dazu die Profile von Messenger-Nutzern gezielt nach minderjährigen Opfern. Da die Messenger-Kommunikation in der Regel unmoderiert und unkontrolliert verläuft, gibt es keinen Erwachsenen, der im Notfall eingreifen könnte – Kindern und Jugendlichen bleibt häufig nur der Selbstschutz.

Was hält Jugendschutz.net für unabdingbar in einem Kindermessenger?

Seit 2003 recherchiert jugendschutz.net Chat-Risiken. Zu diesem Zeitpunkt haben die Bundesänder den Jugendschutz in kommunikativen Diensten neu geregelt und auch gefordert, sichere Surf- und Kommunikationsräume für Kinder zu entwickeln. Auf dieser Grundlage und als Ergebnis seiner Recherchen hat jugendschutz.net folgende Anforderungen für sichere Messenger erarbeitet.

Elementar ist die sichere Vorkonfiguration: Nur das Chatten mit Freunden soll möglich, Dateiversand bzw. Webcam-Übertragungen müssen ausgeschaltet sein. Grundlegend ist auch die Datensparsamkeit. Es darf keine Abfrage bzw. Veröffentlichung persönlicher Daten von Kindern (z.B. vollständiger Name, Adresse, Wohnort, Schule, sonstige Kontaktdaten) möglich oder nötig sein. Eine „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist wichtig, wie etwa leicht bedienbare Ignorierfunktionen, um lästige Chat-Partner ausblenden zu können, ebenso wie kindgerechte Aufklärung über Chat-Risiken sowie sicheres Verhalten im Internet.

Wichtig ist auch die Unterstützung im Notfall, d.h. ein überall verfügbarer Notruf-Button, damit Kinder Hilfe und Betreuung durch Erwachsene erbitten können. Hier können Eltern informiert werden, aber auch die Betreiber des Kommunikationsdienstes müssen Ansprechpartner zur Verfügung stellen, die qualifiziert und zeitnah auf Hilferufe von Kindern reagieren. Es sollte die Möglichkeiten zur Speicherung des Messenger-Dialogs geben, um Beweise sichern zu können. Eine andere Voraussetzung ist die kindgeeignete Chat-Umgebung.

Es dürfen keine Links auftauchen, die Kinder auf ungeeignete Seiten führen (z.B. Dating-Angebote). Ebenso sollten statt Überfrachten mit Werbung, kindgeeignete Surftipps und Suchmöglichkeiten (z.B. Klick-Tipps von jugendschutz.net oder FragFinn der FSM) angeboten werden. Letztendlich ist ein ansprechendes Design wichtig, das die Übersichtlichkeit gewährleistet, aber trotzdem bunt und individuell gestaltbar für die Kinder ist.

Wie ist generell die Wirkung von Jugendschutz im Netz einzuschätzen?

Die Risiken für Kinder und Jugendliche, mit gefährlichen oder beeinträchtigenden Inhalten konfrontiert oder belästigt zu werden, sind im Internet wesentlich größer als in den traditio­nel­len Medien. Im Vergleich mit anderen Ländern hat in Deutschland der Jugendschutz im Internet aber einen besonderen Stellenwert.

Das zeigt sich beispielsweise an speziellen Gesetzen, Aufsichtsinstanzen oder Initiativen im Rahmen von Selbstverpflichtungen der Anbieter. EU-Vergleiche kommen deshalb auch zum Schluss, dass deutsche Kinder und Jugendliche relativ gut geschützt sind. Um aber ein vergleichbares Schutzniveau wie in den traditionellen Medien zu erreichen, sind weitere und gemeinsame Anstrengungen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft nötig.

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Über den Autor

Redaktionsleitung. Das Magazin Ratgeberspiel wurde von mir 2007 gegründet, um vor allem Eltern über Spiele zu informieren. Im Lauf der Zeit kamen auch andere Unterhaltungsthemen hinzu.

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