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Der Letzte Schöne Tag

„Ich werde fortgehn, Kind. Doch Du sollst leben und heiter sein. In meinem jungen Herzen brannte das goldene Licht. Das hab´ ich Dir gegeben. Und nun verlöschen meine Abendkerzen.

Und war es froh. Mein Herz war so bereit. Und Gott war gut. Nun nimmt er alle Gaben. In Deiner Seele, Kind, kommt einst die Zeit. Soll, was ich nicht erlebt, Erfüllung haben.“ (Auszüge „Letztes Lied“ von Mascha Kaléko)

Alle 45 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das Leben, alle 5 Minuten versucht es einer. Über das Tabuthema Selbsttötung hat die Autorin und Grimme-Preis-Trägerin Dorothee Schön („Frau Böhm Sagt Nein“) ihre eigenen persönlichen Erfahrungen in einem außergewöhnlichen Drehbuch verarbeitet, das von Regisseur Johannes Fabrick einfühlsam umgesetzt wurde.

Der erste schöne Tag im Herbst ist für Lars Langhoff und seine beiden Kinder Maike (13) und Piet (7) für lange Zeit. Die Anästhesistin Sybille Langhoff kann gegen den Wunsch zu sterben nicht länger ankämpfen. Bevor sie sich das Leben nimmt, ruft sie ihren Mann und die Kinder an, um noch einmal ihre Stimmen zu hören.

Doch das können Lars und die Kinder nicht ahnen. Keiner bemerkt etwas, für sie ist es nur ein ganz normales Telefonat.

Später werden sie sich schwere Vorwürfe machen, denn noch am selben Tag begeht Sybille Suizid. Niemand im Umfeld Sybilles hat von ihrer Todessehnsucht gewusst, und so hinterlässt ihr Tod die Familie völlig geschockt und ratlos, und auch Sybilles Abschiedsbrief wirft eher Fragen auf, als dass er sie beantwortet.

Der Fernsehfilm „“ beschreibt überaus sensibel, wie eine Familie am Selbstmord der Mutter verzweifelt und wie die Hinterbliebenen mit Hilflosigkeit, Kummer, Schuldgefühlen, Trauer, oder auch Wut fertig werden müssen. Alltägliche und profane Dinge wie Haushalt, Schule, Job, aber auch der Gang zum Bestattungsunternehmen, das Aussuchen der Grabstelle oder das Aufsetzen der Todesanzeige müssen vom völlig überforderten Familienvater Lars bewältigt werden.

Gleichwohl versucht Lars, gegenüber Familie, Freunden und Kollegen die Fassung zu bewahren. Doch als bei Sybilles Beerdigung Lars‘ Schwester das ergreifende Gedicht „Letztes Lied“ vorträgt, bricht er weinend zusammen und verliert seine verzweifelt aufrecht erhaltene Selbstbeherrschung.

Nichts wird für Lars und die Kinder je mehr so sein, wie es war, jedoch scheint die unbarmherzige Erkenntnis, dass das Leben weiter gehen wird, fast wie ein kleiner Trost.

“ beeindruckt durch seine Wahrhaftigkeit und ohne Pathos und vor allem auch durch das intensive Spiel der wunderbaren Schauspieler Wotan Wilke Möhring (Lars), Mathilda Merkel (Maike) und Nick Julius Schuck (Piet). Es gelingt ihnen auf eindrucksvolle Weise, ihre schwierigen Rollen glaubhaft darzustellen und so den Zuschauer bis ins Innerste zu berühren.

Schon allein deshalb wurde „“ (zu Recht! – Anm. der Verfasserin) für den Grimme-Preis 2013 in der Kategorie „Fiktion/Spezial“ nominiert; Wotan Wilke Möhring (demnächst als „Tatort“-Kommissar zu sehen) wurde zudem für seine herausragende Leistung bereits mit dem Deutschen Fernsehpreis 2012 als „Bester Schauspieler“ ausgezeichnet.

Edel:Motion veröffentlicht nun am 19.04.2013 die DVD dieser mehrfach preisgekrönten WDR-Produktion (u. a. 3sat-Zuschauerpreis, Prix Italia 2012, „Bester Fernsehfilm“ beim Festival de Télevision de Monte Carlo 2012, „Bester Film“ beim spanischen „Premios Ondas“) und erweitert damit die hochwertige TV-Film-Reihe „Ausgezeichnet“, in der bereits großartige Filme wie „Ihr Könnt Euch Niemals Sicher sein“, „Der Fall Gehring“ (m. Oscar-Preisträger Christoph Waltz) oder „Ein Halbes Leben“ (m. Josef Hader) erschienen sind.

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