So kann jeder zum Superhirn werden!

LEGO Spiele Interview mit Gedächtnistrainer Boris Nikolai Konrad

Boris Nikolai Konrad ist mehrfacher Gedächtnis-Weltmeister. Der Neurowissenschaftler beschäftigt sich seit seinem 17. Lebensjahr mit Gedächtnistraining und hat seitdem einige Rekorde gebrochen. Aus langjähriger Erfahrung weiß er, dass so ziemlich jeder, mit der richtigen Technik, seine Gehirnleistung steigern kann. Das hilft nicht nur in der Schule, sondern auch im Spiel.

Beim LEGO Brettspiel „The Hobbit“ beispielsweise müssen sich die Spieler 16 unterschiedliche Verstecke von Zwergen und Hobbits merken. Hier punktet, wer ein gutes Gedächtnis hat. Im LEGO Interview spricht Konrad darüber, was Große von Kleinen lernen können und verrät ein paar Tricks und Kniffe, damit Jung und Alt im Spiel (oder in der Schule/im Beruf) gleichermaßen die Nase vorn haben.

LEGO GmbH: Herr Konrad, was ist Ihr Geheimnis?
Boris Nikolai Konrad: Die Grundlage für jedes Gedächtnismodell ist das bildhafte Denken, d. h. sich Ereignisse, Zahlen oder Dinge in Bildern zu merken. Das machen Kinder ganz automatisch, deshalb haben die Kleinen bei Spielen wie Memory oder „The Hobbit“ (LEGO Spiele) fast immer die Nase vorn. Je älter wir werden, desto weiter schreitet die Entwicklung des Gehirns voran.

Es gibt verschiedene Schübe, etwa in den Altersstufen 5–8 Jahre – da passiert viel im Kopf, es entwickeln sich genauere Strukturen. Danach verändert sich das Gehirn noch einmal markant in der Pubertät: Bildhaftes Denken wird nun mehr und mehr durch logische Konzepte ergänzt. Erwachsene versuchen, Gedächtnisspiele über Logik zu lösen, indem sie das Spielfeld in Felder einteilen à la „den Apfel habe ich auf A3 gesehen“.

Und diese Methode ist weniger erfolgversprechend als Ihre?
Es ist für das Gehirn einfacher, sich die Position einer Spielkarte in Bildern zu merken. Unser Gehirn liebt Bilder. Der Trick ist, sich ein System zu überlegen, nach dem sich eine bildhafte Geschichte erzählen lässt.

Wie könnte das beim Spiel „The Hobbit“ aussehen, bei dem es darum geht, die verschwundenen Zwerge in Hobbiton aufzuspüren?
Die Herausforderung beim LEGO Spiel „The Hobbit“ besteht darin, sich verschiedene Motive wie Zwerge, Hobbits, Symbole etc. zu merken, die in 16 Höhlen versteckt sind. Das Spielfeld ist so aufgeteilt, dass zwölf Höhlen außen und vier innen liegen. Als Gedächtnisbrücke liegt es nahe, sich für die äußeren zwölf Höhlen eine Uhr vorzustellen.

Die Ziffern wandelt man in Bilder um: Die 1 kann zum Beispiel eine Kerze sein, die 2 ein Schwan usw. Liegt nun in der Höhle, die sich auf zwei Uhr befindet, ein Hobbit, so lässt sich ein schönes Bild visualisieren, bei dem der kleine Hobbit auf einem eleganten Schwan durch die Wellen reitet.

Gibt es für dieses Gedächtnismodell einen Namen?
Ja, man nennt es die „Geschichtenmethode“. Das Tolle: Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt – jeder kann sich entsprechend seiner Erfindungsgabe ein einprägsames Bild ausdenken. Bei meinem Beispiel sieht man nun, sobald man an die Höhle auf zwei Uhr denkt, vor dem inneren Auge einen Schwan mit einem Hobbit darauf. Ganz einfach!

Und was macht der Spieler mit den vier innen liegenden Höhlen?
Das könnten beispielsweise die vier Himmelsrichtungen sein: Norden, Osten, Süden, Westen. Befindet sich also in der „südlichsten“ Höhle ein Zwerg, stelle ich mir vor, wie der bärtige Zwerg in seiner Lederkluft unter Palmen in der heißen Südsee schwitzt.

Ein sehr lebendiges Bild, das ich schnell abrufen kann, sobald der Würfel mich zur „südlichsten“ Höhle führt. Das mag im ersten Moment umständlich klingen, ist aber genau die Methode, mit der Gedächtnistrainer arbeiten und mit der ich mehrfacher Weltmeister im Namenmerken geworden bin!

Danke, das waren tolle Tipps, um ein Spiel zu gewinnen. Verraten Sie uns auch, wie Kinder sich in der Schule Dinge besser merken können – zum Beispiel Vokabeln?
Ja, dafür empfehle ich die „Schlüsselwortmethode“. Nehmen wir das Wort chair, englisch für Stuhl. Im Deutschen klingt das Wort Schere sehr ähnlich. Wenn ich mir nun vorstelle, wie ich mit einer Schere in einen Stuhl piekse, ist das eine gute Eselsbrücke. Fällt dem Kind das Wort chair für Stuhl nicht ein, muss es sich nur das Bild abrufen, das es sich für den Stuhl gemerkt hat:

Die pieksende Schere. Von da ist der Schritt zu chair nicht weit. Das funktioniert ebenso für honey – Honig. Im Deutschen klingt Hand ähnlich wie Honey. Stellt das Kind sich nun einen Bär vor, der mit seiner Hand in den Honigtopf greift, wird es auch hier schnell die Herleitung von Hand zu honey machen. Mit etwas Übung geht das ganz leicht und ist für Kinder viel einfacher, als sich das abstrakte Wort „chair“ bzw. „honey“ zu merken.

Das gilt übrigens auch für Erwachsene. Mit Spaß an der Sache und einer spielerischen Herangehensweise stellen sich schnell erstaunliche Erfolge ein. Einfach mal ausprobieren!

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