So spielt die Stadt, so das Land

Deutschland ist Weltmeister im Spielen! Gesellschaftsspiele belegen hier Platz eins der Lieblingstätigkeiten von Familien, so das Ergebnis einer Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der GmbH.

Vor allem Brett- und Strategiespiele haben es uns angetan. In englischsprachigen Ländern bilden die „German Games“ bereits eine eigene Kategorie.

„Allerdings spielen nicht alle Deutschen gleich – ob man auf dem Land oder in der Stadt wohnt, macht beispielsweise einen Unterschied“, weiß Spielpädagoge Lars Thoms. Ganz zu schweigen von den Abweichungen je nach Breitengrad. Diese und andere Spielphänomene hat die GmbH zusammen mit dem Experten unter die Lupe genommen.

„Kommt, wir machen einen Spieleabend!“ Solche Einladungen gibt es eher in der Stadt, behauptet Spielexperte Lars Thoms. Befreundete Cliquen lernen sich im Spiel besser kennen: ihre Eigenarten, Vorlieben, den Humor.

„Interaktive Gesellschaftsspiele wie zum Beispiel Creationary ( Gruppe) fördern die Kommunikation“, stellt Thoms fest. Sie ergänzen das Gespräch auf spielerische Weise, schnell lässt sich erkennen, wie die anderen ticken. Auf dem Land dagegen dominiert das Kartenspiel: „Skat, Doppelkopf, Rommee ­– das sind Spiele, bei denen regelmäßig in festen Konstellationen gespielt wird“, so die Erfahrung des Spielpädagogen.

Dabei geht es in erster Linie um ein entspanntes Beisammensein. Ein Informationsaustausch steht traditionell weniger im Vordergrund: Die Spieler kennen sich seit Jahren und müssen keine großen Worte mehr verlieren.

Familie: der Spielmittelpunkt
Wie kaum woanders kommt in Deutschland die ganze Familie an einen Tisch, um gemeinsam zu spielen –­ egal, ob Karten- oder Brettspiele, auf dem Land oder in der Stadt. Entscheidend ist hier eher der Zeitfaktor. In deutschen  Familien findet sich häufig die Gelegenheit, zusammen zu spielen: Knapp 40 Prozent spielen durchschnittlich ein bis zwei Stunden pro Woche, zeigt eine Studie. „Wir Deutschen sind Weltmeister im Spielen“, so Thoms.

Nicht zuletzt, weil die Intensität der Zeit mit ihren Eltern für Kinder wichtig ist. Gemeinsam ein Spiel zu spielen ermöglicht die ungeteilte Aufmerksamkeit für den Nachwuchs und wird daher von Kindern häufig als qualitativ hochwertige Zeit wahrgenommen. Kein Wunder also, dass „Gesellschaftsspiele spielen“ von 34,7 Prozent der Befragten auf Platz 1 der Familienaktivitäten angegeben wird.

Andere Länder, andere Spielsitten
Im weltweiten Vergleich sind Thoms Besonderheiten aufgefallen: „In fernöstlichen Ländern wie Korea sind die Menschen ganz verrückt nach PC-Spielen –­ sie spielen dort ohne Unterbrechung. Im angloamerikanischen Raum dagegen finden Konfliktsimulationsspiele immer mehr Anhänger.“ Je südlicher, desto mehr geht es nach draußen:

Die Franzosen werfen Boule-, die Italiener Bocciakugeln, die Basken spielen Pelota –­ dort ist es warm, Alt und Jung zieht es vom Tisch vor die Tür. Oft separieren sich die Gruppen: Männer spielen für sich, Frauen und Kinder ebenfalls. In Japan beispielsweise ist Naginata, eine besondere Form des Fechtens, eine Spielart, der ausschließlich Frauen nachgehen. „Es ist tatsächlich sehr deutsch, dass alle zusammen spielen“, bestätigt Thoms.

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