Zu Gast bei Freunden

und fluchen in 114 Sprachen von

Was würden Sie tun? Sie freuen sich auf ihren wohlverdienten Jahresurlaub und zahlen richtig viel Geld, um diesen richtig schön genießen zu können. Am vermeintlich traumhaften Urlaubsort müssen Sie aber feststellen, dass die „belebte Umgebung“ eine Großraumdisko in der direkten Nachbarschaft ist, der Meerblick von einem Hochhaus verbaut wurde, der riesige Pool keine Badelandschaft sondern eher ein Biotop ist und die deutschsprachige Rezeption eher eine eigenwillige Interpretation der deutschen Sprache beherrscht. Sie würden platzen und Ihrer Wut ordentlich „Luft lassen“? Das würden wahrscheinlich viele, nur verstehen dürfte Sie dann keiner – das kleine Büchlein könnte Ihnen an der Stelle etwas Abhilfe verschaffen…

Das Fluchen ist ein immanenter Bestandteil einer jeden Sprachkultur, es kanalisiert die Wut und fasst den Ärger und die Frustration in Worte. Je nach Ort und Gesellschaft spiegeln sich in den Ausdrücken Traditionen, Kultur oder die Geschichte des Landes wieder. Nicht umsonst gibt es mit der Malediktologie sogar ein eigenes Forschungsfeld für die Welt des Fluchens und s.

Die Reichhaltigkeit und Bandbreite möglicher Beleidigung und Verwünschungen sind unglaublich, es gibt mindestens so viele davon, wie es auch Sprachen und Dialekte gibt. Das Buch „“ versuchte sich an diesem gewaltigen Arsenal an Beleidigungen und hat die „schönsten“ aus aller Welt zusammengetragen. Ein Beispiel gefällig? Hier ist ein besonders kreatives (aus dem Hebräischen): Wenn Dummheit ein Tropfen wäre, dann wärest du ein ganzer Ozean! Besonders interessant ist auch dieses hier (aus dem Französischen): Ich bin stolz auf meinen Arsch, wenn ich dein Gesicht sehe!

Das Buch stellt aus den verschiedenen Sprachen die gängigsten Beschimpfungen vor, zuerst im Original (als Transkription) und dann in der jeweiligen Übersetzung. Zuvor wird dem Leser eine kleine Einleitung geboten, beispielsweise in Form einer Anekdote oder eines „Ausflugs“ in die Mythologie des vorgestellten Landes. Zwar haben sie kaum einen Bildungsmehrwert, stimmen dafür aber optimal auf den nachfolgenden Inhalt ein.

Natürlich kann man das Buchthema als solches reichlich geschmacklos finden, kann man – muss man aber nicht. Jeder Mensch flucht und schimpft, es ist (letztendlich) ein Teil unseres Alltages. Insofern ist die Beschäftigung mit diesem Thema nur konsequent, zumindest in der Hinsicht, als dass man den ganzen Tag davon umgeben ist – warum also nicht auch mal einen Blick in die Beleidigungskultur anderer Länder wagen. Sicherlich wird man durch das Studium des Buches nicht schlauer, allerdings bekommt man einen Einblick in die Schimpf-Kultur eines anderen Landes.

Es fällt durchaus auf, dass viele Länder ihre ganz speziellen Eigenheiten und Präferenzen haben, wenn es um die Beleidigung der Mitmenschen geht. Das bezieht sich nicht nur auf wortgewaltige Fantasie, die lautmalerische Umschreibung und die bestechende Liebe zum Detail. Auch ist interessant, welchen Vergleichspunkt die Menschen nutzen, um ihr Gegenüber in Kenntnis davon setzen, dass sie ihr Gegenüber nicht mögen bzw. sein Verhalten nicht in Ordnung finden. Manche dieser Beleidigungen bestechen beispielsweise durch ihren religiösen Charakter, ihre Familienbezogenheit oder scheinen besonders auf die Sexualität fixiert. In der Hinsicht handelt es sich bei diesem Buch auch um einen kulturellen Beitrag der besonderen Art – „besonders“ ist er allein schon auf Grund des enormen Unterhaltungswertes.

Fazit

“ ist kleines Nachschlagewerk (ca. 150 Seiten), das sich voll und ganz den Eigenarten der Fäkalsprache anderer Länder widmet. Geflucht und geschimpft wird freilich nicht nur auf besonders hohem Niveau oder mit besonders viel Fantasie, dennoch ist es interessant, sich mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Beleidigungskultur anderer Kulturen zu beschäftigen.

Interessant nicht nur in der Hinsicht, als dass man sich mit Anregungen für den nächsten Urlaub versorgt, sondern auch im Hinblick auf die inhaltlichen Eigenarten und sprachlichen Besonderheiten. Das Büchlein unterhält und informiert sozusagen gleichermaßen – einen Blick darf und sollte man hier schon riskieren, zumal auch der Preis mit knapp 5 Euro ziemlich niedrig ist.

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