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Mouse Guard: Herbst 1152

Die unglaubliche Größe einer gefährlichen Welt vor Augen, die Gewissheit der permanenten Anwesenheit des Todes in Gestalt von Wesen, die den eigenen Körper um ein Vielfaches überragen und die Hoffnung im Gepäck, dass das angestrebte Ziel nicht mehr weit ist – das Dasein eines Händlers gehört mit Sicherheit nicht zu denen, die sich einer langen Lebenserwartung erfreuen können. Das gilt erst recht für Wesen, dessen Körpergröße sich auf dem Niveau eines größeren Radiergummis bewegen. Erschöpft von solchen Strapazen legt sich ein Kornhändler in den Schatten eines Baumes – es wird seine letzte Ruhestätte werden.

Das Erzählen von Geschichten ist eine Kunst, die nur sehr wenige beherrschen. Früher gab es dafür professionelle Erzähler oder Barden, mündliche Überlieferung oder mühsam Niedergeschriebenes waren die Grundlage ihres Könnens – neben dem Zauber der eigenen Stimme und der Überzeugungskraft des gesprochenen Wortes. In der heutigen Zeit wird diese Kunst der literarischen Überlieferung weitestgehend von Kino und Fernsehen ausgeübt. Die Zeiten des Märchenonkels scheinen endgültig vorbei zu sein – könnte man meinen…
David Petersen konnte uns mehr als deutlich beweisen, dass dem nicht so sein muss. Mit „Mouse Guard“ konnte er dem Leser zeigen, dass Geschichten nicht nur über die Flimmerkiste laufen müssen, um ihre Wirkung zu entfalten. Seine Erzählung stützt sich aber nicht auf irgendwelche Zauberwesen, die der Tolkienschen Fantasie entsprungen sind, ebenso wenig wie sie ihr Heil in der Flucht zur menschlichen Existenz sucht.

Wie der Name bereits sagt, die Hauptfiguren sind ein immanenter Bestandteil unserer eigenen Welt – mal als Schädlinge mal als possierliches Haustier. Es handelt sich um Mäuse. Freilich kommen die nicht als einfache Nager daher, sondern sind dem Menschen durchaus ähnlich. Sie plagen sich mit den gleichen Sorgen, haben ihren eigenen Charakter und eine eigene Biographie. Wobei natürlich auch hier anzumerken ist, dass es sich hierbei weniger um eine Erzählung im neuzeitlichen Gewand als um eine Geschichte im Zeitalter von Rittern und Räubern handelt.
Die Geschichte der drei Nager setzt da an, wo die Einleitung dieses Artikels aufhört – mit dem Verschwinden eines Kornhändlers. Um Herauszufinden, was mit diesem geschehen ist, wurden drei Wächter entsandt. Es dauert nicht lange, bis sie ihn wiederfinden, obgleich er nicht mehr dieselbe Gestalt wie zu seinen Lebzeiten gehabt hat. Die gesuchte Maus wurde Opfer einer Schlange und ereilte ein grausames Schicksal, nämlich jenes eines schnellen Appetithappens. Auf ihrer Suche begegnen sie aber nicht nur dem gefräßigen Reptil, sondern machen eine weitaus erschreckende Entdeckung im ungeahnten Ausmaß. Nicht nur die eigene Existenz steht nun auf dem Spiel, sondern eine Verschwörung bedroht ihre Heimat und das Leben Hunderter.

Die Geschichte wird, sowohl in Schrift und Bild, sehr gut umgesetzt. Freilich ist die Grundidee der Anthropomorphisierung in Kunst und Literatur nichts neues, dennoch gelingt hier ein kleines Meisterwerk. Die Story wird ganz im Stile einer Chronik verfasst und erinnert ein wenig an die Erzählungen von Heldentaten aus längst vergangenen Zeit – halt nur im Gewand von Mantel und Mäusefell.

Nicht nur die Geschichte, erzählt in der Form eines Comics, sondern auch die visuelle Aufbereitung konnte uns vom Können des Autors überzeugen. Hinzu kommen dann auch noch die kleinen Extras: Einzel-Illustrationen, Interview, Karten und Vorstellung von verschiedenen Mäuseberufen. Petersen lässt einen Mikrokosmos entstehen, eine Art Spiegelung der mittelalterlichen „Wirklichkeit“ in Mäuseformat. Die Geschichte ist sehr gut durchdacht, überaus spannend und fesselt den Leser regelrecht ans Buch.

Für einen Preis von knapp 25€ wird dem Leser hier einiges geboten. Wir können das Comic in jedem Fall empfehlen, nicht nur für Liebhaber des Genres dürfte es ein echter Gewinn für das Bücherregal sein: Das Buch ist ein echter Lesegenuss.

“ ist insbesondere ab einem Alter von ca. 12 Jahren zu empfehlen, für Jüngere ist nicht ganz so geeignet (Gewalt und Tod sind durchaus ein Thema).

  • Verlag: Cross Cult

Hier erhältlich.
Mouse Guard 01: Herbst 1152

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