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10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?

Eine politische Dokumentation, vielleicht sogar ein Manifest: Valentin Thurn bietet in seiner Dokumentation kaum Neues, wohl aber ein pointiertes Plädoyer für die Stärkung der lokalen Landwirtschaft, um den Welthunger wirksam zu bekämpfen.

Inhalt
Valentin Thurn dürfte dem geneigten Zuschauer bereits bekannt sein. Der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilmer widmete sich auch dieses Mal seinem Schwerpunktthema “Ernährung und Hunger”. Auf einer Weltreise spricht er mit vielen Akteuren, die im Großbereich Ernährung tätig sind (vom Bauern bis zum Großhändler am Rohstoffmarkt), um eine Antwort auf eine zentrale Zukunftsfrage, wie man die im Jahr 2050 erwarteten 10.000.000.000 Erdbewohnern satt bekommen kann, zu erhalten.

Die Dokumentation wird episodenhaft, anhand von Interviews, Erlebnissen und Thurns Kommentaren, pointiert erzählt. Insbesondere ist hervorzuheben, dass nicht nur Kleinbauern und Initiativen sondern auch Wissenschaftler und Großhändler nahezu uneingeschränkt zu Wort kommen und ihre Lösungsvarianten vortragen dürfen. Die verschiedenen Perspektiven: Marktwirtschaft vs. solidarisches Handeln, Tradition vs. Wissenschaft, lokale Initiativen und transnationale Akteure werden kontrastierend einander gegenübergestellt.

Kritik
Obgleich die Vertreter der verschiedenen Positionen ausgiebig Gelegenheit erhalten, die eigenen Ideen und Vorschläge darzulegen, ist die Erzählweise und Aufmachung des Films reichlich einseitig. Thurns Position ist nicht besonders subtil, sondern wird recht schnell, bereits im ersten Drittel des Films, deutlich. Das kann man durchaus befürworten, aber 10 Milliarden – Wie werden wir alle satt? kann damit kaum als Dokumentarfilm durchgehen, der ausgewogen informieren möchte.

Thurns Position wird durch die Auswahl und die Bewertung der unterschiedlichen Interviewpartner deutlich, und das birgt einige Probleme: Zum einen ist fraglich, ob es Sinn macht, einen erfolgreichen Rohstoffbörsen-Guru als zentralen Experten in Fragen von Zusammenhängen zwischen Wirtschaft und Ernährung ins Feld zu führen (um eine wenig subtile Kapitalismuskritik am Handel von Nahrungsmitteln zu unterstreichen).

Ein Volkswirt mit entsprechendem Spezialgebiet wäre hierbei deutlich sinnvoller gewesen und hätte dem Zuschauer vielleicht auch einige Zusammenhänge besser erläutern können. Wahrscheinlich wäre dieser auch deutlich besser in der Lage gewesen, der Position Thurns etwas Substanzielles entgegenzusetzen.

Der Zusammenprall zwischen zwei Idealisten (Anhänger der freien Marktwirtschaft vs. Solidarische Ökonomie) war zwar ein unterhaltsamer Glaubenskrieg, das ist aber im Grunde wenig informativ. Jenseits dessen bleibt festzuhalten, dass auch die Wertungen Thurns kaum wissenschaftlich fundiert unterfüttert werden, so weist er sporadisch auf potenzielle Gefahren hin (z. B. bei Gentechnik und Hybridzüchtung).

Ob diese Einwände jedoch durch die Wissenschaft gedeckt werden und durchaus begründet sind oder eher die irrationale Angst des Kommentatoren darstellen, wird schlicht nicht diskutiert. Eine Kontroverse um die bessere Idee, also ein Wettstreit um die sinnvolleren Lösungsansätze, wird dabei bereits im Keim erstickt.

Was auch zu kritisieren wäre, ist die zum Teil naive Selbstpositionierung des Filmemachers. Obgleich sich Thurn bereits seit Jahren mit dem Thema beschäftigt, gibt er vor, vollkommen ahnungslos zu sein. Selbst wenn er sich noch nie großartig mit Ernährung befasst hätte: Einige seiner beiläufigen Behauptungen sind schlicht unglaubwürdig bei jemandem, bei dem ein angemessenes Bildungslevel zu vermuten ist (beispielsweise, dass er sich nicht bewusst wäre, dass der Transport diverser Früchte um die halbe Welt eine unglaubliche Ressourcenverschwendung darstellt).

Abgesehen davon wäre es wünschenswert gewesen, wenn er auch die Vorschläge der von ihm präferierten Ansätze kritischer evaluiert hätte (beispielsweise deren Durchsetz- und Anwendbarkeit geprüft hätte, deren Praktikabilität analysiert sowie auf den konkreten Nutzen eingegangen wäre).

Fazit
Um nicht den falschen Eindruck zu erwecken: Der Film ist bestens geeignet, eine Gruppendiskussion anzuregen und verschiedene Ansätze zur Problembewältigung vorzustellen. Nur wahrt Valetin Thurn keine kritische Distanz, was zu Lasten des Informationsgehaltes des Dokumentarfilms geht. Es handelt sich eher um ein politisches Plädoyer, welches versucht, sich an den verschiedenen Gegenpositionen abzuarbeiten. Eine kritische, qualitativ hochwertige Auseinandersetzung mit den verschiedenen Positionen kommt dabei nicht immer zustande.

Auch sind die vorgestellten Gefahren und Eindrücke nicht wirklich neu, sondern werden in regelmäßigen Abständen an anderer Stelle (sei es im Fernsehen, im Unterricht oder in der öffentlichen Debatte) vorgebracht und dürften zumindest teilweise Bestandteil des Allgemeinwissens sein. Wobei man dem Film wiederum zu Gute halten muss, dass der Vortrag des zentralen Arguments (die Stärkung lokaler und regionaler Landwirtschaft) gut durchkomponiert und die Zusammenstellung der verschiedenen Episoden überaus gelungen ist.

Für den Unterricht (ab 13-15 Jahren) ist der Film sehr zu empfehlen, er sollte aber noch mit einigen Informationen (entweder durch Reportagen und Beiträgen mit gegensätzlicher Position oder durch die Einladung einschlägiger Experten beziehungsweise dem Anschauen von Expertenrunden) angereichert werden. Die Kosten für die DVD liegen bei rund 16€, was aus unserer Sicht ein vertretbarer Preis ist.

Start DVD 22.10.2015

Bewertung

6.8 Wertung

Für den Unterricht (ab 13-15 Jahren) ist der Film sehr zu empfehlen, er sollte aber noch mit einigen Informationen (entweder durch Reportagen und Beiträgen mit gegensätzlicher Position oder durch die Einladung einschlägiger Experten beziehungsweise dem Anschauen von Expertenrunden) angereichert werden.

  • Filminhalt/Drehbuch 7/10
  • Bildqualität/Kamera 7/10
  • Schnitt 8/10
  • Tonqualität 8/10
  • Bonusmaterial 4/10

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