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The Experiment

“ ist ein Remake des (gleichnamigen) deutschen Films „Das Experiment“. Beide haben, zumindest rudimentär, einen wahren Kern: In einem wissenschaftlichen Experiment wird eine Personengruppe in Wärter und Gefangene eingeteilt und anschließend in einen Zellenblock verfrachtet – das Ergebnis dürfte den meisten bekannt sein. Wie bei dem britischen Staatsphilosophen Hobbes galt auch hier der Leitsatz „homo homini lupus“ („Der Mensch ist des Menschen Wolf“), was natürlich entsprechende Folgen nach sich zog.

Grundsätzlich lässt sich natürlich festhalten, dass dieser Stoff ein riesiges Potenzial hat: Der Plot baut, im Kern, auf einem realen Ereignis auf, an dem man hätte anknüpfen und Zuschauer realitätsnah unterhalten können. Weiterhin bietet ein solches Projekt durchaus Möglichkeiten, abseits der ausgetrampelten Pfade des Hollywoodschen Blutbads und Bollywood-Kitsches einen sehr anspruchsvollen Film über die Untiefen des menschlichen Daseins und des „humanen“ Miteinanders zu produzieren. Wie man sich vorstellen kann, waren wir dementsprechend gespannt auf das Endergebnis.

Was den Inhalt angeht, so wird zu Beginn des Films einiges versprochen. Sequenzen aus dem Tierreich sollen auf die kommenden Geschehnisse einstimmen und sollen andererseits auf den Ursprung des Menschen und seiner Instinkte verweisen – dem Tierreich. Dieser sehr positive Eindruck, der uns zu Beginn Hoffnung macht auf einen unterhaltsamen wie authentischen Film, wird noch bestärkt durch die verschiedenen Interviews mit den einzelnen Bewerbern. Auch die anfänglich sehr subtilen Übergriffe und die daraus resultierende bedrohliche Grundstimmung entsprachen ganz unseren Erwartungen. Die positive Grundstimmung hielt jedoch nur bis zur Mitte des Films an, danach wurden wir zusehends enttäuschter. Statt eines subtilen und authentischen Psychothrillers bekamen wir eine irreale Schlägerei mit viel Brutalität und einem Toten zu sehen.

Mal abgesehen, dass der Film sich damit selbst ganz ordentlich in die Pfanne haut – stimmig war das Ganze auch nicht. Zu Beginn des Experiments wird von den Initiatoren ausgeführt, dass die Bestrafung angemessen erfolgen und nur ohne Gewalt vollstreckt werden darf. Nun kann man freilich darüber streiten, was genau „Gewalt“ in diesem Zusammenhang ist. Eins dürfte aber klar sein, das Zusammenschlagen gehört unzweifelhaft zu solchen Bestrafungen, die wohl jenseits des Erlaubten stehen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte das Experiment abgebrochen werden müssen, zumal die Leiter einem privatwirtschaftlichen Institut angehören und ein Verstoß ziemlich teuer werden würde. Stattdessen kommt es zum wenig authentischen Showdown: Gefängnisaufstand, ein Toter und fast eine Vergewaltigung – die ganze Palette der menschlichen Grausamkeiten…

Nicht dass ein Aufstand so irreal wäre, aber der ganze Verlauf des Experiments erscheint uns wenig realistisch. Klar würden sich die Insassen irgendwann wehren und sicherlich könnte es auch, wäre dies eine realistische Situation, zu Toten und Verletzten kommen. Nur handelt es sich, wie gesagt, um ein Experiment – also ein Versuchsablauf unter Aufsicht. Soll heißen: Im Grunde wäre ein solcher Ablauf ausgeschlossen. Mal abgesehen davon ist es auch recht eigentümlich, wie der Zuschauer mit dem Ergebnis des Films allein gelassen wird. Beispielsweise hätte man ein Aufeinandertreffen der Teilnehmer filmisch arrangieren können. Letztendlich findet man sich gegen Ende des Films in einer Art Duell von Gut gegen Böse wieder, uns ist das im Hinblick auf die mannigfaltigen Möglichkeiten des Films viel zu wenig.

Die zwei Stars des Films, Forest Whitaker und Adrien Brody, machen ihre Sache im Grunde ganz gut. Das zentrale Problem sind nicht die Schauspieler sondern vielmehr der Handlungsverlauf und die damit zusammenhängenden Rollen, diese könnten deutlich mehr hergeben, sodass sich das schauspielerische Potenzial nie so richtig entfalten kann.

Was ist also von dem Film zu halten? Unser Votum fällt zweigeteilt aus: Einerseits bekommt der Zuschauer einen starken Anfang geliefert, leider endet jedoch der Film vergleichsweise schwach und hinterlässt ein unbefriedigendes Gefühl – zumindest bei uns. Vermutlich ist da auch im Grunde das Problem, denn wir hatten von Anfang an sehr hohe Erwartungen an die DVD. Geht man etwas weniger kritisch an die Sache ran und sucht nur einen Film, der spannend unterhält und mit einem Touch „Überlebenskampf und Brutalität“ sowie mit einem Hauch „Anspruch“ aufwartet, dann ist man hier goldrichtig. In dem Sinne können wir den Film durchaus empfehlen, allerdings müssen wir etwas wehmütig anfügen, dass der Film sein Potenzial unnötig vergeudet.

“ ist im Handel für knapp 16€ erhältlich und erst ab 18 Jahren freigegeben. Da der Film doch ziemlich brutal ist, können wir diese Einstufung nur unterstützen.

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