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Die Tribute von Panem Tödliche Spiele

Mord und Totschlag als Mittel der (Massen-)Unterhaltung haben und hatten immer Hochkonjunktur. Angefangen vom alten Rom bis hin zu den Bestsellerlisten heutiger Tage zieht sich eine Spur der Faszination an dem gewaltsamen Ableben der Mitmenschen. „Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele“ stehen dahin gehend in einer gewissen literarischen Tradition, wobei das eigentliche Thema des (Hör-)Buches über das gegenseitige Umbringen hinausgeht. Dahin gehend hatten wir bereits eine gewisse Erwartungshaltung im Vorfeld unserer Lektüre, welche durch positive Resonanz aus Publikum und Kritikern zusätzlich bestärkt worden ist.

Tod, Verderben und die Lust am Leid

“Von überall her strömten die Menschenmassen zusammen, sodass ein grosser Teil der Auswärtigen auf Gassen und Landstrassen in Zelten übernachten musste.“ (Seneca)

Zu den Zeiten des antiken Rom waren die Gladiatorenspiele einer der Höhepunkte im sonst eher tristen Alltag. Die Bedeutung von „Brot und Spiele“ war sogar so groß, dass die römischen Herrscher einen Aufstand riskierten, wenn sie diese zu lange nicht abhielten. Die Kämpfe in der Arena waren aber nicht nur zur Unterhaltung ihrer Zuschauer gedacht, sondern waren zugleich auch eine Möglichkeit, Schwerverbrecher auf „unterhaltsame Weise“ loszuwerden und die von Rom beherrschten Völker an die Macht des „Imperium Romanum“ zu erinnern. Als Kämpfer standen sich nicht nur einfache Sklaven gegenüber, sondern auch Freiwillige und Kriegsgefangene aus den entlegensten Provinzen.

Die Spiele hatte eine gewaltige Anziehungskraft auf die Menschen. Ebenso wie die Topstars heutiger Tage hatten die Zuschauer Favoriten, die sie anfeuerten und bewunderten. Obwohl die Gladiatoren als Sklaven gesehen und behandelt wurden, ging von ihnen eine gewisse Faszination aus. Erfolgreiche Gladiatoren wurden von der Damenwelt umschwärmt und wurden von den Männern für ihren Mut und ihre Stärke bewundert. Der Tod, der einem Gladiatoren permanent drohte und den man mit Mut furchtlos zu begegnen hatte, war ein Grundstein für den „Mythos Gladiator“.

Zwar wurden die Gladiatorenkämpfe irgendwann verboten, das Interesse an dem Kampf, an Tod und Leid anderer blieb dem Zuschauer aber erhalten. So hatten die öffentlichen Hinrichtungen nicht nur im Mittelalter volksfestähnlichen Charakter, hierzulande waren sie bis Anfang des 20. Jahrhunderts möglich und gut besucht (z. B. die Guillotinierung von Grete Beier in Freiberg). Selbst in der heutigen Zeit finden ist das Interesse an „Nachfahren“ des ritualisierten (in der Regel nicht lebensgefährlichen) Zweikampfes ungebrochen, wie die Publikumsresonanz an Boxkämpfen zeigt.

Kein Wunder also, dass sich dieses Thema auch in Literatur, Theater, TV und Kino wiederfindet. Abgesehen von den zahlreichen Gladiatorenverfilmungen oder Romanen zu dem Thema, findet sich dieses Motiv auch in Publikationen wieder, welche in der Gegenwart oder nicht allzu fernen Zukunft spielen. Die Verfilmung des Buches „Running Man“ mit Arnold Schwarzenegger oder „Das Millionenspiel“ mit Dieter Hallervorden sind dabei nur zwei Beispiele von vielen. Allerdings gibt es auch Dystopien, die über ein weiteres Element des Schreckens verfügen, die Szenarien erschaffen, die über die normale und alltägliche Grausamkeit hinausgehen. Hierzu zählen Storys, in denen nicht Erwachsene, sondern Kinder und Jugendliche miteinander konkurrieren. Zu den Vertretern dieser Geschichten zählen „Der Todesmarsch“ von Stephen King und „Battle Royal“ von Kōshun Takami (Autor des Romans) bzw. Kinji Fukasaku (Regisseur der gleichnamigen Verfilmung). „Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele“ befindet sich also in gehobener Gesellschaft, denn auch hier wartet der grausame Tod auf die jugendlichen Teilnehmer eines brutalen Wettkampfes…

Mögen die Hungerspiele beginnen…

Die Story spielt im Nordamerika der (fernen) Zukunft. Durch Veränderung von Natur und in Politik hat sich der Kontinent stark gewandelt, nicht nur die USA sind Geschichte sondern auch das Ideal der Demokratie. Das ominöse Kapitol ist an der Macht und regiert über 12 Destrikte, welche jeweils Waren für ihre Herrscher herzustellen haben. Seit es zu einem Aufstand der Beherrschten kam, werden alljährliche Hungerspiele veranstaltet: Zwei Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren (Junge und Mädchen) werden aus jeder Provinz per Losverfahren ausgewählt und müssen in einer riesigen Arena gegeneinander antreten. Nur einer kann und darf diesen Kampf auf Leben und Tod überleben.

Die Hungerspiele tragen ihren Namen deshalb, weil die „Tribute“ kaum Proviant bekommen. Entweder sie gehen auf Tierjagd, oder sie nehmen das Essen ihrer Konkurrenten in Besitz. Ziel der Spiele ist nicht nur ein möglichst unterhaltsamer Wettkampf für die Bewohner des Kapitols, sondern auch die symbolische Überlegenheit der Herrscher über die Beherrschten. Jedes Jahr werden die Destrikte an ihre Niederlage erinnert und daran, dass ein erneuter Aufstand grausame Folgen nach sich ziehen wird.

Die Destrikte wissen um ihre Schwäche und nehmen die „Ernte“, so wird das Losverfahren  bezeichnet, als „Höhepunkt“ des Jahres hin. Für einige Regionen sind diese Spiele eine Chance, weshalb sie ihre Kinder auf dieses Ereignis trainieren, für andere ist es eine unglaubliche Tragödie. Sowohl dem Sieger als auch seinem Heimatdestrikt winken zahlreiche Belohnungen, was für den einen oder anderen einen gewissen Ansporn darstellt.

Katniss gehört zu denjenigen, die diesen Spielen nichts abgewinnen können. Sie lebt im Destrikt 12, nur wenige Tribute gingen hier als Sieger hervor. Als die Zeit der Ernte kommt, meldet sie sich jedoch freiwillig, nicht aus Geltungssucht, sondern weil sie ihre jüngere Schwester schützen und ihren Platz einnehmen möchte. Zusammen mit Peeta, einem Jungen, der schon einmal ihr Leben kreuzte, wartet auf sie der Tod und eine unglaubliche Liebesgeschichte. Beide kommen einander näher, obwohl das tragische Ende der Liaison nahezu unvermeidlich ist, denn nur einer von beiden kann dem Gemetzel entkommen.

Der Geist der Spiele

Medien- und Gesellschaftskritik finden sich sowohl in der Literatur, als auch in jedem schlechteren Feuilleton der größeren Tageszeitungen. Besonders interessante oder intelligente Aspekte finden sich in der Regel nicht. Meistens wird genau das heruntergeschrieben, was entweder jeder weiß oder viele vermuten – wirklich intelligente und ausgefallene Kritik findet sich selten.

Dieser Jugendroman bildet eine Ausnahme: Die tragische Liebesgeschichte und die intensive Brutalität sind drastisch, konsequent und vor allem fesselnd. Der Leser wird mit der Kritik direkt konfrontiert, ohne von ihr drangsaliert, belästigt oder belehrt zu werden. Der eine oder andere ertappt sich vielleicht sogar dabei, wie er bei den Kämpfen mitfiebert – wohlweislich das dafür andere einen grausamen Tod erleiden müssen. Die Geschichte wird sehr vereinnahmend und nachvollziehbar erzählt, die Story wird spannend in Szene gesetzt und bietet dem Hörer ein Ohrenschmaus der ganz besonderen Sorte. Der allgegenwärtige Tod, die massenkompatible Präsentation der Spiele durch das Kapitol, sogar das Sponsoring einzelner Kandidaten sind authentisch und sorgen für eine beklemmende Grundstimmung. Die düstere Atmosphäre der Geschichte, der beinahe unvermeidliche Tod der Protagonisten und die unglückliche Zukunft ihrer aufkeimenden Zuneigung zwingen den Hörer geradezu, die Geschichte weiterzuverfolgen. Trotz der Länge des Hörbuches (mehr als 6 Stunden) wurde es nie langweilig, die Spannung hält sogar über das Ende dieser Geschichte hinaus an und macht Lust auf die Fortsetzung.

Einen wesentlichen Anteil an dem überaus positiven Endergebnis hat auch die Sprecherin  Maria Koschny. Dass sie über Talent verfügt, konnte sie bereits als Synchronsprecherin für Lindsay Lohan, Jessica Biel und Mischa Barton beweisen. Auch in dieser Produktion verleiht sie der Hauptfigur eine charmante Stimme, die gleichermaßen zum sehr guten Abschneiden des Hörbuches beiträgt wie die Geschichte an sich. Die Vertonung der Figur passt nicht nur zu dessen Charakter, sondern sorgt auch dafür, dass der Leser sich in das grausame Spektakel hineinversetzen kann.

Fazit

Das Hörbuch ist rundum gelungen – eine echte Empfehlung! Insbesondere Personen im Alter von 13 bis 16 kann man „Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele“ ans Herz legen, aber auch Ältere dürften Gefallen daran finden. Die Investition von knapp 25€ lohnt sich jedenfalls, der Hörer bekommt für sein Geld einiges geboten.

Das Hörbuch eignet sich darüber hinaus auch für den Einsatz im Unterricht. Kritik an Medien und Gesellschaft finden sich ebenso wie die klassischen Themen „Tod“, „Liebe“ und „Freundschaft“. Besonders bietet sich die Geschichte für die Klassenstufen 8 und 9, eventuell auch 10 an.

Das Buch: Aus dem Amerikanischen von Sylke Hachmeister und Peter Klöss. Gebunden, 416 Seiten
17,90 € [D]/ 18,40 € [A]/ 32,- sFr  –  ISBN 978-3-7891-3218-6  –  Hamburg: Verlag Friedrich Oetinger 2009

Das Hörbuch: Sprecherin: Maria Koschny
24,95 € (D)  –  6 CDs / ISBN 978-3-8373-0515-9  – Hamburg: Oetinger audio 2010

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