Euro Crisis

Seit Jahren ist es in den Nachrichten. Europa steht am Abgrund. So titelten es zumindest etliche Wirtschaftsmagazin. Schuld sind die ganz Großen. Banken und Politiker ziehen hierbei nicht immer an einen Strang und stellen den eigenen Vorteil manchmal über das Wohl der Masse.

Nikolai Diekert scheute nicht vor diesem bedrückenden Thema zurück und lässt uns im Spiel die Rolle der Banken übernehmen. Schnell stellt man fest, wie skrupellos man agieren kann, und sieht sich selbst vor dem Sturz einer unpassenden Regierung oder dem Kauf griechischer Inseln als dauerhafte Kapitalanlage.

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Spielablauf
Drei Jahre haben die Spieler Zeit. Drei Jahre um Chaos über Europa zu bringen und vor allem in die eigene Tasche zu wirtschaften. Hierfür stehen den Spielern zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. Jede Runde können die Spieler Anleihen der bis zu vier dauerhaft ausliegenden Staaten erwerben. Übertreiben es die Banken hierbei und verschuldet sich ein Staat zu sehr, kommt es zum Verkauf des Staatseigentums. Auf diese Weise kommt es zu großflächigen, punktebringenden Privatisierungen und Aufständen in der Bevölkerung. Ein wütender Mob bricht aus und verlangt die soeben erworbenen Inseln und Denkmäler zurück.  Der Streich ist jedoch erst dann vollkommen, wenn man sich zuvor in Moskau mit Waffen versorgt hat. Denn mit genug Waffen in eigener Hand können die erworbenen Güter vorerst gesichert werden.

Doch die Zufriedenheit der Bevölkerung stellt eine dauerhafte Bedrohung dar. Klug ist, wer schon seit einigen Runden das Kabinett des jeweiligen Landes kontrolliert. Wer das Mächtegleichgewicht der existierenden Parteien geschickt beeinflusst, kann so weitere Boni freischalten. Sind beispielsweise Sozialisten an der Macht, geht es der Bevölkerung besser, aber die Verschuldung steigt. Die Liberalen hingegen bieten weitere Zinsen für Privatisierungen und Kommunisten können uns einiges kosten, wenn wir unsere erworbenen Güter vor Verstaatlichungen schützen wollen.

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Und genau diese Güter sind am Ende des Spiels für die Bestimmung der Punktzahl entscheidend. Nach Ablauf der drei Jahre hat die andauernde Krise den Euro so stark geschädigt, dass Geld keinen Wert mehr hat. Es zählen nur noch Privatisierungen, Einkommen, Gold und Waffen. Wer die Machtverhältnisse geschickt ausnutzte, um somit die meisten Punkte verdiente, erhält das Prädikat „Beste Zockerbank“. Die wirtschaftlichen Verlierer hingegen werden mit Aufräumarbeiten in Europa und dem Vorbereiten der nächsten Spielrunde belastet.

Spielmaterial
Das Spielbrett sowie die Marker sind allesamt hochwertig verarbeitet und passen sich gut in das Geschehen ein. Die Handkarten kommen in einem übersichtlichen und schlicht gehaltenen Smartphone Design daher. So kann ein kurzer Anruf in den Spielbehörden schnell das Kräftegleichgewicht und somit den Spielablauf durchrütteln. Absolutes Highlight des Spiels ist jedoch die Anleitung. Diese präsentiert das Spielgeschehen mit viel Witz und Charme und scheut dabei nicht allerlei spitze Bemerkungen gegenüber Banken, Staaten und Weltwirtschaftsorganisationen vom Stapel zu lassen.

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Hierbei gilt leider nicht immer „Funktion über Form“. So mussten wir manche Abschnitte später noch einmal nachschlagen, um sie vollständig zu verstehen. Für die wahren Bänker unter uns gibt es noch die Luxusvariante des Spiels zu kaufen. Diese kostet 2.000 Euro und ersetzt die Geldpappmarker durch echtes Gold und Spekulationen echter Banken.

Fazit
ist definitiv kein Familienspiel. Kenntnisse in den Bereichen Politik und Wirtschaft helfen deutlich, sich auf das präsentierte Spiel einzulassen. Gefühlt steht die Umsetzung des Szenarios einem runden Spielablauf etwas im Weg. Zwar präsentiert die Anleitung das Spielgeschehen durchaus gelungen, doch fühlt sich alles nicht immer ganz rund an. Familienrunden und Spielern ohne wirtschaftlichen Hintergrund kann dieses Spiel daher nicht ohne Bedenken empfohlen werden. Für alle anderen eignet es sich bestens, um auch mal gnadenlos die Welt der Banken zu erobern.

Test und Artikel von Alexander Dockhorn

Bewertung

7.1 Bewertung

ist definitiv kein Familienspiel. Kenntnisse in den Bereichen Politik und Wirtschaft helfen deutlich, sich auf das präsentierte Spiel einzulassen. Gefühlt steht die Umsetzung des Szenarios einem runden Spielablauf etwas im Weg. Zwar präsentiert die Anleitung das Spielgeschehen durchaus gelungen, doch fühlt sich alles nicht immer ganz rund an. Familienrunden und Spielern ohne wirtschaftlichen Hintergrund kann dieses Spiel daher nicht ohne Bedenken empfohlen werden. Für alle anderen eignet es sich bestens, um auch mal gnadenlos die Welt der Banken zu erobern.

  • Spielidee 9/10
  • Ausstattung 8/10
  • Spielablauf 6/10
  • Interaktion 7/10
  • Einfluss 8/10
  • Spielbarkeit 6/10
  • Spaß 6/10

Weitere Informationen

  • Titel: Euro Crisis
  • Kategorie: Brettspiele
  • Autor: Nikolai Diekert
  • Verlag: Doppeldenk Spiele

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