Pints of Blood

Es ist schon wieder einer solcher Abende: Man sitzt mit ein paar altbekannten Gesichtern in seinem Lieblingspub, trinkt genüsslich ein dunkles, kühles Guinness, während draußen die trostlose nächtliche Leere einher zieht. In die unendliche Tiefe des Biers schauend, lauscht man den Geschichten seiner Tresennachbarn, den Hunger verdrängend. Oftmals teilen sich die Geschichten einen schemenhaften Klang tiefster Trauer und Demut vor der schicksalhaften und kalten Welt. Plötzlich wird dieser düstere Schleier durchtränkt von aufschreienden Wehklagen, welches sich durch die Dunkelheit schneidet. Sich nähernde hungrige Zombies wanken auf den Pub und stören die triste gesellige Atmosphäre.

Allgemein

Spielmaterial
Der Eindruck des Spielkartons macht bereits einen guten Eindruck. Es werden auch verschiedene Spielelemente sichtbar, wie der Pub, eine Telefonzelle, ein Bus, ein paar bewaffnete Menschen mit Bier in der Hand und natürlich sind überall Zombies zu sehen, die in einem leichten Nebelschleier umher wandeln. Das düstere Spielsetting spiegelt sich in der Illustration des Covers wieder. Voll Interesse öffnet man dann den Deckel. Dann heißt es aber erst einmal Ausstanzen und Zusammenbauen der verschiedenen Spielkomponenten. Man sollte dafür ruhig zehn bis dreißig Minuten einplanen, je nach Hilfe seiner Mitspieler. Denn es sind 86 Zombiechips, 32 Chipsmarker, 28 Bewegungsplättchen in vier Farben, acht Sonderfähigkeitsmarker, sieben Biermarker, vier Bissmarker, drei Trenntableaus und ein Bus aus fünf Teilen aus den Platten herauszutrennen. Darüber hinaus darf man noch den Bus zusammenbauen und acht Würfel selbst bekleben. Mit genügend Hilfe geht es aber recht schnell.

Außerdem gibt es noch den aus vier Teilen bestehenden Spielplan, sechs Buddys, ein Regelwerk, welches aus einem ausführlichen und einem übersichtlichen, kurzen Teil besteht, und 65 Spielkarten. Zusätzlich unterstützt das Spiel zwei verschiedene Sprachen, Deutsch und Englisch. Das bedeutet, dass sowohl das Regelwerk als auch die Spielkarten jeweils in beiden Sprachen vorliegen. Bei so vielen verschiedenen Bestandteilen sollte man eigentlich auf verschiedene, abgetrennte Bereiche oder entsprechend viele Aufbewahrungstüten im Spielkarton hoffen dürfen, was man bei „“ leider vergebens tut. Alle Materialien wurden ohne Abtrennung oder Tüten geliefert, sodass sie sich nach dem Spielen wild vermischen können, was bei zwei verschieden sprachigen Kartensets nicht ganz so ideal ist. Aber vielleicht soll man sich so auf das Spielgeschehen einstimmen, dass man einfach von der anstürmenden Zombie-Horde überwältigt wird und sowohl viel Geduld als auch strategisches Vorgehen mitbringen muss, um die anstehende Aufgabe bewältigen zu können.

Spielziel
Der Grundgedanke ist eigentlich wie bei jedem Setting mit Zombies: Man versucht zu überleben und das solange, bis die ersehnte Rettung eintrifft. Dazu kann es unter anderem auch noch einige Bedingungen zur Rettung geben, wie beispielsweise das Erfüllen eines Gesundheitszustands oder am wenigsten Bier getrunken zu haben. Dadurch kann es durchaus passieren, dass die Zombies doch noch gewinnen können, weil die Retter einfach keinen retten wollen und weiter ziehen. Aber dazu muss das Spiel erst einmal vorbereitet und bis zum Eintreffen der Retter gespielt werden.

Spielvorbereitung
Im Karton liegen nun alle Spielmaterialien wild umher, also ist es an der Zeit, Struktur reinzubringen. Als Erstes sollte man den Spielplan zusammenstecken. Dabei ist es wichtig auf eine gerade und glatte Fläche zu achten, wie ein Tisch oder eine Glasplatte. Auf einer Tischdecke kann es passieren, dass die Module des Spielplans nicht ineinander greifen. Nun kann man den gebastelten kleinen Bus vor eine beliebige Reihe, dann die farbigen Bewegungsplättchen in die angrenzenden Straßen des Pubs, die hellen Buddys auf die Bank im Pub und die zusätzlichen roten Buddys in die Telefonzelle setzen. Außerdem kommen auch noch die Biermarker an den Tresen. Die Chipstüten und Zombiemarker bekommen jeweils einen eigenen kleinen Haufen neben dem Spielplan. Dann wird der Nachziehstapel entsprechend der Regeln in vier Phasen mit drei Trenntableaus vorbereitet und jeder Spieler bekommt einen Bissmarker zugeteilt.

Bevor der Startspieler den Kampf gegen die Untoten aufnimmt, wird der Farbwürfel noch gewürfelt und die ersten verdeckten Zombies auf dem Spielfeld verteilt. Nun beginnt der, am ausdruckslosesten guckende, Spieler alle acht Würfel zu werfen. Dazu sollte man etwa beide Hände nehmen oder einen Würfelbecher aus einem anderen Spiel verwenden, denn selbst mit großen Händen ist es schwierig, alle Würfel gleichzeitig zu würfeln und nicht einfach nur hin zu legen beziehungsweise zu schieben.

Spielablauf
Grundsätzlich lässt sich der Zug des aktiven Spielers in vier Phasen unterteilen: Vorbereitung für den Kampf, Kampf gegen die Zombies, Busfahrt und Zombies werten. Dabei kann der Spieler fast jederzeit Buddykarten von seinen Mitspielern und Bier von der Theke kaufen. Aber man darf sich beispielsweise nicht zwischen dem Werten der Zombie-Bisse mit einem kühlen, erfrischenden Bier heilen, um den Tod eines Buddys zu umgehen. In der ersten Phase setzt man grundsätzlich erst einmal mindestens einen Sofa-Buddy an den Tresen, erhöht seinen persönlichen Buddykartenvorrat bzw. zieht unfreiwillig Zombiekarten mit sofort eintretenden Effekten, indem man eine Karte vom Nachziehstapel nimmt und würfelt mit allen acht Würfeln. Das daraus resultierende Ergebnis für die neu heranschleichenden Zombies wird auf den Bewegungsplättchen und das entstehende Waffenarsenal entsprechend in den aktiven Buddy-Reihen verteilt. Optional kann man auch die Buddykarten aus seinem persönlichen Vorrat einsetzen, sofern man beim Würfeln weniger Glück hatte.

pints of blood - inhalt

Ist so weit alles vorbereitet, werden alle Reihen ab dem Bus gegen den Uhrzeigersinn mit einem Buddy davor abgearbeitet. Um einen Zombie zu besiegen, benötigt man teils bis zu zwei Treffer, je nachdem welcher Gattung dieser angehört. Es ist aber auch möglich, dass der getötete Zombie einen neuen Zombie entstehen lässt. Sind alle Waffen und Fähigkeiten einer Reihe aufgebraucht, wird vor dem Wechsel zur nächsten Reihe noch die nachströmende Welle unbekannter, vom Kampflärm angelockter Zombies auf ein neues Bewegungsfeld in die Straße gespeist. Sodass selbst leer gefegte Straßen am Ende eines Zuges immer wieder zu bekämpfende Zombies aufweisen. Der Kampf gegen die Untoten nimmt wirklich nie ein Ende, denn sie kommen einfach immer wieder aus dem Nichts.

Wurden alle mit einem Buddy besetzten Reihen gesäubert bzw. versucht zu säubern vom näherkommenden Verderben, folgen nun schon die zwei kürzesten und letzten Zugphasen. Bei der Vorletzten fährt der Bus seinen Runden, sofern er von Zombies besetzt wurde. Falls man nämlich unglücklich würfelt oder eine entsprechende Zombiekarte zieht, kann es passieren, dass sich Zombies in den Bus verirren. Dieser fährt, wie von Geisterhand, durch die Straßen um den Pub und entlädt die Zombies verdeckt Straße für Straße jeweils auf ein neues Bewegungsfeld, solange bis er wieder leer ist.

Falls durch das Einspeisen Zombies in den Pub gelangen, werden diese erst einmal verdeckt auf dem Bissmarker gesammelt. Alle besiegten Zombies in dieser Runde werden auf der Ambulanz gesammelt. In der letzten Phase werden die besiegten und nicht besiegten Zombies ausgewertet. So hat jeder besiegte Zombie zufällig eine Chipstüte fallen gelassen und in jedem dritten Zombie ist sogar eine Karte vom Nachziehstapel zu finden. Die nicht besiegten und in den Pub eingedrungenen Zombies machen, je nach Gattung, ein bis zwei Bissschäden, bevor sie ins nichts verschwinden. Hat man zu viel Schaden erlitten, stirbt ein Buddy. Scheinbar reicht ihnen ein kleiner Happen des Spielers, damit sie fürs Erste wieder ruhiggestellt sind, was nicht unser Nachteil sein soll.

Dieser Ablauf wiederholt sich solange bis entweder alle Buddys tot sind oder die Rettungskarte gezogen wurde. Sofern die Rettungskarte auftaucht, muss die dort aufgeführte Bedingung erfüllt werden, wodurch teilweise ein, zwei oder sogar alle Mitspieler gerettet werden könnte. Natürlich kann es genauso gut sein, dass man einfach sitzen gelassen wird, umsonst gekämpft hat und an die Zombies verfüttert wird. Um ein wenig Dynamik in den Spielablauf zu bekommen, gibt es außerdem drei Bonustableaus im Nachziehstapel, wodurch man unter anderem zusätzliche Buddys oder eine zusätzliche Karte bekommt. Ebenso gibt es noch einen weiteren Schwierigkeitsgrad mit teilweise abgeänderten Regeln und neuen Spielelementen, sodass beispielsweise sowohl die Spieler als auch die Bewegungsplättchen zusätzliche Fähigkeiten bekommen.

Fazit
Was sehr stark auffällt, ist, dass es keinen kooperativen Ansatz gibt im gesamten Spielkonzept. Man kann sich lediglich gegenseitig indirekt unterstützten, doch fungieren die nicht aktiven Spieler eher als eine Art Shop, wo man sich aus der aktuellen Auslage Hilfe erkaufen kann, sofern Bedarf besteht. Das einzige, was die Spieler beeinflussen, sind die Bewegungsfelder, die Rettung und teilweise auch die schrumpfenden Ressourcen, wie die Buddys und das Bier, wobei weder das eine noch das andere von der Spielerzahl abhängig ist. Somit lässt sich das Spiel an sich in leicht abgeänderter Form auch alleine spielen, obwohl es eigentlich nicht angedacht ist.

Darüber hinaus ist es sehr schade, dass es keine separaten Bereiche für die unterschiedlichen Spielmaterialien gibt, sodass man sich selbst etwas einfallen lassen muss. Besonders lobenswert ist sowohl die gute und ausführlich beschriebene Anleitung als auch die komplette Umsetzung des Spielmaterials und des Regelwerks, sogar vollständig in einer zweiten Sprache. Das Spielsetting ist darüber hinaus auch stimmig umgesetzt, abgesehen von ein paar kleineren Sachverhalten, und zieht die Spieler in den überfordernden Wahnsinn eines Überfalls einer Zombie-Horde, denn wenn erst einmal ein Zombie da war, kommen immer wieder mehr. Der anfänglich langatmige und zähe Rundenablauf verliert sich auch über die Zeit. Jedoch stellt sich bei der leichten Spielvarianten schnell eine Art berechnender Automatismus ein, wodurch man nicht wirklich mehr nachdenkt, sondern einfach nur nach dem Schema agiert. Einzig bei der Waffen- und Trefferpunkteverteilung wird dann noch kurz überlegt, um möglichst wenig Schaden zu bekommen. Mit den Trenntableaus und den sich verändernden Regeln in der „Main Course“-Spielvariante, die etwas schwierigere von beiden, wird eine schöne und herausfordernde Spieldynamik erzeugt.

Thematisch lässt das Spiel ein paar Sachen in der Spielwelt unbeantwortet. Warum kämpfen die Mitspieler nur abwechselnd und nicht miteinander, obwohl sie alle gemeinsam in einem Gebäude gefangen sind, bzw. warum bekämpfen sie sich nicht auch gegeneinander oder stellen sich Fallen, um einen Vorteil zu bekommen. Nur unter den Bedingungen der Rettungsmissionen findet man kleinere Ansätze des Machtkampfs unter den Mitspielern. Auch tauchen immer wieder Zombies aus dem Nichts auf, obwohl die Straße von einem Buddy bewacht wird. Somit müssten die Zombies doch eigentlich erkannt werden können, was auch fehlt. Darüber hinaus ist es etwas befremdlich, warum ein Bus die Zombies spazieren fährt. Denn wenn die Zombies Fahrzeuge bedienen können, könnten sie eigentlich den Pub nieder fahren.

In Summe ist „“ ein gutes, rundenbasiertes Brettspiel im Zuge der postapokalyptischen Zombieplage. Zwar weist das Spiel an einigen Stellen Ungereimtheiten auf, es kann jedoch durch den übersichtlichen und leicht erlernbaren Ablauf überzeugen.

  • Autor: Kinjiro
  • Spielzeit: ca. 30 – 60 Minuten
  • Anzahl: 2-4 Spieler
  • Alter: ab 14 Jahren

Bewertung

7.6 Wertung

Was sehr stark auffällt, ist, dass es keinen kooperativen Ansatz gibt im gesamten Konzept. Man kann sich lediglich gegenseitig indirekt unterstützten. Besonders lobenswert ist sowohl die gute und ausführlich beschriebene Anleitung als auch die komplette Umsetzung des Spielmaterials und des Regelwerks, sogar vollständig in einer zweiten Sprache. Das Spielsetting ist darüber hinaus auch stimmig umgesetzt, abgesehen von ein paar Sachverhalten, und zieht die Sieler in den überfordernden Wahnsinn eines Überfalls einer Zombie-Horde. In Summe ist „“ ein gutes, rundenbasiertes Brettspiel im Zuge der postapokalyptischen Zombieplage. Zwar weist das Spiel an einigen Stellen Ungereimtheiten auf, es kann jedoch durch den übersichtlichen und leicht erlernbaren Ablauf überzeugen.

  • Spielidee 7/10
  • Ausstattung 10/10
  • Spielablauf 9/10
  • Interaktion 6/10
  • Einfluss 5/10
  • Spielbarkeit 10/10
  • Spaß 6/10

Weitere Informationen

  • Titel: Pints of Blood
  • Kategorie: Brettspiele
  • Autor: Kinjiro
  • Verlag: HUCH! & friends

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