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Call of Juarez: Gunslinger

Ein alter Mann betritt einen Saloon. Der Beobachter kann auf den ersten Blick sehen, dass dessen beste Tage längst vorüber sind. Für ein paar Drinks fängt er an, von der guten, alten Zeit zu erzählen. Ob Wahrheit oder Lüge ist dabei egal, denn sein Streben nach Rache ist nach wie vor lebendig – und das nicht nur in seinen Geschichten.

Die Story
ist kein klassischer Shooter, obgleich er eindeutig diesem Genre zuzurechnen ist. Die Entwickler legten viel Wert auf die Story und dessen Präsentation, von den Seitenhieben auf den Wilden Westen und einem Augenzwinkern sich selbst gegenüber einmal ganz abgesehen: Bereits der Aufhänger der Geschichte ist sehr gut durchdacht. Silas Greaves, der alte Mann, befindet sich nicht nur am Ende seiner Karriere, sondern ist auch Zeitzeuge einer untergehenden Ära.

Pferde werden von Autos abgelöst, kaum einer der einstigen Revolverhelden lebt noch und der Wilde Westen ist so gut wie gezähmt.

Sein Streifzug durch die Zeitalter der Duelle zur Mittagsstunde wird dadurch zu einem meet and greet mit den Ikonen einer längst vergangenen Zeit: Pat Garret, Jesse James aber auch Billy the Kid kreuzten seinen Weg. Sein unfreiwilliger Aufstieg zum gefürchteten Kopfgeldjäger wird befeuert von seinem Drang nach Rache für seine getöteten Brüder. Obgleich seine Geschichten mit viel Fantasie ausgeschmückt worden sind und er sich selbst in seinen Lügen verheddert, erzählt Silas seinen Zuhörern eine atemberaubende Geschichte.

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Nicht nur die Story auch die Präsentation weiß zu überzeugen. Statt auf überbordenden Realismus zu setzen, wird die Story im Comicstil erzählt. Übertrieben große Blutfontänen wirken hier nicht authentisch oder übertrieben brutal, sie sind eher als Hommage auf das Shooter-Genre und die ausgeschmückten Wildwest-Groschenromane zu sehen.

Garniert wird das Ganze mit einer interaktiven Story-Gestaltung: So wiederholen sich ganze Spiel-Szenen, wenn Silas mal wieder ein wenig zu fantasievoll erzählt hat oder es tauchen “wie aus dem Nichts” Objekte auf, die dem Helden den Kopf retten.

Grafik und Sound
Sicherlich ist die Grafik nicht das Beste, was auf dem Spielmarkt zu haben ist. Die Locations sind zwar schön anzusehen, verglichen mit der (nicht ganz billigen) Konkurrenz wird hier Hausmannskost geliefert.

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Allerdings ist das nicht unbedingt schlecht: Zum einen läuft das Spiel dadurch auch auf etwas älteren Rechnern sehr flüssig, zum anderen gehen Story und visuelle Präsentation eine Symbiose ein, die auch kleine Mängel vergessen lässt.

Etwas schade ist, dass es für eine deutsche Synchronisation nicht mehr gereicht hat. Lediglich deutschsprachige Untertitel informieren den nicht-englischsprachigen Spieler über den Fortgang der Story. Wer des Englischen mächtig ist, kommt jedoch nicht umhin, die hochprofessionellen Sprecher zu loben, die für eine optimale Saloon- und Wild-West-Atmosphäre sorgen. Auch die Hintergrundgeräusche sind ziemlich gut gelungen; die audiovisuelle Präsentation kann insgesamt als hervorragend bezeichnet werden.

Bedienung
Was vor allem die Shooter-Veteranen stören wird, sind die allzu leichte Bedienung und die schwachen Gegner. Selbst für Anfänger dürfte das Spiel in knapp 6-8 Stunden zu bewältigen sein. Gut gelungen sind auch die Fähigkeiten-Bäume (je besser man wird, desto mehr Fähigkeiten kann man sich zulegen) und die Waffenvielfalt.

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Dennoch: Insbesondere Genre-Liebhaber dürften sich ärgern, das Spiel richtet sich eher an Shooter-Neulinge. Kleine Features, wie beispielsweise Szenen, in denen man mit Schießkombinationen eine halbe Armee ausschalten kann, sind zwar ganz nett, können aber nicht über diese Schwäche hinweg täuschen.

Fazit
ist kein herkömmlicher Shooter: Mord und Totschlag sind hier eher Begleitmusik einer ausgefeilten Story und dessen hervorragender Präsentation. Insofern erklärt sich auch, warum das Spiel ab 16 Jahren und nicht ab 18 freigegeben worden ist. Trotz einer ganzen Menge Blut und Brutalität wirken die Darstellungen derart übertrieben und unwirklich, dass es kaum ernsthafte Beanstandungen geben konnte.

Das Spiel ist ein echter Überraschungshit, insbesondere auf Grund der starken Story konnte uns von sich überzeugen. Sicherlich gibt es noch die eine oder andere Schwäche, aber im Großen und Ganzen wird dem Spieler herausragende Unterhaltung geboten.

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Lediglich Shooter-Fans dürften enttäuscht sein, denn für alte Hasen ist das Spiel definitiv keine Hürde und maximal nur ein sehr kurzes Vergnügen.

Mit knapp 15€ ist ein echtes Schnäppchen aus dem Hause Ubisoft, wer auf Wild-West steht und den einen oder anderen Seitenhieb auf Revolverhelden und einschlägigen Shootern nicht abgeneigt ist, der sollte sich das Spiel zulegen – es lohnt sich wirklich! Zu beachten ist, dass das Spiel via Steam aktiviert werden muss, ein Internetanschluss sollte also vorhanden sein. Auch die angesprochene Altersbeschränkung ist zu beachten.

  • Publisher Ubisoft
  • System PC (DVD-ROM)
  • USK ab 16

 

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