Das Schwarze Auge – Demonicon

„Das Schwarze Auge“ (DSA) ist der Name eines deutschen Pen-&-Paper-Rollenspiels, das 1984 auf den Markt kam und auf der Fantasy-Spielwelt Aventurien basiert. In einem Setting, das sich zwischen Jugendsteinzeit und Renaissance bewegt, leben neben Menschen auch Zwerge, Orks, Drachen und vielerlei andere Fantasycharaktere. Klassisch für Pen-&-Paper-Rollenspiele ist die langwierige und detaillierte Charaktererstellung per Würfel.

Auch das Spielgeschehen folgt dem Prinzip des Würfelns, um Trefferchancen und Entscheidungen zu bestimmen.

Seit den 1990er Jahren wurden viele Computerspiele um die Welt von Aventurien herausgebracht. Das neueste Spiel dieser Reihe wurde von Kalypso Games unter der Entwicklung der Noumena Studios veröffentlicht und trägt den Titel „Das Schwarze Auge: Demonicon“. Als deutscher Entwickler bleiben die Noumena Studios den Wurzeln vom schwarzen Auge treu.

Erzählt wird die Geschichte der Geschwister Cairon und Calandra. Der Spieler schlüpft in die Rolle des Kämpfers Cairon, der losgezogen ist, seine Schwester in den Tiefen des Tempelberges zu suchen. Eine arrangierte Zwangshochzeit trieb sie zur Flucht an diesen verfluchten und von Monstern heimgesuchten Ort. Was als kleine lapidare Geschichte beginnt, verstrickt sich mit der Zeit zu einer düsteren Verschwörung.

Demonicon ist für circa 44€ im Handel erhältlich, für 15€ mehr bekommt man aber schon die Collectors Edition, die neben dem Hauptspiel den Soundtrack, ein DSA-Abenteuerbuch, ein Artbook und viele andere Dinge enthält. Hier lohnen sich die zusätzlich investierten Euros. Leider setzt Demonicon ein Steam-Konto voraus, sodass man hier nicht vor Onlinezwang gewahrt bleibt.

Installation
Bei der Installation ereigneten sich zwei kleine Merkwürdigkeiten. Zum einen installierte Steam das Spiel wie üblich von DVD. Nach der Hälfte der zu übertragenden Datenmenge (3GB), meinte der Installer, er sei fertig. Im Endeffekt wurden die letzten 3GB jedoch über das Internet geladen. Es kann sein, dass es sich um einen lokalen Fehler handelte, aber falls nicht, sollte man doch meinen, dass alle nötigen Spieldaten auf der DVD zu finden seien und kleine Updates im Nachhinein gezogen werden können.

Die nächste Merkwürdigkeit ereignete sich beim Starten des Spiels. Ein Fenster, dessen Inhalt zu 80% von Spielewerbung eingenommen wurde, erschien plötzlich. Scheinbar ein gewisser „Kalypso Launcher“, wie klein am unteren Ende des Fensters zu lesen war. Neben der Werbung beinhaltete es noch Eingabefelder für Benutzername und Passwort.

Ein hypnotisch in Blau blinkender Button mit der Aufschrift „Weiter“ forderte meine Aufmerksamkeit. Da jedoch nicht zu erkennen war, was der höhere Sinn hinter dieser Eingabemaske war, besonders in Bezug auf das aktuelle Spiel, folgte ich meiner angebrachten Skepsis und nutzte den zu meiner Freude implementierten „Überspringen“-Button. Da Steam-, beziehungsweise Onlinezwang bei vielen Spielern für Missgunst sorgt, sollte der Hersteller besser nicht mit weiteren Anmeldefenstern vor dem Spielen für schlechte Laune sorgen.

Gameplay
Hat man die Tücken des Installationsprozesses überwunden, darf man sich über das eigentliche Spiel freuen, was mit einer langen Rendersequenz eingeleitet wird und darf in den Prolog starten. Schön ist die Wahl aus einem von 3 Schwierigkeitsgraden, der je nach Bedürfnis innerhalb des Spiels auch wieder geändert werden kann.

Das Schwarze Auge – Demonicon1

Anders als bei DSA-Spielen gewöhnt, wird nicht mit einer komplexen Charaktererstellung begonnen, sondern man findet sich mit seinem fertigen Alter Ego direkt in der Spielwelt wieder. Dieser Aspekt motivierte mich besonders zum Spielen von Demonicon, da die Charaktererstellung in „DSA: Drakensang“ beispielsweise den Spielfluss erheblich minderte.
Das Spiel besitzt wie in RPGs üblich ein Logbuch, in welchem man Quests und Tagebucheinträge nachlesen kann. Durch das Erfüllen von Quests und Besiegen von Gegnern können Skillpunkte gesammelt werden, mit welchen man Fähigkeiten und Talente (Schlösser knacken, Rezepte, Schmieden…) aufrüsten kann.

Demonicon bietet eine Fülle dieser Talente und immer wieder findet man Pflanzen, Truhen oder trifft auf Gesprächspartner, wo diese gekonnt zum Einsatz kommen können. Auch der Einsatz von Zaubern darf natürlich nicht fehlen. Diese Zaubertechniken bedürfen jedoch einer höheren Eingewöhnungszeit oder Umbelegung der Steuerung, denn die linke Maustaste gedrückt zu halten, mit WSAD den Charakter zu navigieren und nebenbei noch eine der Zahlentasten zu drücken, während man Gegnerhorden ausweicht, nur um einen Zauber zu sprechen, ist nicht ganz einfach.

Gekämpft wird jedoch erst einmal nur mit einem alten Standardschwert. Die Kämpfe an sich sind in den ersten Leveln einfach gehalten, sodass man genug Zeit hat, die Spielmechaniken zu erlernen und das ohne zu sterben.

Das Schwarze Auge – Demonicon3

Da wir von einem NPC zum Tempelberg geleitet wurden, hätte ich mir gewünscht, dass dieser uns eine Weile begleitet und wir von ihm über ein integriertes Tutorial unsere Hinweise erhalten. Leider geschieht dies nicht und wir müssen unseren Weg alleine bestreiten. Cairon zieht sein Schwert übrigens automatisch, wenn Gegner in seine Nähe kommen. Das Level wird daraufhin für den Spieler hermetisch durch Barrieren abgeriegelt, sodass man erst den Kampf beenden muss und danach wieder weiter kann.

Da die Spielmechanik des Springens nicht implementiert wurde, fühlte ich mich vom Designer leicht auf den Arm genommen, als ich von einer knöchelhohen Schwelle ausgebremst wurde.

Zusammengefasst kann man sich leider nicht die Zeit mit Springen und Schwertrumfuchteln versüßen, wenn man von A nach B läuft. Na gut, spieltechnisch macht es Sinn, aber lustig wäre es dennoch.

Die Story wird an vielen Stellen durch spannende Entscheidungsmöglichkeiten interessant gestaltet. Diese reichen von „Eigentlich egal, was ich nehme.“ bis „Das ist beides moralisch nicht korrekt, verdammt.“ und erhöhen den Wiederspielwert.

Gameplaytechnisch ist die Entscheidungsfreiheit des Spielers jedoch für meinen Geschmack zu stark eingegrenzt. Dies fängt beim festgelegten Ziehen des Schwertes in Kampfsituationen, kombiniert mit Eingrenzung des Gebietes an und hört bei der automatischen Speicherfunktion auf.

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Der Questkompass am oberen Bildschirmrand ist ebenfalls nicht abschaltbar und verhindert das selbstständige Rätseln, wohin man gerade gehen muss. Eine Lenkung des Spielers durch solch ein Design verhindert zwar das Auftreten von Bugs durch unvorhergesehenes Spielerverhalten, führt aber auch dazu, dass man sich leicht eingeschränkt und bevormundet fühlt.

Ohne etwas zu spoilern, lässt sich zur Story nur sagen, dass diese sowohl solide als auch düster ist und sich gut in das Setting um Aventurien einbettet. Leider kommen einige Storywendungen viel zu früh, ohne dass sich vorher eine richtige Atmosphäre beim Spieler aufbauen konnte. So wird man emotional leider nicht vollständig mitgerissen.

Anzumerken wäre noch, dass Demonicon eine lange Zeit braucht, ehe es richtig in Fahrt kommt. Die Kämpfe sind die ersten Stunden über mehr als einfach und monoton. Erst wenn man den Prolog und das erste Kapitel hinter sich gebracht hat, nehmen die Schlachten deutlich mehr Fahrt auf und bringen den Spieler ins Schwitzen. Man sollte sich also nicht allzu schnell abschrecken lassen und das Spiel weglegen, die Geduld zahlt sich später aus.

Grafik
Der grafische Stil verkörpert die typische Atmosphäre und das Setting vom schwarzen Auge. Die Welt ist komplett dreidimensional und bedient sich keines besonderen visuellen Filters, sondern wurde versucht, realistisch zu halten. Leider wirkt es oft ein bisschen steril, so könnten mehr Partikel- und Wettereffekte das Spielgefühl doch auf simple Weise vertiefen.

Allgemein ist das Spiel grafisch nicht mehr auf Höhe der Zeit und Konkurrenten des RPG-Genres, wie beispielsweise Risen 2, warten mit hübscherer Optik und einer lebhafteren Umwelt auf. Auch Grafikfehler, wie falsch berechnete Schatten, treten öfter ebenso wie Aliasing-Effekte auf.

Viele Texturen wirken zudem zu niedrig aufgelöst. Es macht keinen guten Eindruck, wenn in Gesprächssequenzen Wandtexturen im Hintergrund detaillierter und höher aufgelöst erscheinen, als die Hauttextur des Charakters, der direkt vor uns steht. Das Spiel wurde übrigens auf höchsten Grafikeinstellungen mit einem dementsprechend leistungsstarken Quad Core Rechner getestet.
Was der Glaubwürdigkeit des Spiels leider Abbruch tut, sind die etwas starr wirkenden Gesichtsanimationen. Natürlich erwartet man kein zweites „Heavy Rain“ oder „Bioshock: Infinite“, doch sollten sich Emotionen heutzutage nicht nur aus der Synchronisation erschließen lassen.

Besonders in spannungsgeladenen Situationen wirken die Charaktere etwas steif und drücken mit ihrer „Körpersprache“ nicht die Bedrohlichkeit des Moments aus. Manche NPCs wirken, als würden sie schielen und hinterlassen so einen ungewollten dümmlichen Eindruck, der jedoch für ein paar Grinser während des Spiels sorgt.

Es wurde versucht, die Levels detailreich zu gestalten, was meistens auch gelingt. Leider wirken diese aber nicht lebhaft genug. Kommt man nach Ende des Prologs in Warunk an, findet man eine Stadt vor, dessen Bürger körperlich am Ende sind. Dies muss nicht zwangsweise bedeuten, dass die Stadt auch starr und leblos umgesetzt wird. Ein paar mehr NPCs, die von A nach B gehen, sich unterhalten oder kleine ausgelöste Skriptsequenz können beim Spieler viel bewirken. Auch NPCs, die man ansprechen kann, aber nur einen Standardsatz von sich geben, machen viel aus. Von allem gibt es in Demonicon viel zu wenig, was sehr schade ist.

Schön gelungen sind im Gegensatz dazu aber die Artworks von Levelübergängen und 2D-Cutscenes bei Kapitelwechsel. Besonders letztere wirken auf Grund ihrer künstlerischen Art sehr atmosphärisch und passend zur Stimme des Erzählers. Durch die grafischen und interaktiven Schwächen wirkt Demonicon ab und zu wie eine Konsolenportierung, dabei erscheint es erst im Folgejahr für PS3 und XBOX360.

Sound und Musik
Was die Vertonung des Spiels angeht, so kann man nur betonen, dass die Synchronisation sehr gut gelungen ist. Im Laufe des Spiels begegnen einem eine ganze Reihe bekannter Synchronsprecher, wie die von Brad Pitt, Miranda Lawson (Mass Effect) und Lara Croft. So machen Gespräche Spaß und man hat immer mal wieder das „Kenne ich den/die nicht?“-Gefühl. Demonicon besitzt passend zum düsteren Setting einen passend atmosphärischen Soundtrack, der die Stimmung der einzelnen Levels gut unterstreicht. Schade ist allerdings, dass spannungsgeladenen Situationen meist nicht zusätzlich durch Abänderungen der Hintergrundmusik unterstrichen werden.

Fazit
„Das Schwarze Auge: Demonicon“ ist ein etwas anderes DSA-Spiel, welches ich eher Pen-&-Paper-Verfechtern empfehlen würde. Wobei Anhänger der Pen-&-Paper-Spiele etwas enttäuscht wären auf Grund der mangelnden individuellen Gestaltung des Charakters.

Abgesehen von ein paar Schönheitsfehlern ist es aber ein solides Rollenspiel. Wer kein AAA-Game erwartet und kein Grafikfanatiker ist, stattdessen Wert auf eine interessante Story mit vielen Entscheidungen legt, kann bedenkenlos zugreifen. Man sollte nur ein bisschen Geduld mitbringen, da es erst mit fortgeschrittener Spielzeit kampfmäßig in Fahrt kommt, aber dann auch richtig Spaß macht.

  • Entwickler: Noumena Studios
  • Publisher: Kalypso MediaGetestet von Maria Manneck

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