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M.U.D. TV

Fast 20 Jahre ist es her, dass Mad TV die Festplatten unsicher machte. Nun schickt sich Kalypso an, an dieser Erfolgsgeschichte anzuknüpfen. soll sich als (inoffizieller) Nachfolger seines geistigen Vorfahren etablieren und den Spieler an die Bildschirme bannen. Zugegebenermaßen ein reichlich schweres Unterfangen, die bisherigen Versuche anderer Hersteller sind in der Beziehung ziemlich gefloppt. Bislang gibt es auf dem Markt nichts, was sich in Inhalt und Umsetzung als Maß der Dinge bezeichnen lassen könnte. Dieses spieltechnische Machtvakuum soll nun M.U.D TV (zu deutsch „Dreck TV“) füllen – ob das gelingt?

Bereits auf der Gamescom 2009 haben wir einen ersten Blick riskiert und waren angenehm überrascht. Die Kombination aus Fernsehparodie und Wirtschaftssimulation hat enormes Potenzial, dementsprechend gespannt waren wir auf die Endfassung. Kurzum, als das Spiel bei uns eintraf, konnten wir es kaum erwarten, loszulegen.

Zu Beginn macht das Spiel einen guten Eindruck. Angefangen vom Intro bis hin zum Tutorial – legt einen Start nach Maß hin. Insbesondere der interaktive Einstieg in die Bedienung des Spiels war für uns eine besonders positive Überraschung. Die Nutzer werden stückweise, anhand praktischer Aufgabenstellungen und einfacher Anweisungen, an das Spiel herangeführt. Der Weg zum fiesen Medienmogul wird quasi durch eine praxisnahe Mini-Schulung vorbereitet. Das erste Ärgernis ließ aber auch nicht lange auf sich warten, die dritte Tutorialmission führte permanent zum Absturz des Spiels. Das Problem wurde zwar bereits mit einem Patch gelöst, allerdings hätte man sich einen solchen Fehler sparen können.

Nachdem wir unseren Lehrgang zum aufstrebenden Programmdirektor und zukünftigen Weltherrscher des miesen TV-Geschmacks absolviert haben, wollten wir unser Können dann auch richtig unter Beweis stellen. Dem Nutzer werden dafür drei Möglichkeiten geboten: Er kann sich in verschiedenen Kampagnenmissionen austoben, im freien Spiel ein TV-Imperium aufbauen oder im Mehrspielermodus gegen reelle Gegner antreten. Die ersten beiden Varianten können im Schwierigkeitsgrad variiert werden, darüber hinaus werden auch weitere Modifikationsmöglichkeiten angeboten.

Hat sich der User für ein Spiel entschieden, kann es dann auch losgehen. Im Kern ist der Nutzer der Programmchef und Vermarkter in einer Person. Er muss sich Filme, Serien oder Shows, die jeweils für bestimmte Zielgruppen ausgelegt sind, besorgen und damit möglichst viele Zuschauer zum intensiven Fernsehkonsum anregen. Über die Publikumsresonanz entscheidet nicht nur die Qualität der Sendung, sondern auch deren Positionierung im Sendeplan. Jede Zuschauergruppe hat ein anderes Einschaltverhalten, mancher schaut lieber Morgens in die Röhre, andere zieht es Mitternacht vor die Mattscheibe. Außerdem muss noch die Konkurrenz im Auge behalten werden, diese sendet natürlich auch und kann unter Umständen ein echtes Ärgernis sein. Natürlich arbeiten diese nicht nur mit lauteren Mitteln sondern auch mit Sabotage. Manchmal aber reicht schon ein Störsender oder ein Feueralarm, um den Gegner in die Schranken zu weisen.

Sobald der Sendeplan steht, kann man sich die verschiedenen Werbeverträge zu Gemüte führen und diese nutzen, um den Kontostand etwas aufzupolieren. Meist beinhalten die Verträge Angaben darüber, wer diese Werbung sehen soll und wie viele Zuschauer es braucht, um den Vertrag zu erfüllen. Können die Vorgaben nicht erfüllt werden, ist eine saftige Vertragsstrafe fällig. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, an Geld heranzukommen oder zumindest die Ausgaben zu regulieren. So ist es beispielsweise möglich, eigene Sendungen zu produzieren, Mitarbeiter auszubilden oder nach verschiedenen Neuerungen zu forschen, die der Konkurrenz das Leben schwer macht.

Trotz zahlreicher Möglichkeiten, sich im TV-Geschäft betriebswirtschaftlich zu entfalten, gelingt es aber nicht wirklich, spielerische Tiefe zu erzeugen. Wer das Tutorial erfolgreich absolviert hat und kein blutigster Anfänger im Genre der Wirtschaftssimulationen ist, wird schnell ins Geschäft finden. Auch der rasante Einstieg ins Leben eines Programmdirektors, bei dem man von Beginn an überlegt spielen sollte, ändert daran recht wenig. Beim freien Spiel fehlen beispielsweise Zusatzereignisse, die für den nötigen Pepp hätten sorgen können. Auch hätte man sich die eine oder andere Vermarktungsmöglichkeit überlegen können, die man dem Spieler zusätzlich zur Verfügung stellt. Auch wären etwas mehr statistische Darstellungsmöglichkeiten für die Programmplanung nützlich gewesen. Auch ganz nett wäre gewesen, wenn dieser an der einen oder anderen Produktion selbst hätte Hand anlegen können. Denn die Möglichkeit., selber einen Film zu drehen, hat der Nutzer leider nicht. Auch haben sich ein paar Unstimmigkeiten eingeschlichen, beispielsweise kann man bereits um 12:00 Uhr Mittags eine billige Erotiksendung ausstrahlen. Zwar wird dem Spieler eine durchaus solide Wirtschaftssimulation geboten, aber die ganze Sache hätte viel mehr Potenzial gehabt.

Schade ist auch, dass der bissige Witz nie so recht zum Tragen kommt. Zwar sind die Figuren und die gesamte Aufmachung ganz witzig, aber auch hier schöpft das Spiel sein Potenzial nicht wirklich aus. Gerade die aktuelle Medienlandschaft hätte durchaus Möglichkeiten geboten, den einen oder anderen intelligenten Seitenhieb auf Kino und Fernsehen unterzubringen – so richtig gelungen ist das nur leider nie. Zwar gibt es immer mal wieder lustige Anspielungen, allerdings beließen es die Macher dabei. Wirklich schade, denn das Spielkonzept hätte auch hier deutlich mehr Potenzial gehabt – mehr als letztendlich genutzt worden ist.

Auch Grafik und Vertonung sind sehr solide, aber diese hätte man ebenso ein wenig ausdrucksstärker (und pointierter) ausgestalten können. Zwar sind die Figuren ganz lustig, aber irgendwie fehlt (noch) der nötige Biss. So hätte man den einen oder anderen Protagonisten aus Film und Fernsehen durchaus ein wenig griffiger (sowohl akustisch als auch visuell) aufs Korn nehmen können. Der Sound ist zwar soweit OK, allerdings gibt es auch hier Verbesserungspotenzial. In beiden Punkten hätten die Macher ein wenig mehr nachlegen können – Schade!

Unser schlussendliches Fazit ist (leider) ein wenig ernüchternd ausgefallen. Das Spiel hat wirklich eine Menge Potenzial gehabt, konnte aber unsere (zugegebenermaßen hohen) Erwartungen nicht erfüllen. Der Spieler bekommt eine sehr solide Wirtschaftssimulation mit einem Hauch Ironie und Medienkritik – mehr leider nicht. Der Kaufpreis von unter 40€ ist durch die gebotene Qualität gerechtfertigt, dem Käufer wird ein ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis geboten. USK gab das Spiel ab einem Alter von 12 Jahren frei, wir empfehlen eine Altersgrenze von ca. 14-15 Jahren. Für Jüngere dürften sowohl das Thema des Spiels als auch dessen Umsetzung eher ungeeignet sein.

  • Publisher (Entwickler)  Kalypso Media
  • System  PC (DVD-ROM)
  • USK  ab 12
  • Empfohlener VK  39,90 €

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