Mass Effect 2

Knapp anderthalb Jahre nach Veröffentlichung des ersten Teils der Trilogie wurde nun der zweite herausgebracht. Kritiker überschlugen sich förmlich mit den Lobeshymnen und auch die Verkaufszahlen zeigen an, dass das Spiel auf ganzer Linie zu überzeugen scheint. Auch wir haben uns das Spiel zu Gemüte geführt und sind hellauf begeistert.

Vorgeschichte: Mass Effect
“ knüpft unmittelbar an den ersten Teil der Weltraum--Trilogie an. Die Menschheit hat sich längst aus dem Sonnensystem herausbewegt und bevölkert nun die Milchstraße. Verantwortlich dafür ist die Entdeckung neuer Technologien, welche die Überwindung riesiger Entfernung drastisch vereinfachen. Insbesondere der Masseneffekt ist für diesen technischen Fortschritt eine der Grundvoraussetzungen gewesen. „Mass Effect“ fokussiert vor allem die Auseinandersetzung mit Sovereign und den Reapern. Nachdem diese besiegt wurden, soll Commander Shepard mit dem Schiff „Normandy“ die letzten Widerstandsnester aufspüren und zerstören. Er / sie (je nach dem, für welches Geschlecht man sich entscheidet) glaubt indes nicht daran, dass die Gefahr mit einer einzigen Schlacht und einer kleinen Aufräumaktion gebannt worden ist.

Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein riesiges Schiff auf und attackiert die Normandy, obwohl sich diese noch im Tarnmodus befindet und eigentlich für jeden unsichtbar sein müsste. Dank dem Einsatz des Commanders können sich die meisten Crew-Mitglieder retten, Shepard jedoch scheint verloren – er/ sie stürzt samt Raumanzug in die Atmosphäre eines Planeten.

Story und Inhalt:
“ setzt knapp 2 Jahre nach dem Unglück an. Der/ die todgeglaubte Shepard erwacht, wenn auch etwas unerwartet, zu neuem Leben. In einem gewaltigen Projekt wurde ihre/seine Leiche geborgen und buchstäblich zusammengeflickt und durch Implantate reaktiviert. Kurz bevor auch die letzten Narben verheilen konnten, findet sich der Commander mitten im Schlachtgetümmel wieder. Die Anlage, die bei diesem Projekt federführend gewesen ist, wird angegriffen und der/die Wiedererweckte soll schnellstmöglich zum rettenden Shuttle.

Sobald die ersten Schritte getan wurden, wird er/sie umfassend darüber informiert warum er/sie von den Toten zurückgeholt wurde und vor allem, wer der Sponsor des Projektes war: Cerberus. Unter dem Codenamen „Lazarus“ wollte die privat finanzierte, undurchsichtige Organisation Shepard reaktivieren. Ihr/ihm glaubt man, dass die Gefahr noch nicht gebannt ist und das von unerwarteter Seite erhebliche Probleme drohen.  Das kündigt sich damit an, das es seltsame Überfälle auf menschliche Kolonien gibt. Dort finden sich jedoch keine Kampfspuren, einzig die völlig verwaisten Häuser zeugen davon, dass etwas Schreckliches vorgefallen sein muss. Zusammen mit einer von ihr/ihm zusammengestellten Crew und der Normandy 2 soll sie/er das Geheimnis lösen und die Existenz allen Lebens schützen.

Steuerung
Hat der Spieler seinen Charakter gewählt oder seinen Spielstand von „Mass Effect“ importiert, geht es auch schon los. Zuerst muss man wohlbehalten aus der Cerberus-Anlage entfliehen. Hilfe bekommt man dabei von zwei Mitarbeitern der Anlage, mit denen man sich arrangieren muss. Während des Spiels wird man oft in einem 3-Mann-Team arbeiten und muss seine Mitstreiter entsprechend einsetzen, um die Missionen erfolgreich abzuschließen, so auch hier. Die Steuerung von Shepard und Mitkämpfern ist simpel und lässt sich an die eigenen Bedürfnissen anpassen. Selbst Neulinge dürften kaum damit Probleme haben.  Für einen optimalen Einstieg gibt es die Möglichkeit, sich die verschiedenen Techniken in Tutorials näher bringen zu lassen, dahin gehend ist das Spiel mehr als benutzerfreundlich.

Handhabung
Wie in anderen Rollenspielen ist aber nicht nur die Fertigkeit im Kampf entscheidend, sondern vor allem die Vorbereitung darauf. So lassen sich Waffen und Ausrüstung verbessern, ebenso wie die einzelnen Fähigkeiten und die Beziehung unter den jeweiligen Akteuren. An die nötige Technik kommt man mit Hilfe von Rohstoffen, einem entsprechenden Kleingeld und/oder etwas Erfolg bei den einzelnen Missionen heran. Die Fertigkeiten lassen sich vor allem durch die Absolvierung der einzelnen Aufträge verbessern.

Die Beziehungen der einzelnen Teammitglieder ist ebenfalls von nicht unerheblicher Relevanz. Hier ist das nötige Fingerspitzengefühl entscheidend, vor allem im Gespräch sollte man ein gewisses Feingefühl walten lassen. Einige Entscheidungen oder etwas „falsch“ Gesagtes kann durchaus Auswirkungen haben. Ziel sollte sein, dass die Crew sich möglichst loyal gegenüber dem Commander verhält. Um die Ausgangssituation zu verbessern, kann man im Laufe des Spiels einen Ruf als „Abtrünniger“ oder „Vorbild“ aufbauen. Diesen erwirbt man nicht nur im Kampf oder Gespräch, sondern es gibt im Laufe des Spiels verschiedene Möglichkeiten, Heldentaten zu vollbringen. Nebenbei bemerkt kann man auch eine Romanze mit einzelnen Teammitgliedern anfangen, einen guten Draht zu diesen vorausgesetzt.

Neben Dialog und Kampf gibt es außerdem diverse Minispiele. Bei diesen muss man entweder verschiedene Punkt richtig und schnell miteinander verbinden oder verschiedene Codeabschnitte richtig heraussuchen. Als Belohnung erwarten einen verschiedene Technologien, Geld oder die Möglichkeit, die laufende Mission erfolgreich beenden zu können. Der Spieler muss zahlreiche Haupt- und Nebenquests bestehen. Abhängig von der letztendlichen Auswahl der Missionen und des Schwierigkeitsgrades kommt man auf ca. 15-50 Stunden Spielzeit.

Wie bereits deutlich geworden sein sollte, das Spiel ist durchaus als actionlastig zu bezeichnen. Die verschiedenen Missionen, in welchen es gilt, den Gegner mit kriegerischen Mitteln in die Schranken zu weisen, nehmen einen Großteil der Spielzeit ein. So mancher sah sich dahin gehend veranlasst „“ als einen Shooter mit Rollenspielcharakter zu bezeichnen. So richtig zum Tragen kommt diese Einschätzung, nach unserem Test, nicht. Es stimmt schon, dass der Kampf einen wesentlichen Teil ausmacht. Dennoch muss man nicht nur kämpfen. Angefangen vom Sammeln der Ressourcen bis hin zum Sprechen mit den Crewmitgliedern bietet das Spiel deutlich mehr als nur „Herumgeballere“. Sicherlich lässt sich „“ damit bestreiten, dass man sich den Weg freischießt und eine Karriere als brutaler „Abtrünniger“ anvisiert. Allerdings sind die Dialoge und die zu wählenden Gesprächsoptionen immer noch sehr relevant für den Verlauf der Geschichte. Die Story, die sich um das Spiel herum entfaltet, sorgt für eine atmosphärische Stimmung, die regelrecht dazu ermutigt, die Umgebung zu erkunden und alle Möglichkeiten der Kommunikation zu nutzen.

Das Spiel bietet zahlreiche Details, angefangen von der eigenen Kapitäns-Kabine, die man verschönern kann, bis hin zur sagenumwobenen Romanze mit einem Teammitglied. Zahlreiche Kleinigkeiten machen einen wesentlichen Teil der stimmigen Atmosphäre aus, beispielsweise die Dialoge zwischen dem Team während einer Mission. Die Möglichkeit, seine Mannschaft sowohl charakterlich als auch technisch zu formen und in eine komplexe Story mit zahlreichen Details einzutauchen, machen das Spiel zu einem Action-Rollenspiel auf sehr hohem Niveau. Mit einem Shooter hat das Spiel, unserer Einschätzung nach, nur wenig zu tun.

Grafik, Sound und Systemanforderungen

Die Systemanforderungen sind ziemlich hoch und deuteten bereits an, dass hier einem einiges geboten wird. Sowohl die Gestaltung der Schauplätze als auch die der Personen lassen kaum einen Wunsch unerfüllt. Hinzu kommt die sehr gute Auswahl an Sprechern, welche die stimmige Atmosphäre des Spiels komplettiert. Selbst die einzelnen Videosequenzen haben ein sehr ansprechendes Niveau – großes Lob!

Etwas schade sind einige Bugs im Spiel, die uns an der einen oder anderen Stelle ziemlich genervt haben. So klebte beispielsweise unser Shepard (mit seinem Kopf) an der Decke und war nicht mehr auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Ein anderes Mal war der Commander zwischen 2 Crewmitgliedern eingeklemmt und konnte sich gleich gar nicht mehr bewegen.

Generell gilt, dass sich der Spieler darum bemühen sollte, möglichst im Besitz aktueller Treiber für die Hardware zu sein. So manches Problem im Spiel, wie beispielsweise ein unverhoffter Absturz, lässt sich dadurch beheben. Auch ist bereits ein Patch zum Spiel erschienen, wahrscheinlich werden noch einige andere folgen. Im Regelfall halten sich die Probleme jedoch in Grenzen, zumal sich durch das Autosave die schlimmsten Schäden, zumindest in ihren Auswirkungen, beheben lassen. Vor dem Kauf sollte dringend darauf geachtet werden, dass der Spielrechner über die nötige Systemleistung verfügt. Besonders problematisch könnte das bei Laptops sein, denn offiziell werden nur NVIDIA- und ATI-Radeon-Grafikkarten unterstützt.

Weiterhin ist ein Internetanschluss empfehlenswert. Dieser ist insbesondere dann von Nutzen, wenn der Techniksupport benötigt wird – das geht zwar auch via Telefon, aber das kostet 0,25€ pro Minute. Außerdem lässt sich so das „Cerberus-Netzwerk“ aktivieren und man erhält so Zugriff auf zusätzliche Inhalte.

Fazit

Das Spiel wurde zu Recht mit Lobeshymnen überschüttet. „“ ist eine echte Empfehlung für Rollenspielfans, die ein wenig mehr Action lieben. Für Jüngere ist das Spiel jedoch nicht geeignet: USK empfiehlt, dass das Spiel erst Personen ab einem Alter von 16 Jahren zugänglich gemacht werden sollte. Auch wir würden zu einer solchen Altersempfehlung tendieren. „“ ist nicht gerade ein Hort der friedlichen Zweisamkeit, mal von der Prise Erotik abgesehen – diese jedoch fundiert letztendlich unsere Alterseinschätzung. Wir würden dahin gehend empfehlen, dieses Spiel erst Personen ab einem Alter von wenigstens 15-16 Jahren zugänglich zu machen. Falls Sie sich nicht sicher sein sollten, ob das Spiel für Sie oder Ihre Kinder geeignet ist, würden wir Ihnen die kostenfreien Trailer und Videosequenzen ans Herz legen. Diese vermitteln einen ersten Eindruck und bieten eine solide Entscheidungsgrundlage.

Das Spiel ist für unter 50€ im Handel erhältlich, in Anbetracht der sehr guten Leistung ein Preis, der mehr als in Ordnung geht. (S. Z.)

  • Publisher Electronic Arts
  • System  PC (DVD-ROM)
  • USK  ab 16 Jahren
  • Empfohlener VK  49,99 €

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