Urban Pirate im Test

Das Entrinnen des alles zermürbenden Mühlen des Alltags ist ein Thema, dass schon so manchen Entwickler in der Unterhaltungsindustrie beflügelte. ist ein neuerlicher Versuch sich in einer kurzweiligen Arcade-Umgebung den Mühen des städtischen Lebens auseinanderzusetzen.


Mach kaputt, was dich kaputtmacht!

Die Story ist im Grunde simpel: Um den grauen Alltag zu entrinnen, entschließt sich der Eine, die „einsame“ Seele im endlosen Grau des urbanen Dschungels die Profession zu wechseln, und wird urbaner Pirat. Als solcher muss er sich nicht mehr den profanen Einerlei der tristen Fließbandarbeit hingeben, sondern sich den Herausforderungen des Piratenalltags stellen: Das Vermeiden des Suizides nach einem gepflegten Nervenzusammenbruch oder dem Bedienen der allzu menschlichen Bedürfnisse des eigenen Körper nach Nahrung. Und wie ließe sich das besser bewerkstelligen, als durch eine gepflegte Runde mit Gleichgesinnten, dem heldenhaften „Befreien“ von Lebensmitteln im örtlichen Supermarkt oder dem erholsamen Genuss eines selbst gedrehten Joints.

Was in der anfänglichen Piratenromantik reichlich simpel klingt, macht schon nach einiger Zeit ordentlich Mühe. Der Supermarkt rüstet auf, die Polizei fährt Streife und der Treff mit Freunden wird immer mal wieder durch eine Razia verhindert. Und selbst der Jointgenuss ist nicht kostenfrei, sondern muss mit hart verdientem Geld bezahlt werden, welches auch mal gerne im genannten Treff als Barkeeper verdient werden kann. Das subversive Unterminieren des Systems funktioniert dann doch nicht ganz so, wie es im „Urban Pirat“-Lehrbuch für Anfänger steht. Dafür gibt es dann aber den Spieler, der den Freibeuter ein wenig auf die Sprünge hilft…

Die Spielidee ist hier freilich ein wenig überspitzt dargestellt und weit weniger revolutionär angehaucht als ursprünglich dargestellt. Dennoch kommt die sozialkritische Komponente schon immer mal wieder durch. Obgleich die Spielmechanik simpel ist, waren die Entwickler versucht eine interessante Rahmenhandlung zu bieten – und es ist ihnen durchaus gelungen.


Spielmechanik

Das Spiel erinnert in weiten Teilen an die Arcade-Klassikern der 80-er Jahre: Vermeide die Bösen, schnapp dir die Guten und sei so reaktionsschnell wie möglich. Gesteuert wird mit der Tastatur und die Erklärung welche Taste wann zu drücken ist, wird auch mitgeliefert. Spielprinzip und Steuerung sind selbsterklärend. Auch die Spieloberfläche ist aufgeräumt: Zum einen bewegt man sich auf einer Inselkarte, um zu den einzelnen Orten des Geschehens zu wechseln. Zum anderen gibt’s eine Sonderkarte, wenn die Flucht beim misslungenen Supermarktklau ansteht. Im letztgenannten Fall müssen Hindernissen ausgewichen und gegebenenfalls Ballast abgeworfen werden, um der Polizei zu entkommen. Dies wird freilich immer schwieriger und kostet, falls man erwischt wird, eine Stange Geld. Je öfter man in Gewahrsam kommt, desto höher die Gefahr des digitalen Suizids der Spielfigur oder des Ablebens durch Hunger.


Die Grafik und der Sound machen auf den ersten und zweiten Blick nicht viel her, vermitteln aber ein stimmiges Gesamtbild. Die ganze Umsetzung von ist eine Reminiszens an die Arcadespiele der 80-er Jahre. Was sich in der Einfachheit von Spielmechanik und Steuerung bereits deutlich geworden ist, wird damit auch in der audiovisuellen Umsetzung erlebbar: Gesichter sind nicht bis ins Detail ausgearbeitet. Zwar sind Mimik und Umrisse deutlich zu erkennen – damit hört’s dann aber im Detailreichtum schon auf. Das eingängige Hintergrundgedudele sowie die grobschlächtige Grafik versprühen einen Retrocharme der seinesgleichen sucht. Wer aktiv nach einem solchen Spielerlebnis sucht, der wird mit viel Freude haben, wer damit nichts anfangen kann dürfte sich nur eingeschränkt für dieses Spiel erwärmen können.


Fazit

© Baby Duka | BD Games

Das Spiel bietet ein stimmiges Gesamtpaket: Spielmechanik und Umsetzung passen wie die „Faust auf’s Auge“ und versprühen zusammen ein wunderbaren Arcade-Retro-Charme. Auch die Rahmenhandlung ist überzeugend gelungen, insbesondere der unerwartet gesellschaftskritische Anstrich der Story überrascht den Spieler positiv. Für wen ist das Spiel nun also geeignet? Für Jüngere dürfte es jedenfalls weit weniger interessant sein. Zum einen ist die Gesellschaftskritik nicht gerade Zielgruppen kompatibel, zum anderen sind Selbstmord und Ladendiebstahl nicht gerade kinderfreundlich. Das Spiel richtet sich demnach eher an ein älteres Publikum mit ausgewiesener Arcade-Retro-Affinität. Unter diesen dürften Gelegenheitsspieler mit bestens bedient sein.

Mit knapp 6 Euro ist das Spiel nicht unbedingt ein Schnäppchen, aber viel falsch machen kann man mit dem Preis auch nicht. Aus unserer Sicht ist  ein gut gelungenes Kleinod und ein Geheimtipp unter den -Spielen.

Bildquelle:  |

Bewertung

8.6 Bewertung

Das Spiel bietet ein stimmiges Gesamtpaket: Spielmechanik und Umsetzung passen wie die „Faust auf’s Auge“ und versprühen zusammen ein wunderbaren Arcade-Retro-Charme. Auch die Rahmenhandlung ist überzeugend gelungen, insbesondere der unerwartet gesellschaftskritische Anstrich der Story überrascht den Spieler positiv. Das Spiel richtet sich eher an ein älteres Publikum mit ausgewiesener Arcade-Retro-Affinität. Unter diesen dürften Gelegenheitsspieler mit bestens bedient sein.

  • Grafik 7/10
  • Sound 7/10
  • Balance 9/10
  • Atmosphäre 10/10
  • Bedienung 10/10
  • KI 8/10
  • Spielidee 9/10

Weitere Informationen

  • Titel: Urban Pirate im Test
  • Kategorie: Computerspiele
  • Verlag: Baby Duka | BD Games

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