The Last of Us

Der Entwickler Naughty Dog bringt sein neues Spiel „ “ auf den Markt. Vielen Spielern dürfte Naughty Dog ein Begriff sein. Sie sind nämlich die Schöpfer der Spieleserie Uncharted. Doch diesmal entfernt sich der Entwickler von der Action Adventure Schiene und erschafft mit ein Schleichspiel, was in vielen Belangen eine Menge richtig macht. Doch eins nach dem anderen.

Wenn die Menschheit sich selber vernichtet
Die Geschichte von unterscheidet sich nicht großartig von anderen Szenarien, die in einer apokalyptischen Welt spielen. Nach einer Infektion sind viele Menschen durchgedreht und haben andere Menschen angegriffen. Ein Chaos ist ausgebrochen und hat viele Teile der Erdbevölkerung dezimiert. Es existieren viele Infizierte, die man auch gerne als Zombies bezeichnen kann sowohl außerhalb als auch innerhalb von Städten.

Das Militär überwacht viele Bereiche und kontrolliert die Bevölkerung und geht gnadenlos gegen infizierte Menschen vor. Die Inspiration der Infektion kommt sogar aus der Natur. Dort gibt es nämlich eine Pilzart, die Ameisen befällt und die die Ameisen dann kontrolliert. Eine sehr einfallsreiche Idee, das in ein Computer-Spiel zu verflechten. Das gibt dem Spiel eine kleine Note realistischen Horrors, da es ja so was wirklich auch mal geben kann.

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Aber zurück zur eigentlichen Geschichte. Man schlüpft in die Rolle von Joel, der die Anfänge der Epidemie miterlebt. Nach einer knapp 20-minütigen Einführung kommt ein großer Zeitsprung und wir sehen unseren gealterten Joel wieder. Ein seiner Seite die gestandene Frau Tess. Gemeinsam versuchen sie, für ihr Überleben zu kämpfen. Da Geld nutzlos ist in einer Welt, wo es nichts mehr zu erwerben gibt, zählt nur der gute alte Handel Ware gegen Ware. Lebensmittelkarten spielen dabei eine sehr große Rolle, wenn es um Tauschgeschäfte geht.

Mit ihnen werden Leute bestochen, oder es gibt sie im Tausch gegen Medizin oder Waffen. Naughty Dog hat viel Liebe und Mühe investiert, so was merkt man vor allen Dingen an solch stimmigen Details. Tess und Joel wurden bei ihrem letzten Auftrag über das Ohr gehauen und machen sich auf den Weg, ihre Ware zurück zu holen.

Dabei treffen sie auf die Anführerin der Fireflies. Die Fireflies sind eine Gruppe Widerstandskämpfer, die sich dem Militär wiedersetzen und sich mit ihnen blutige Gefechte liefern. Es stellt sich heraus, dass die Anführerin Marlene die Waffen erworben hat und schlägt unserem Duo ein Deal vor. Der beinhaltet, eine Ware aus der Stadt zu schmuggeln. Somit beginnt die Reise ins Ungewisse.

Gewalt als stilistisches Mittel
In einer Welt, wo das Gesetz der Stärken gilt und wo sich jeder nur auf das nackte Überleben konzentriert, ist kein Platz für Gefühle oder Nettigkeiten. Aus diesem Grund geht es in sehr brutal zu. Doch anders als bei anderen Spielen dient hier die Gewalt nicht dazu, Gegner möglichst blutig zur Strecke zu bringen. Hier gehört sie zur Atmosphäre dazu. In einer Welt, wo man versucht, mit allen Mitteln zu überleben, gehört die Brutalität zum Alltag.

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Dies lässt die Charaktere lebendig wirken. Sie haben schon zu viel erlebt, um nicht auf Nummer sicher zu gehen oder um Gnade walten zu lassen. Dies wird in jeder Interaktion zwischen den Charakteren deutlich bei jeder Entscheidung, die sie treffen. Es ist am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig und man selbst als Spieler denkt man sich nur, warum das so brutal inszeniert wurde. Doch je mehr man in diese Welt eintaucht, desto mehr wird der Kampf ums Überleben deutlich.

Man arrangiert sich dann auch mehr mit der Brutalität. Im Hinterkopf stellt sich einem aber die Frage, ob man in der Situation genauso reagiert hätte oder ob eine andere Lösung nicht sinniger wäre. Die zum Teil sehr blutigen Effekte und Handlungen der Charaktere zwingen mich persönlich mit den Taten und der damit verbunden Brutalität mehr auseinander zu setzen, man durchdenkt mehr das Thema Gewalt und nimmt sie nicht einfach so hin, wie in vielen anderen Shootern oder Spielen.

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Es ist eine Gradwanderung, die Naughty Dog hier beschreitet. Doch wenn man genug Distanz zu der Sache aufbringt und versucht, sich in die Lage der jeweils handelnden Person rein zu versetzen, wirkt die manchmal krasse Gewaltdarstellung eher als stilistisches Mittel, um bestimmte Situationen besonders hervorzuheben oder den harten Alltag, der da herrscht, zu unterstreichen. Es ist dafür allerdings eine gewisse Distanz nötig, um die Dinge so zu betrachten und deshalb ist das Spiel nicht für Jugendliche unter 18 Jahre zu empfehlen.

Selbst manche 18-Jährige werden die expliziten Gewaltdarstellungen eher „cool“ finden, anstatt sie als Abschreckung oder gar als Erzählmedium zu empfinden.

Für eine Handvoll Patronen
Es ist natürlich sehr nachvollziehbar, dass es in einer Welt, wo alle Rohstoffe sehr begrenzt sind, auch die Munition aller Art sehr rar gesät ist. Deshalb haben Cowboys hier sehr schnell verloren in diesem Spiel. Die Munition ist dann schneller weg, als man Halt sagen kann. Hier ist sehr viel lautloses Ausschalten und Schleichen gefragt. Größere Gegnergruppen lassen sich auch sehr gut umgehen. Sollte man doch mal einen Gegner aufschrecken oder einen übersehen haben, der jetzt auf einen zurennt, hat man auch hier wieder viele Möglichkeiten.

Da gibt es die Methode, den Gegner mit Fäusten Ko zu hauen oder doch zur Waffe zu greifen und ihn zu erledigen. Allerdings läuft man hier Gefahr, dass andere Feinde den Schuss hören und bald eine Vielzahl von Feinden mehr hat, als geplant war. Sinniger ist es da, auf lautlose Waffen wie den Bogen zu setzen oder einfach vorher den Gegner von hinten lautlos auszuschalten. Entweder man erwürgt den Aggressor oder man benutzt ein Messer. Beide Wege sind effektiv. Der einzige Haken an der Sache ist, dass sich Gebrauchsgegenstände verbrauchen.

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Sei es Messer, Verbandszeug, Granaten, Baseballschläger u.v.m. Hier ist mit allen Sachen sparsam umzugehen. Die Umgebung lässt sich ebenfalls sehr gut einbeziehen. Es gibt zahllose Steine und Flaschen, die einem helfen, den Gegner abzulenken und in eine andere Richtung zu lotsen. Damit lassen sich wirklich brenzlige Situationen im Vorfeld schon vermeiden. Der kluge Überlebenskünstler macht sich also ein genaues Bild von der Situation und rennt nicht blindlings in sein Verderben. Hilfreich beim lautlosen Vorgehen ist auch der Lauschmodus. Dort sieht man Feinde auch durch Wände und man sieht ihre Laufwege.

Wer die Wahl hat, hat die Qual
Es gibt viele verlassene Häuser und andere Bereiche, die sich erkunden lassen. Dort findet man viele nützliche Utensilien. Wie z.B. Bandagen, Scheren, Alkohol, Teile oder auch mal ein fertiges Messer oder ein fertiges Medikit. Es lohnt sich also immer, die Umgebung sehr gründlich zu durchsuchen. Da lässt sich dann einiges draus herstellen. Hier heißt es aber, entweder das eine oder das andere. Wird ein Molotov benötigt, kann dann nicht zusätzlich noch ein Medikit hergestellt werden.

So heißt es, sich vorher zu überlegen, was gebraucht wird und wie viele Gegenstände man als Vorrat braucht. Es gibt nicht genügend Teile und Materialien, um alles in ausreichenden Mengen zu besitzen. Mit den Teilen lassen sich nicht nur Sachen herstellen, es ist ebenso möglich, vorhandene Waffen und Gegenstände zu verbessern. Also wer die Wahl hat, hat die Qual. Der Fakt, dass alles nur sehr begrenzt zur Verfügung steht, ist natürlich nachvollziehbar in so einer apokalyptischen Welt.

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Auch diese Details tragen zu einer authentischen Atmosphäre bei. Nur das Skillsystem scheint mir ein wenig überflüssig zu sein, aber da ging Naughty Dog wohl mit dem Trend. Ein paar nützliche Sachen gibt es da schon, aber das Skillsystem wäre im Allgemeinen nicht nötig gewesen.

Eine lebendige Begleiterin
Im Laufe des Spiels begegnen einem viele unterschiedliche Figuren. Eine davon wird im späteren Verlauf zu einer Begleiterin. Ihr Name ist Elli und sie begleitet einen dann durch das Spiel. Sie agiert eigenständig und ist stets an der Seite. Manchmal muss man ihr per Räuberleiter auf eine Plattform helfen, damit sie eine Leiter runter gibt oder einen Durchgang erschafft. Unterwegs kommentiert Elli eifrig die Umgebung oder die Taten von Joel. Sie hat des Öfteren auch einen flotten Spruch auf den Lippen. So wirkt sie sehr lebendig und sie wächst einem sehr schnell ans Herz. Dabei ist sie keines Wegs ein Hindernis. Sie sucht sich ihre Wege selbst, geht eigenständig in Deckung und unterstützt sogar im Kampf.

Es ist sogar möglich, einige Passagen als Elli selbst zu bestreiten. Aufgrund dieser Begleiterin und ihren Interaktionen mit den anderen Spielfiguren wirkt die ganze Welt stimmig und lebendig. Das erzeugt eine schöne angenehme und nicht erzwungene Stimmung. Ständig passiert irgendwas und ständig kommunizieren die Figuren untereinander. Einfach ein großartiges Erlebnis. Es kommt vor, dass dadurch die Stimmung etwas melancholisch wird oder ein wenig angespannt ist. Genau so was will man als Spieler erleben.

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Es wirkt realistisch und menschlich. Niemand will einen stummen Begleiter, der nie eine Reaktion zeigt, oder eine Begleiterin, die nur ständig nervt und nichts allein kann. Elli schafft genau den Spagat. Man nimmt ihr sofort ab, dass es sich bei ihr um ein 14-jähriges altes Mädchen handelt. Einfach nur großartig geworden. Sie ist genauso eine tolle Ergänzung für Joel für Elizabeth aus Bioshock infinite für Booker und dennoch macht Elli durch ihre neugierige und realistische Art das Gefühl von zwischen menschlicher Kommunikation noch um einiges stimmiger, als es bei dem Gespann aus Bioschock ist.

Es könnte alles so schön sein, wenn da das kleine Wörtchen aber nicht wäre
ist ein sehr gutes Spiel. Die Grafik ist atemberaubend, ein würdiger letzter Titel für die alternde PS3. Der Soundtrack ist herausragend und zu jeder Gelegenheit gibt es das passende Musikstück. Die Sounds im Allgemeinen sind knackig und hören sich auch gehaltvoll an. Wenn man einen Infizierten schlägt, dann hört sich das auch an, als ob hinter dem Schlag Kraft steckt. Die Umwelteinflüsse sehen sehr realistisch aus. Regen wirkt so authentisch, dass man Gänsehaut bekommt.

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Wenn Joel aus großer Höhe springt, schreit er Aua oder stöhnt schwer. Dennoch gibt es einfach zu unterschiedliche Textur-Qualitäten. Manchmal sind Vorhänge unscharf, oder Ventilatoren sehr pixelig. An anderen Stellen sieht man hingegen jede kleinste Falte an der Jacke eines Infizierten. Somit ist die Grafikqualität schwankend. Es trübt den Gesamteindruck der Grafik nur ein wenig. Denn alles in allem sind die grafische Kulisse und die Soundkulisse hervorragend. Auch die deutsche Lokalisierung kann sich sehen lassen. Optional lassen sich auch deutsche Untertitel einstellen, währen Englisch gesprochen wird.

Doch sind die Untertitel manchmal zu schnell und so geht der Überblick, wer was gesagt hat, wenn zu viele Figuren sprechen, zu schnell verloren. Das sind alles Kleinigkeiten, die den Spielspaß minimal trüben, aber da gibt es eine Sache, über die ich mich sehr geärgert habe und sie kommt auch leider des Öfteren vor. Nämlich die Computer gesteuerte KI. Sie hat regelrecht Aussetzer. So greift ein Bandit nicht an, wenn ich direkt vor ihm stehe. Oder ein Infizierter rennt schnurstracks an mir vorbei, obwohl er mich gesehen hat. Es ist auch vorgekommen, dass ich einen Soldaten lautlos beseitigt habe vor den Augen eines anderen und er mich gewähren ließ.

Davon gibt es leider zu viele Situationen im Spiel. Wenn man denn schon eine apokalyptische Spielwelt erschafft, wo jeder einem ans Leder will, dann auch bitte in jeder Sekunde des Spiels. Das ist in meinen Augen dann nicht konsequent genug ausgeführt worden. Wenn diese Schwäche nicht wäre, könnte das Beste Schleich-Spiel sein, was ich jemals in meinem Leben gespielt habe. So bleibt es immer noch ein sehr gutes Spiel, aber eben kein perfektes Spiel. In Sachen Atmosphäre, Spannung, Spielwelt und lebendige Figuren übertrifft es sogar das außergewöhnliche Heavy Rain und das will was heißen.

Fazit
Mit hat sich Naughty Dog selbst übertroffen. Es in puncto Spielwelt, Atmosphäre, lebendige Charaktere, Soundkulisse, Authentizität unübertroffen gut gelungen. Es ist bis jetzt das zweite Spiel, was bei mir einen so positiven Gesamtdruck hinterlassen hat nach dem Durchspielen, wie es kein Spiel seit längerem geschafft hat. Dafür Hut ab Naughty Dog.

Wie oben schon erwähnt muss ich aber die KI bemängeln, sie trübt den sonst so konsequent und gnadenlos verfolgten Gedanken einer apokalyptischen Welt, wo nur der Stärkste überlebt. Das ist sehr schade, aber dennoch mildern die anderen positiven Aspekte des Spiels auch diesen Fehler. Sodass man sehr gut unterhalten wird und auch sehr zum Nachdenken angeregt wird.

Das Zombie-Setting ist Geschmackssache. Einigen dürfte es nicht so zusagen, weil es so was wie Sand am Meer gibt, doch Zombie-Fans und Fans von apokalyptischen Szenarien stört dies nicht, im Gegenteil sie werden hier voll auf ihre Kosten kommen. Das Spiel baut durch die Munitionsknappheit und den Schleichaspekt auch so einen gewissen Grad an subtilem Horror auf. Manchmal habe ich mich erwischt, wie ich an das gute alte Resident Evil zurückdachte. Nur die Gewaltdarstellung ist sehr kritisch.

Ich selbst finde, dass sie zur Unterstreichung der Hoffnungslosigkeit und Brutalität der Welt passt und diese noch atmosphärisch dichter macht. Aber das kann bei anderen Menschen einen gegenteiligen Effekt auslösen. Darum sollten Jugendliche unter 18 Jahre die Finger davon lassen. Zusammenfassend gibt es aber von mir eine klare Kaufempfehlung.

Die Collectors Edition bietet einen sensationellen Soundtrack im Retro Design einer Radio Kassette mit integriertem USB-Stick. Also eine wirklich gelungene Idee. Es gibt auch noch einige freischaltbare Codes, aber ansonsten ist es ein wenig spärlich, was die Collection zu bieten hat.

  • Entwickler: Naughty Dog
  • Alter: FSk ab 18 Jahre
  • Erscheinungsdatum: bereits erschienen
  • Genre: Schleichspiel
  • Publisher

 

 

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